Eigene Eltern mit dem Tod bedroht. 26-Jähriger aus dem Weinviertel muss in Anstalt für abnorme Rechtsbrecher. Richterin: „Ohne Behandlung sind Sie gefährlich.“

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 26. Februar 2021 (04:24)
Landesgericht Korneuburg
APA

Wie fest ihn seine Krankheit im Griff hat, zeigte sich auch für Laien bei der Schöffenverhandlung am Landesgericht Korneuburg unter dem Vorsitz von Richterin Monika Zbiral, bei dem es nicht in erster Linie um die dem 26-Jährigen angelasteten Taten ging, sondern um eine Unterbringung in einer Anstalt für geistig-abnorme Rechtsbrecher. Über Jahre hinweg soll er seine Eltern drangsaliert, bedroht und auch geschlagen haben.

Zutiefst besorgt, der Vater, und verängstigt, die Mutter, schilderten die Eltern in ihrer per Video zugespielten Aussage, dass sie sich in ihrem eigenen Haus aus Angst vor dem Sohn einsperren würden und extra noch die Schlafzimmertür absperren. Eskaliert war die Situation in dem Einfamilienhaus in Mistelbach am 3. Oktober 2020, als er seine Eltern mit dem Tod bedrohte und sowohl die Küche des Hauses als auch den Garten rabiat verwüstete.

Verteidiger Thomas Wagner-Szemethy sah in seinem Mandanten ein Opfer, da dessen bisherige vier Verurteilungen wegen Nötigung, Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz nicht zu der notwendigen Therapie geführt haben. Das hätte ihn zu einer „medizinischen Zeitbombe“ gemacht. Die Gefährlichkeit des 26-Jährigen resultiert aus der seltenen Form paranoider Schizophrenie, an der er leidet. Erschwerend kommt hinzu, dass der junge Mann über keinerlei Krankheitseinsicht verfügt.

Schwieriges Gespräch mit 26-Jährigem

Durchaus ein Symptom dieser Krankheit, wie der Sachverständige Werner Brosch den Schöffen darlegte. Wie schwierig ein Gespräch mit dem als „Betroffenen“ geführten Mann ist, musste dann auch die Richterin erfahren. Teilnahmslos, wortkarg und immer wieder parathym lachend – ein Fachausdruck für eine unangebrachte emotionale Reaktion – wollte er abwechselnd die Verhandlung verlassen oder abgeschoben werden, woraufhin es Zbiral mit Logik versuchte: „Sie sind Österreicher“, was erwartungsgemäß nicht fruchtete.

Mit ruhiger Hand führte die Richterin die Verhandlung zu Ende, in der der 26-Jährige immer wieder stöhnte: „Ich halte das nicht aus.“ Behutsam fragte sie nach: „Was halten Sie nicht aus?“ „Ich will nicht verhandeln.“ Auf die Frage „Warum?“, antwortete er mit: „Alles eine Falle, interessiert mich nicht. Tschüss.“ Auch Psychiater Brosch ist, wie er dem Gericht schilderte, bei der Erstellung seines Gutachtens nicht zu dem Angeklagten durchgedrungen.

Nach dem Verhandlungsverlauf und dem Eindruck, den der junge Mann dabei vermittelte, stand es außer Zweifel, dass er – auf unbestimmte Zeit – in einer Anstalt für geistig-abnorme Rechtsbrecher untergebracht wird. Somit bewahrheiteten sich die Worte von Wagner-Szemethy, dass sein Mandant „ein Opfer seiner selbst“ ist. Und noch einmal versuchte Richterin Zbiral mit der Urteilsbegründung den 26-Jährigen zu erreichen: „Solang Sie nicht behandelt werden, sind Sie gefährlich.“