Kritik an Bauprojekt: „Ein Verbrechen am Ortsbild“. Zwischen zwei Einfamilienhäusern in Mistelbach sollen zwei Wohnblöcke gebaut werden.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 23. Juni 2020 (16:25)
Zwischen zwei Einfamilienhäuser will eine Baugenossenschaft zwei Wohnblöcke klotzen. Die Anrainer sind angesichts der künftigen Aussicht auf eine Häuserwand wenig begeistert.
Michael Pfabigan

„Wenn ich ein Carport errichten will, dann wird skeptisch beurteilt, ob das ins Ortsbild passt“, ärgert sich eine Mistelbacherin: „Aber so einen Klotz darf man einfach hinstellen. Das ist ein Verbrechen am Ortsbild!“

Der Grund für die Erregung: Eine Siedlungsgenossenschaft hat in der Franz Josef Straße zwischen zwei Einfamilienhäusern ein großes Grundstück gekauft und plant dort zwei Wohnblöcke zu je 17 Wohneinheiten zu errichten. Das Projekt ist bauverhandelt und kann jederzeit errichtet werden, Einsprüche kann es keine mehr geben. „Dort könnte man auch tolle Einfamilienhäuser hinstellen“, findet die Anrainerin. Die würden dort zur bestehenden Siedlungsstruktur besser dazu passen. Im Verfahren hätten sich aber die direkten Anrainer nicht getraut, Einwände zu erheben.

Vorschriften eingehalten

„Es ist alles rechtskräftig“, bestätigt Baustadtrat Friedrich Brandstetter (Liste aktiver Bürger), der das Projekt mit seinem Amtsantritt geerbt hat. Die Genehmigung erfolgte vor seiner Amtszeit. Die Vorschriften dürften alle eingehalten worden sein. Etwas verwundert ihn aber, dass trotz Bauklasse 1 bis 2 (Bauhöhe acht Meter) das gesamte Gebäude neun Meter hoch wird.

Der Norden der Stadt soll mehr verdichtet werden, da will Brandstetter den Kurs seines Vor-Vorgängers Christian Balon (ÖVP) fortsetzen: „Aber es gibt mehrere Arten von Verdichtung: Man kann auch Reihenhäuser hinbauen, dann sieht die Sache gleich anders aus.“

Die Sorgen der Anrainer versteht er: „In Mistelbach war es bisher immer so, dass, wenn ein Investor gekommen ist, die Gemeinde ihn gleich unterstützt hat“, sagt Brandstetter, der für die Zukunft anregt, dass vorab diskutiert wird, wo man welchen Wohnbau haben will: „Das wird natürlich auch zu Diskussionen zwischen Fraktionen führen“, freut er sich schon auf den Dialog.