Nach 30 Jahren wird alles neu. Nach drei Jahrzehnten wird Notarztsystem umgestellt. Der Notarzt kommt künftig mit dem Pkw. Daran gab es auch Kritik.

Erstellt am 07. Juni 2017 (14:36)

„Morgen um 6 Uhr wird der erste Dienst am NEF beginnen. Die Dienste werden anders sein, aber sicher genauso erfolgreich.“ Rot Kreuz-Bezirksstellenleiter Clemens Hickl demonstrierte Zuversicht in seiner Begrüßungsrede am vergangenen Samstag im Stadtsaal. Die Rot Kreuz-Mitglieder und viele Ehrengäste trafen sich, um 30 Jahre Notarztwagen (NAW) und gleichzeitig sein Ende zu begehen und das neue NEF zu segnen und in den Dienst zu stellen.

Es sollte ein Familienfest werden, aber wie in einer Familie sind auch in der Rot Kreuz-Familie nicht alle einer Meinung, was die Umstellung vom erfolgreichen Notarztwagensystem auf das neue NEF (Notfalleinsatzfahrzeug) betrifft.

Künftig wird der Notarzt mit einem Pkw (aktuell einem VW Passat), gelenkt von einem Notfallsanitäter, zum Notfallort kommen. Den Patiententransport wird in der Regel ein Krankentransportwagen, auch RTW genannt, durchführen. Bei Bedarf wird der Notarzt mitfahren.
Moderator Michael Jedlicka begrüßte als ersten Festredner gleich den erklärten Gegner der Umstellung und dienstältesten Notarzt, Oberarzt Karl Ischovitsch, der fast 30 Jahre im Notarztdienst tätig ist, am Rednerpult.

Notarzt: Umstellung bringt Nachteile!

Dieser dankte, wie schon vorher Bezirksstellenleiter Clemens Hickl, der ehemaligen Primaria Gertraut Herold, die als Ehrengast geladen war und die vor 30 Jahren den NAW gegen viele Widerstände durchgesetzt hatte. Er „betrachte dieses Fest als Begräbnis“, sagte Ischovitsch. Denn das neue System bringe vor allem Verschlechterungen für die Patienten, aber auch für die 24 Notärzte, die alle aus der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Landesklinikums kommen. Mit den Ärzten habe es keine Kommunikation gegeben.

Einerseits sei das angekaufte Auto nicht geeignet für unebenes Gelände, andererseits und vor allem fahre künftig nur mehr einen Notfallsanitäter mit, der die geforderten fast 1.000 Ausbildungs- und Fortbildungsstunden habe. Dieser „fährt hinter dem Transportfahrzeug her“. In diesem Transportfahrzeug sei außerdem viel zu wenig Platz, um die Patienten zu betreuen. Die Notärzte wollen ein Transportfahrzeug in der Größe eines NAW, das mit Notfallsanitätern besetzt ist und er ersuchte die Politiker um Unterstützung.

Der Präsident des NÖ Roten Kreuzes, Josef Schmoll zeigte sich beeindruckt von der Rede Ischovitschs. Er gab ihm Recht, was das NEF-Fahrzeug betrifft, das jetzt allerdings - wie in den anderen Bezirken des Landes auch - drei Jahre lang in Betrieb sein wird. Es würden bereits drei andere Fahrzeuge getestet.

„Die Entscheidung ist im besten Wissen und Gewissen gefallen, dass es ein gutes System ist!“
Landesrat Karl Wilfing glaubt an das NEF-System im Rettungswesen.

Das NEF-System hält er aber grundsätzlich für gut, denn im NAW wären immer wieder Patienten transportiert worden, die auch mit einem Krankentransportwagen gut ins Krankenhaus gekommen wären und der Notarzt wäre dadurch blockiert gewesen.

Landesrat Karl Wilfing prophezeite nach seinem Dank an alle Freiwilligen, dass alles gut werden würde. Allen recht getan, sei eine Kunst, die niemand kann, und: „Die Entscheidung ist im besten Wissen und Gewissen gefallen, dass es ein gutes System ist.“ Außerdem sei anfangs auch die Skepsis gegenüber dem NAW groß gewesen und jetzt würde er als gutes System bestätigt. Primaria Gertraut Herold erinnerte in ihrer, vom Veranstalter nicht geplanten, kurzen Rede an den steinigen Aufbau des Notarztsystems, wo ihr Notfall-Sani Johann Hochleithner und Bezirksstellen-Geschäftsführer Werner Nassek sehr behilflich gewesen waren.

Vor den Ehrungen an langjährige und verdiente Rot Kreuz Mitglieder zeigten die „Jungstars of Latin Dance“ ihr Können und vor der Eröffnung des Buffets war die Theatergruppe Kronberg mit drei Sketches zu Gast.