Nur wenige neue Windräder . Widerstand, zu wenige Flächen und windfreie Phasen machen Windenergie zu schaffen.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 06. April 2018 (05:00)
Symbolbild

„Wir verstehen nicht, warum Mistelbach und Gänserndorf die Hauptlast des Windkraftausbaus tragen müssen“, ist Gerhard Loidolt, Mitinitiator der Initiative „Rettet den Buschberg“, besorgt. Unrecht hat er mit dieser Aussage nicht, denn auch die IG Windkraft weist darauf hin, dass „zwei Drittel der Windräder, die 2017 errichtet wurden, in NÖ stehen.“

44 Windräder geplant

Für dieses Jahr sind weitere 44 Windräder geplant, der Ausbau stockt jedoch, behält man das Ziel der Bundesregierung „100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energiequellen bis 2030“ im Hinterkopf.

Um dieses anvisierte Ziel zu erreichen, „sind noch 15 bis 20 Prozent der Stromversorgung zu ersetzen“, merkt Winfried Dimmel, Kommunikationsleiter bei Windkraft Simonsfeld, an. Bei diesem Ausbau würde die Flächenbegrenzung von 1,5 Prozent, für Windkraftzonen in Niederösterreich seiner Meinung nach aber schnell an ihre Grenzen stoßen. Dennoch kann er verkünden: „Wir haben dieses Jahr mit 13 geplanten Anlagen (sieben davon in Kreuzstetten) ein großes Ausbaujahr vor uns.“

„In Poysdorf strebt der Tourismus trotz Windrädern auf.“Manfred Schulz, Bürgermeister Gnadendorf

Bei Gnadendorf ist ebenfalls ein Windpark geplant, welcher jedoch für gespaltene Stimmung im Ort sorgt. Bürgermeister Manfred Schulz ist überzeugt: „Wir brauchen alle Formen der erneuerbaren Energien.“ Loidolt würde das grundsätzlich nicht viel anders sehen und betont: „Wir sind nicht generell gegen Windkraft.“ Sein Vorwurf gegen den Bürgermeister baut darauf auf, dass dieser das Gnadendorfer Windpark-Projekt im Geheimen vorangetrieben hätte, außerdem wären auf den Infoveranstaltungen nur die Vorteile der Windenergie präsentiert worden.

Das Hauptargument der Kritiker: Eine vermeintliche Zerstörung des Landschaftsbildes, sei laut Schulz schon durch den Entscheid der Umweltverträglichkeitsprüfung entkräftet. Ihr ist folgender Wortlaut zu entnehmen: „Zusammenfassend ist die Beeinträchtigung der Wald- und der Wildökologie bei Berücksichtigung der vorgeschlagenen Auflagen als gering zu beurteilen.“ Auch das Argument, die Windräder würden die Region für den Tourismus weniger interessant machen, ist für Schulz nicht schwerwiegend: „In Poysdorf strebt der Tourismus trotz Windrädern auf.“ Ein Verfahren im Bundesverwaltungsgericht soll noch dieses Jahr zu einem Ergebnis kommen.

Bürgerinitiative wünscht sich Photovoltaik-Ausbau

Problematisch sieht Loidolt aber dennoch den Infraschall, welcher von Windrädern ausgehen würde, und den Abstand zu Siedlungen: „In Gaubitsch wurde sogar einer Abstandsreduktion zugestimmt.“ Schulz nahm letzteren Kritikpunkt bereits auf und betont: „Wichtig ist, viel Wert auf den Abstand zu Siedlungen zu legen und von Anfang an die Leute zu informieren.“ Einen Interessenskonflikt sieht Loidolt aber in dem Umstand, dass Bürgermeister Schulz auch Mitglied im EVN-Beirat für Umwelt und soziale Verantwortung ist.

Der Vertreter der Bürgerinitiative wünscht sich als Alternative zur Windkraft einen verstärkten Ausbau von Photovoltaik, vor allem auf Dachflächen. Eine Möglichkeit des Ausbaus der Windkraft ist die Effizienzsteigerung, bekannt als „Repowering“, wobei bestehende Windräder durch neuere und leistungsfähigere ersetzt werden. „Wir haben im Rahmen des Projekts Prinzendorf, mit dem Abbau von neun Anlagen und der Errichtung zehn neuer eine Verdoppelung der Leistung geplant“, führt Dimmel dazu aus.

Das immanente Problem der Windkraft, dass es einfach nicht immer windig ist, mache jedenfalls Erdgas- oder Kohlekraftwerke für die Überbrückung von Windstille notwendig. Eventuell lohne es sich, in der Diskussion um erneuerbare Energien, den Blick auf die Geothermie zu richten.