Pendler wollen Stärkung. Mit der Laaer Ostbahn und der Nordbahn sind die Fahrgäste unzufrieden.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 11. Dezember 2019 (04:12)
Da die Laaer Ostbahn ab Wolkersdorf eingleisig geführt wird, ist die Verbindung komplett unterbrochen, wenn eine Lok nicht weiterfahren kann. Letztes Jahr entgleiste ein Güterzug und sorgte für eine Sperre. Karl Mechtler (Ladendorfer Pendlerinitiative, Foto unten) fordert daher den zweigleisigen Ausbau.
privat, D. Gepp

Karl Mechtler pendelt seit gut 40 Jahren auf der Laaer Ostbahn zwischen Ladendorf und Wien. Er ist mit gemischten Erfahrungen konfrontiert: Die Anzahl der Züge hat sich auf der Strecke einerseits verbessert. Andererseits haben die ÖBB das Pünktlichkeitsziel von 95 Prozent auf Mechtlers Strecke in den letzten zwölf Monaten nur diesen August erreicht. Mechtler hat von den ÖBB für das Jahr 2018 daher Geld zurückgefordert und 118 Euro erhalten.

Der Grund für die Verspätungen ist für den Obmann der Ladendorfer Pendlerinitiative (LPI) klar: Die Bahn wird ab Wolkersdorf quasi als Einbahn geführt. Das hat Folgen, denn „wenn die Lok auf einer eingleisigen Strecke steht, geht gar nichts mehr.“ Erst letztes Jahr entgleiste ein Güterzug auf der Strecke.

„Wenn die Lok auf einer eingleisigen Strecke steht, geht gar nichts mehr.“Karl Mechtler, Obmann LPI

Ausweichgleise gibt es zwar in einigen Bahnhöfen und zusätzliche Kreuzungsbahnhöfe wurden vom ehemaligen Verkehrslandesrat Karl Wilfing (ÖVP) in Aussicht gestellt, aber bisher wurde nichts aus den Plänen. Für Mechtler ist der Ausbau der Laaer Ostbahn allerdings die „wichtigste Infrastrukturmaßnahme im Bezirk“.

Eine Analyse (Addendum) der Pendlerströme in ganz Österreich liefert das Zahlenfundament für Mechtlers Forderungen: Drei der fünf Gemeinden mit der größten Auspendlerquote im Bezirk liegen an der Laaer Ostbahn. Es sind Ulrichskirchen-Schleinbach (87,6 Prozent), Niederleis (84,8 Prozent) und Gaubitsch (84,5 Prozent). Auch in Ladendorf liegt der Wert bei 81,6 Prozent.

Insgesamt nutzen die Laaer Ostbahn an einem Werktag 13.300 Fahrgäste (Stand April 2019), die Fahrgastzahlen sind in zwei Jahren nach der letzten Taktverbesserung um zehn Prozent angestiegen.

Die Unzufriedenheit ist allerdings kein Alleinstellungsmerkmal der Pendler auf der Laaer Ostbahn: Auch die Nutzer der Nordbahn haben eine Pendlerinitiative gegründet, um Verbesserungen herbeizuführen. Die Bahnfahrer aus dem nordöstlichen Eck des Bezirkes beschwerten sich dieses Jahr nämlich über lange Fahrzeiten und Züge, welche bei Verspätungen nicht bis zur Endstation gefahren sind.

privat, D. Gepp

Über 2.300 Unterschriften wurden daher gesammelt und es haben bereits Gespräche mit dem VOR stattgefunden, denn die Nordbahn-Pendler wollen vermehrt schnelle Züge, welche nicht in allen Bahnhöfen stehen bleiben. Tatsächlich zeigen die Zahlen der Pendleranalyse, dass die durchschnittlich längsten Fahrzeiten die Mistelbacher Pendler im Einzugsgebiet der Nordbahn betreffen: Für die Rabensburger sind es 67 Minuten, für die Bernhardsthaler 50 Minuten und für die Hausbrunner ebenfalls 50 Minuten.

Ein positives Zeugnis stellt die Analyse den Städten mit Wirtschaftspark an der A 5 aus: Der sogenannte Pendlerindex liegt in Wolkersdorf bei 125 Prozent, in Mistelbach bei 121 Prozent und in Poysdorf bei 101 Prozent. Die Zahlen geben Auskunft darüber, ob eine Gemeinde mehr Arbeitsplätze als Erwerbstätige aufweist (über 100 Prozent) oder wenigere (unter 100 Prozent).

Für Mistelbach ist der Index von 1991 auf 2017 jedoch leicht abgefallen, während er in den anderen beiden Städten stark angestiegen ist. Laa zeichnet sich mit einem Rekordwert im Bezirk aus: 45,8 Prozent der Erwerbstätigen haben hier eine Arbeit in der eigenen Gemeinde.

Wünschenswert ist das für sämtliche Gemeinden im Bezirk, denn das Land NÖ verfolgt ein klares Ziel: Der CO -Ausstoß soll bis 2030 um 36 Prozent verringert werden, der Verkehr wird als ein Haupttreiber der Emissionen identifiziert. Jedenfalls ist der Ausbau der Bahnlinien wichtig, denn laut Addendum ist für die meisten Pendler neben Frequenz und Verlässlichkeit von Öffis der Zeitvergleich zum Pkw entscheidend für die Wahl des Verkehrsmittels.

Dieser Pendler-Report wurde mit Daten der Rechercheplattform „addendum“ der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH. erstellt.

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