Pflegeausbildung: Ruf nach einer Fachhochschule

2022 läuft der letzte Kurs für den höheren medizinischen Dienst in Mistelbach.

Erstellt am 20. Oktober 2021 | 05:40

„Wir haben keine Panik, aber der Hut brennt!“ Mit derart drastischen Worten fordert die kollegiale Führung des Landesklinikums Mistelbach rasche Schritte in Richtung Schaffung von Fachhochschulangeboten bei der Ausbildung gehobenen pflegerischen Personals in Mistelbach ein. Der Hintergrund: „Es werden im Bildungszentrum jetzt noch drei Lehrgänge für den gehobenen medizinischen Dienst ausgebildet. Dann wandert diese Ausbildung zu den Fachhochschulen ab“, sagt Pflegedirektor Christian Pleil.

Das Problem dabei: In NÖ gibt es drei Fachhochschulen, die derartiges Personal ausbilden. Die sind in Krems, St. Pölten und Wr. Neustadt. Die große Angst jetzt in Mistelbach: Entscheiden sich junge Menschen für diese Ausbildung, dann ziehen sie einerseits zum FH-Standort und machen dort auch ihre Ausbildung. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie dann wieder zurück nach Mistelbach kommen, ist dann geringer, als wenn die Ausbildung hier im Weinviertel erfolgen würde.

Absolventenlücke von drei Jahren droht

Die Entscheidung für eine Außenstelle einer FH in Mistelbach müsste bald fallen: „Wenn wir nächstes Jahr die Ausbildungen in Mistelbach beenden und anschließend gleich mit der neuen FH-Ausbildung beginnen, haben wir eine Absolventenlücke von drei Jahren, in denen keine neuen Fachkräfte in die Kliniken kommen“, warnt Pleil: „Mistelbach ist eine Stadt, die es verdient, eine FH-Außenstelle zu haben.“

Die Ausbildungsräumlichkeiten seien vorhanden, das Lehrpersonal mit großen Know-how da und Praktikumsstellen verfügbar. „Eigentlich warten wir nur mehr auf die Studenten“, sagt Pleil. Der ärztliche Direktor Christian Cebulla drängt auf eine rasche Umsetzung, auch mit kleineren Kursteilnehmergrößen: „Wir können nicht warten, bis wir 25 Interessenten beisammen haben, nichts zu tun, wird uns auf den Kopf fallen!“ Kleinere Kurseinheiten seien vielleicht rechnerisch teurer, in der Ausbildungsqualität aber sicher besser.

Jetzt brennt der Hut

Eine entsprechende Resolution an Land und Bund beschloss übrigens die Bezirks-ÖVP bei ihrem Bezirksparteitag, da auch die schwarzen Bürgermeister genau dieses Problem sehen. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner signalisierte dabei den Willen, sich dem Thema anzunehmen.

Versuche, eine Außenstelle einer FH zu bekommen, gab es schon früher, geworden ist daraus nix. „Aber jetzt brenne der Hut“, sagt Cebulla: „Wir müssen heute Schritte setzen, damit wir in zehn Jahren die Qualität der Pflege im Haus sicherstellen können.

Eine Forderung, die Alfred Weidlich, ehemaliger Obmann des Gemeindeverbandes, der lange Jahre Träger des Klinikums war, unterstützt: „Schon 2004 haben wir den Wunsch mach einer Fachhochschule in Mistelbach bzw. der Außenstelle einer solchen bei der Landesregierung deponiert, leider wurde dies, trotz damaliger mündlicher Zusagen, sich dafür einzusetzen, nicht umgesetzt.“