Prämie soll Ärzte in Stadt locken. Die Stadt plant, neue Kassenmediziner mit Prämien zu locken.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 01. Juli 2020 (05:12)
Bürgermeister Erich Stubenvoll (ÖVP): „Ärzte-Förderung wurde vereinbart.“
Schimmer

Ab Mitte Juli wird Kassen-Hausarzt Oskar Kienast seine Ordination in Mistelbach schließen und nach Hausbrunn wechseln, wo er eine frei werdende Ordi mit Hausapotheke übernehmen wird. In der Stadt bleiben die Patienten zurück mit drei heillos überlaufenen Kassen-Allgemeinmedizinern, die allesamt keine Patienten mehr annehmen.

„Was tun, wenn jemand kein Auto besitzt, um zu einem Hausarzt mit freien Ressourcen zu fahren?“, fragt ein NÖN-Leser angesichts der Lage in der Stadt.

„Wir sind schon seit Längerem mit Ärztekammer und Krankenkasse in Kontakt, um eine zusätzliche, fünfte Kassenstelle für die Stadt genehmigt zu bekommen“, sagt Bürgermeister Erich Stubenvoll (ÖVP). „Dies wird immer mit fadenscheinigen Begründungen abgelehnt.“ Als die ersten Hinweise auf das Abwandern von Kienast im Rathaus aufschlugen, wandte man sich an die Ärztekammer mit dem Ersuchen, die eigentlich gut gehende Arztstelle ehestmöglich auszuschreiben.

„Wir fordern seit Längerem eine zusätzliche Allgemeinmediziner-Kassenstelle. Diese wird immer mit fadenscheinigen Begründungen abgelehnt.“Erich Stubenvoll, ÖVP-Bürgermeister

„Das Problem sind halt nicht der Standort, sondern die Tarife, die die Krankenkassen zahlen, dass die Ärzte weitgehend keine Blutabnahmen mehr verrechnen dürfen und dass es in der Stadt keine Hausapotheken gibt“, weiß Stubenvoll. Wenn es da keine ganzheitliche Reform gebe, breche ohnehin das österreichische Gesundheitssystem zusammen, ist Stubenvoll überzeugt.

Was kann Mistelbach tun, um trotzdem für Kassenärzte attraktiv zu bleiben? „Wir haben in interfraktionellen Gesprächen vereinbart, dass wir zeitnahe eine Ärzteförderung in Form eines Investitionszuschusses bei der Errichtung und auch einen Zuschuss zu den laufenden Kosten in den ersten Jahren schaffen werden“, kündigt der Bürgermeister an. „Das ist zwar nicht die Aufgabe der Gemeinde, aber wir werden in diesem Fall einspringen müssen.“

Mittelfristig bemüht man sich mit mehreren Investoren, ein Primärversorgungszentrum in Mistelbachs Zentrum zu installieren: „Da fahren wir eine zweigleisige Strategie, aber es sind noch viele Verhandlungen notwendig.“