Protest gegen Pläne: Abschiebung verhindern. Zwei Asylwerber lassen sich als Krankenpfleger ausbilden. Obwohl in der Pflege Personalmangel herrscht, sollen beide nach Irak und Afghanistan abgeschoben werden.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 15. April 2021 (05:32)
Spontane Demo gegen die Abschiebung zweier in Ausbildung befindlicher Asylwerber, die sich motiviert als Pflegekräfte ausbilden lassen. Dass diese trotz Personalnotstand in der Pflege abgeschoben werden sollen, versteht niemand.
Gewerkschaft vida

Uns fehlen schon jetzt Fachkräfte im Pflegebereich, bis 2030 wird sich die Lage noch verschärfen. Und trotzdem sollen zwei junge Männer mit mittlerweile negativem Asylbescheid abgeschoben werden, die beide mittlerweile die Ausbildung zum Pflegeassistenten absolviert haben und weiter in diesem Berufsfeld arbeiten wollen.

„Hier braucht es eine Sonderregelung für arbeitswillige Menschen mit negativem Asylbescheid. Andernfalls werden wir gegen den Pflegenotstand nicht ankommen“, sagt Clemens Mechtler, Vorsitzender der Gewerkschaft vida in der Region Weinviertel Ost.
Die beiden jungen Männer sind seit 2015 in Österreich. Ammar Nabeel Watheq stammt aus dem Irak und schloss im Vorjahr die Ausbildung zum Pflegeassistenten und Fachsozialberater mit Spezialisierung auf Altenarbeit mit Erfolg ab. Derzeit macht er noch die Zusatzausbildung für Behindertenarbeit. „Er könnte schon arbeiten, darf es aber aufgrund des negativen Asylverfahrens noch nicht“, weiß Mechtler.

Abubaker Khan stammt aus dem von den Taliban beherrschten pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet und schließt heuer im Sommer die Ausbildung zum Pflegeassistenten und Fachsozialbetreuer mit Spezialisierung auf Altenarbeit ab.

Wie kamen die beiden jungen Männer zur Pflege? „Ammar hat vor der Ausbildung als ehrenamtlicher Mitarbeiter im Pflege- und Betreuungszentrum Zistersdorf gearbeitet und da festgestellt, dass er für die Pflege großes Interesse hat und Abubaker war von sich aus überzeugt, dass er in die Pflege möchte“, erzählt der Gewerkschafter, der sich für die beiden Männer einsetzt: „Nachdem er 2015 weder schreiben noch lesen konnte, war sein Vorgehen klar: Zuerst den Pflegeassistenten machen, dann arbeiten und nebenberuflich die Ausbildung zum Pflegefachassistenten machen“, erzählt Mechtler. Oder sogar noch mehr: „Abubakers Wunsch wäre es, einmal als diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger zu arbeiten.“

Derzeit droht den jungen Männern allerdings die Abschiebung: „Das ist gänzlich unverständlich, wenn man die Personalprognose im Gesundheitsbereich betrachtet“, ärgert sich auch Gabriele Wagner, pflegerische Leiterin der Schule für Sozialberufe in Mistelbach. Beide Männer hätten zusätzlich zu ihrer beruflichen Qualifikation bereits hervorragende Sprachkenntnisse, und seien gut integriert.

Rund um Mechtler und Wagner bildete sich eine Gruppe, die die Abschiebung in letzter Minute noch verhindern will.