Schüler bauen Beatmungsgerät-Prototypen. Für ihr Projekt entwickeln Mistelbacher Maturanten einfach zu bauendes Beatmungsgerät.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 04. Februar 2021 (04:14)
Die HTL-Schüler Louise Wessely, Melanie Panzer, Laura Pitsch und Fabio Reisinger entwickeln mit der TU Wien einen Prototypen, der Luft mit 40 Prozent Sauerstoff anreichert.
HTL Mistelbach

Wertvolle Erfahrungen sammeln im Moment die Diplomanden der HTL für Gesundheitstechnik in Mistelbach Melanie Panzer, Laura Pitsch, Fabio Reisinger und Louise Wessely: Sie arbeiten mit der TU Wien an der Entwicklung eines Prototyps für ein Sauerstoffgerät mit, welches imstande ist, die Atemluft auf einen Sauerstoffgehalt von 40 Prozent anzureichern.

Gedacht ist der in Entwicklung befindliche Prototyp als Notfallgerät für Covid-19-Patienten. „Zum Projektstand hatte die TU Wien die Idee zwar theoretisch veröffentlicht, aber noch keinen Prototypen“, sagen die Maturanten der HTL Mistelbach. Der grundsätzliche Entwurf für das neuartige Sauerstoffgerät stammt von Margit Gföhler, Leiterin des Forschungsbereichs für Biomechanik und Rehabilitationstechnik (Institut für Konstruktionswissenschaften und Produktentwicklung, TU Wien) und Michael Harasek, der sich am Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und technische Biowissenschaften seit vielen Jahren mit Membrantechnologie beschäftigt. Medizinisch beraten wurden sie vom Beatmungsspezialisten Alexander Aloy (Intensivmediziner und Lektor an der TU Wien).

TU: Die meisten Bauteile aus dem Baumarkt

„Die meisten Komponenten unseres Geräts findet man in einem Baumarkt“, sagt Margit Gföhler. Nötig seien ein ölfreier Kompressor, ein Luftfilter, die Verrohrung und ein Behälter zum Befeuchten der Luft – und ein Modul mit einer Spezialmembran zum Erhöhen des Sauerstoffanteils. „Diese Membran ist der einzige nicht ganz alltägliche Bauteil – aber auch diese Membranen sind in der Industrie heute nichts Ungewöhnliches, sie sind kommerziell erhältlich und in ausreichender Menge verfügbar“, ist Michael Harasek überzeugt.

„Nicht ganz“, relativieren die Maturanten, die den Bau in der Praxis übernahmen: „Es stellte sich heraus, dass diese angekündigte Beschaffung der Komponenten im Baumarkt schwierig ist“, sagt Fabio Reisinger: „Lediglich der Kompressor war dort erhältlich. Wir wurden von Firmen der Region mit den entsprechende Bauteilen unterstützt.“

Derzeit wird der Prototyp entwickelt, der so dimensioniert ist, dass eine Person mit Sauerstoff versorgt werden kann. „Das ist der größte Unterschied zum Projekt der TU, da diese ihr Gerät für die Versorgung ganzer Menschengruppen dimensionieren wollen“, sagen die Maturanten. Ganz wesentlich ist aber, dass das Gerät ohne Sauerstoffflaschen funktioniert – der Sauerstoff kommt aus der Umgebungsluft. „Das ist wichtig, weil es für das Krankenhauspersonal schwierig ist, immer im Auge zu behalten, welche Sauerstoffflaschen getauscht werden müssen. Und auch die Versorgung mit einer ausreichenden Zahl an Sauerstoffflaschen kann schwierig werden“, sagt Harasek.

Wie ist die Zusammenarbeit mit der Uni? Durch Corona erschwert, aber mit regelmäßigen Videokonferenzen wird der Informationsfluss aufrecht erhalten. „Uns ist bewusst geworden, dass die Auswahl des richtigen Projektpartners ausschlaggebend für den Erfolg eines Projektes ist“, wissen jetzt Melanie Panzer, Laura Pitsch, Fabio Reisinger und Louise Wessely. Sobald ihr Sauerstoffgerät fertig ist, wollen sie die Entwicklungsergebnisse auf einer eigenen Homepage veröffentlichen.