Schule wehrt sich gegen Wellnesshotel-Pläne. spusu zieht Vorhaben, sechs Hektar Weingarten von der LFS Mistelbach zu kaufen, zurück.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 05. Mai 2021 (05:13)
Das Unternehmerpaar Andrea und Franz Pichler will in den Weingärten der Landwirtschaftlichen Fachschule ein Wellness-Hotel errichten. Die will aber nicht verkaufen, weil sie die Rebflächen für die Ausbildung der Schüler braucht.
Michael Pfabigan, Michael Pfabigan

„Bitte verbaut nicht unsere Zukunft!“ Mit einem emotionalen Mail wollen die Schüler der Landwirtschaftlichen Fachschule Mistelbach verhindern, dass die Weingärten der Schule für das geplante Wellnesshotel der Familie Pichler verwendet werden. Die rückt nach der Kritik von diesen Plänen ab.

Google Maps; NÖN-Grafik: Bischof

„Wir sind nicht grundsätzlich gegen das Projekt“, sagen die Schüler: „Wir halten allerdings die Ausbildungsflächen der LFS Mistelbach als Standort für dieses Hotel für ungeeignet“, sagen sie. In einer Sonderausgabe des Absolventenverbandes spricht auch der Vorstand klare Worte: „Der Schule droht ein Verlust der bisherigen Ausbildungsflächen im Weinbau. Für die LFS Mistelbach ist das wahrlich eine Katastrophe“, findet der Absolventenverband: „Nicht nur, dass die Fläche dann für die praktische Ausbildung fehlt. Insbesondere die Tatsache, dass auf den betroffenen Flächen seit Jahrzehnten bodenschützende Maßnahme für die Praxis erprobt werden, sorgt für Irritationen.“

Derzeit laufen die Verhandlungen, wie viel Fläche Andrea und Franz Pichler für ihr spusu Life Resort der Vier-Sterne-Superior-Klasse vom Land kaufen kann: Das Land will zwei Hektar hergeben, die Pichlers wollen sechs Hektar, heißt es. Vier Hektar davon hätte spusu dann an die LFS mit der Auflage zurückverpachtet, damit die Weingärten auch solche blieben. „Das ist wichtig für unser Hotelprojekt“, sagen Andrea und Franz Pichler.

Deutlicher wird Alt-Direktor Christian Resch: „Eine Kooperation mit dem Hotel würde den jungen Menschen in der Fachschule Vorteile bringen, der Platz ist es, der ein Miteinander von Winzerschule und spusu unmöglich macht.“ Er bittet die Betreiber, das Hotelprojekt weiter Richtung Eibesthal bis zum Ende des Dionysosweges zu verschieben: Denn es geht gar nicht nur um die für die Ausbildung fehlenden Flächen: Lehrbetrieb in Weingarten bedeutet auch, dass Schüler, oft nicht gerade leise, im Weingarten arbeiten, dass Traktoren fahren und dass mit Spritz- und Sprühgeräten gearbeitet wird: „Diese Emissionen sind ein permanenter Störfaktor für Hotel und Gäste“, sagt Resch. Einer Landwirtschaftlichen Fachschule mitten im Weinviertel Weinfläche wegzunehmen führe zum Tod der Schule. „Es geht um die Identität der Schule und um Plausibilität der Ausbildung“, sagt der Alt-Direktor und Alt-Stadt-Chef.

„Angesichts der Kritik seitens der LFS und weil spusu ein gutes Miteinander mit der LFS schätzt, ist dieser Plan nun allerdings vom Tisch. Spusu kauft nur zwei Hektar an“, heißt es jetzt vom Projektbetreiber: „Aber auch diese zwei Hektar sollen nicht vollflächig verbaut werden, sondern ein Teil davon in das Gestaltungskonzept des spusu Life Resort integriert werden.“ Auch die geplante Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftlichen Fachschule bei Produktvermarktung und Ausbildung wird weiter angestrebt: „Ich sehe die Schule als Kooperationspartner auf Augenhöhe“, sagt Andrea Pichler.