Verstoß gegen Verbotsgesetz?: Ehrentafel soll verschwinden

Erstellt am 22. Juni 2022 | 05:40
Lesezeit: 3 Min
440_0008_8393679_mis25mpf_nowotny_tafel_im_november.jpg
Blumen bei der Ehrentafel für den umstrittenen Weltkriegs-Jagdflieger Walter Nowotny am Mistelbacher Friedhof zu seinem Sterbetag im November - das Bild entstand im November 2021. Die Tafel wurde 1979 vom Mistelbacher ÖKB aufgehängt, eine Initiative fordert jetzt die Entfernung bzw. dass die Gemeinde das Nutzungsrecht der Friedhofsmauer durch den ÖKB aufheben soll.
Foto: Michael Pfabigan
Eine Gruppe um Andi Kuba fordert vom Gemeinderat Mistelbach die Entfernung der Ehrentafel für den Nazi-Piloten Walter Nowotny.
Werbung

Für Diskussionen ist gesorgt: Eine Gruppe um Historiker und Journalisten Andi Kuba übergab dem Mistelbacher Gemeinderat einen Antrag auf Entfernung der Ehrentafel für den umstrittenen Weltkriegs-Kampfpiloten Walter Nowotny. Behandelt wird die Causa vermutlich in der Juli-Sitzung des Gemeinderates.

Die Tafel hängt seit 1979 an der Friedhofsmauer neben dem Denkmal für die Gefallenen beider Weltkriege. Aufgehängt wurde sie vom Mistelbacher Kameradschaftsbund, der, entgegen den Empfehlungen des Landesverbandes, eine innige Verbundenheit mit Nowotny lebt. Eine Abordnung des Stadtverbandes reist sogar anlässlich des Sterbetages zum mittlerweile aberkannten Ehrengrab auf den Wiener Zentralfriedhof.

Bei ihrem Antrag beruft sich die Gruppe um Kuba hauptsächlich auf eine Stellungnahme des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes DÖW, das in Nowotny eine Galionsfigur des NS-Regimes sieht, der sogar ein Heldenbegräbnis bekommen hatte.

Grab als Pilgerstätte für Neo-Nazis

„Nowotny war nicht nur Soldat der Armee des NS-Regimes, er war auch überzeugter Nationalsozialist“, sagt Kuba, sein Grab in Wien gelte Neo-Nazis und Rechtsextremen als Pilgerstätte, außerdem könne man die soldatischen Leistungen nicht von den Intentionen des Krieges trennen: „Das ist eine unzulässige Entpolitisierung“, findet Kuba: „Was für eine Ehre ist es überhaupt, einem ‚Helden‘ des NS-Unrechtsregimes die Ehre zu erweisen?“

Außerdem könnten Text der Tafel und die bloße Existenz der Tafel gegen das Verbotsgesetz verstoßen, sagt Kuba. Nur in Mistelbach gebe es noch eine derartige Ehrung für den Piloten: „Nicht einmal in seiner Geburtsstadt Gmünd gibt es eine Tafel“, sagt Kuba.

Anders sieht das Walter Graf vom Walter Nowotny-Gedenk-Verein: Walter Nowotny sei unfreiwillig Soldat geworden und als Jagdflieger für seine Tapferkeit ausgezeichnet: „Das ist keine Schande“, sagt Graf: „Die Taten des NS-Regimes und Nowotny sind zwei verschiedene Paar Schuhe.“ Wo sich Graf und DÖW wiedersprechen ist die Frage der Mitgliedschaft bei der NSdAP: Graf betont, dass Nowotny kein Mitglied gewesen sei und sich unpolitisch verhalten habe, das verweist auf Auskünfte vom Berlin Document Center, wonach er mit 1. Mai 1938 in die Partei aufgenommen worden sei. Eine Entfernung der Tafel kommt für Walter Graf nicht in Frage: „Ich denke, meine Argumente überzeugen.“

Geheime Abstimmung im Gemeinderat

Wie wird die Causa im Gemeinderat abgehandelt? „Ohne große Aufregung“, sagt Bürgermeister Erich Stubenvoll (ÖVP): Der Punkt werde unter „Friedhofsangelegenheiten“ behandelt, geplant ist, die Abstimmung mit Stimmzetteln und geheim durchzuführen. Abgestimmt wird übrigens darüber, ob die Stadtgemeinde dem ÖKB das Nutzungsrecht der Friedhofsmauer für die Tafel entziehen soll oder nicht.

Weiterlesen nach der Werbung