Mistelbach

Erstellt am 29. Dezember 2016, 05:00

von Michael Pfabigan

Vision Zentrum 2030++: „Eine Wohngarage gibt’s nicht!“. Die Stadtgemeinde macht sich Gedanken, wie der Stadtkern der Zukunft aussehen soll.

Planen an der Zukunft der Stadt: Für das Zentrum soll jetzt ein Konzept „2030++“ erarbeitet werden. Ohne teure Studien, einfach mit Gesprächen mit denen, die dort leben und arbeiten.  |  zVg

„Nachdem wir uns im Budget mit den Finanzmaßnahmen ein wenig Spielraum erarbeitet haben, können wir uns den Visionen widmen, wie die Stadt künftig sein soll.“ Bürgermeister Alfred Pohl und sein Team beginnen jetzt eine Vision für das Zentrum „2030++“ zu erarbeiten.

„In die Zukunft schauen heißt nicht, den Status quo einfach fortzuschreiben, sondern den eingeschlagenen Weg immer wieder zu hinterfragen“, sagt Pohl: Passen die Rahmenbedingungen noch, was bedeutet das Schlagwort der Smart City für Mistelbach? „Da müssen wir in der Stadt weiterdenken und überlegen, ob wir das so fortschreiben wollen oder ob wir Gedankensprünge machen müssen.“ Gerade die ruhigere Zeit zwischen den Feiertagen biete sich da an, Überlegungen anzustellen.

„Die zentrale Frage ist immer: Soll der Hauptplatz mehr Wohnzimmer oder mehr Parkplatz sein?“

Christian Balon, Vizebürgermeister

„Die Hauptplatzdiskussion ist ja ein altes Thema“, sagt Vizebürgermeister Christian Balon: „Soll der zentrale Platz in der Stadt mehr Wohnzimmer oder mehr Parkplatz sein. Das ist immer die zentrale Frage!“ Eine Wohngarage werde es nicht geben. Der für Raumordnung zuständige Stadtpolitiker führt seinen Ausschuss mit dem von Stadtrat Erich Stubenvoll (Wirtschaft) zusammen, gemeinsam sollen sie eine Vision für das Zentrum der Zukunft erarbeiten:

„Wir wollen da unsere eigenen Ressourcen nutzen, Studien haben wir ja schon genug herumliegen“, sagt Balon: „Ich brauch‘ keine Beratungsfirma, dass mir die sagt, was die Mistelbacher wollen. Ein Consulent kann mir nur einen Plan zeichnen, von dem ich gar nicht weiß, ob die Betroffenen das auch so wollen!“

Gespräche mit Hausbesitzern und Gewerbetreibenden

Der neue Weg ist der einfache: Es werden Gespräche mit Hausbesitzern und Gewerbetreibenden im Zentrum, mit der LgM und mit Entscheidungsträgern geführt, wie sie sich die Zukunft vorstellen, was sie sich wünschen würden: „Wenn halt dann ein Hausbesitzer sagt, er will sein Haus leer stehen lassen und nichts machen, wirds halt für uns dann schwer“, sagt Balon. Ein derartiges Problem hat die Stadt ja derzeit beim Häuserblock hinter dem Café Heindl: Der Mehrheits-Immobilienbesitzer vermietet nicht mehr weiter, wartet nur noch, bis die restlichen Mieter ausziehen, damit er seine Pläne umsetzen kann. Manche meinen, dass er das Haus abreißen und neu bauen will.

„Wir müssen uns auch fragen, ob die alte LgM-Doktrin noch gilt“, stößt Stadtrat Klaus Frank, selbst Unternehmer, nach: In einer NÖN-Umfrage gab der Großteil der Befragten an, dass Mistelbach keine Leistungsgemeinschaft, also keinen Selbstvertretungsverein der Zentrumswirtschaft mehr brauche. Zählen Parkplätze wirklich alles oder zählt für die Kunden mehr?

Technischer Fortschritt als große Unbekannte 

„Sollen wir eine Tiefgarage um 15 Mio. Euro bauen und der Hauptplatz stirbt aus oder baue ich um drei Mio. Euro ein zentrumsnahes Parkdeck, das dann keiner benutzt? Welche Verkehrsgewohnheiten haben wir in 20 Jahren?“ Für Balon ist die verkehrstechnische Zukunft offen: „Lässt man sich in 20 Jahren einfach von seinem selbstfahrenden Auto am Hauptplatz absetzen und ruft es per Knopfdruck, wenn man wieder fahren will, während es zum Warten außerhalb parkt?“ Eine große Unbekannte, das weiß Bürgermeister Alfred Pohl, ist der technische Fortschritt: Was wird wann möglich sein, was bleibt Utopie, was kommt?

Wichtig sei, dass etwas passiert: „Wenn wir nix machen, dann ist das so wie mit einem schönen Museum: Wenns keinen interessiert, wird auch keiner kommen!“, sagt Pohl.

Wann soll die Vision Zentrum 2030++ stehen? Spätestens 2019.

Umfrage beendet

  • Mistelbach: Neues Zentrums-Konzept?