Mistelbach

Erstellt am 11. Januar 2017, 05:01

von Michael Pfabigan

Wieder Vandalenakt: Nowotny-Tafel wurde abmontiert. Unbekannte rissen Ehrentafel des umstrittenen Kampf-Piloten von der Friedhofsmauer.

Oben: Zwischen Weihnachten und Neujahr wurde die Ehrentafel für Walter Nowotny von der Friedhofsmauer gerissen und am Friedhof deponiert.Links: Ein Bild der Tafel nach den Hammerattacken 2004.Unten: 2007 wurden Kriegerdenkmal und Tafel mit Lack beschmiert.  |  Michael Pfabigan

„Mir tut die Schändung der Gedenktafel körperlich und seelisch weh!“ Walter Graf, Obmann der Gedenkgemeinschaft Major Walter Nowotny, kann es nicht fassen: Zwischen Weihnachten und Neujahr wurde die Ehrentafel für den Deutschen Kampfpiloten Walter Nowotny am Friedhof Mistelbach von Unbekannten entfernt.

 

Gemeindemitarbeiter fanden die Tafel dann 70 Meter vom Kriegerdenkmal entfernt. Es ist dies die bereits dritte Schändung der Ehrentafel für einen der erfolgreichsten Kampfpiloten des Zweiten Weltkrieges, dem, wie seine Fürsprecher anführen, auch von den Kriegsgegnern für seine soldatischen Leistungen Respekt gezollt wird.

„Es geht mir nicht um Rache. Ich lade den Täter oder die Hintermänner zu einem Gespräch ein!“

Walter Graf, Obmann der Gedenkgemeinschaft Walter Nowotny

Die Tafel wurde samt der Schrauben entfernt, mittlerweile sind Schrauben und Tafel bei der Gemeinde deponiert. Statt der Tafel prangt jetzt die Parole „Niemals vergessen“ an der Friedhofsmauer. „Ich habe den Bürgermeister informiert, der sich sehr kooperativ zeigte. Er übertrug die Erledigung, die ich als Wiederanbringung der Gedenktafel verstehe, an den zuständigen Gemeinderatsausschuss“, sagt Graf.

Ein Bild der Tafel nach den Hammerattacken 2004.  |  Michael Pfabigan

Aber warum muss sich der Gemeinderat mit der Causa befassen? Würde es nicht reichen, wenn Bauhofmitarbeiter die Tafel wieder anschrauben? „Geht nicht“, sagt Bürgermeister Alfred Pohl: „Die Tafel ist zu beschädigt dafür. Eine Renovierung kostet Geld und dafür brauchen wir den Gemeinderat.“ Wäre dem nicht so, wäre die Tafel längst wieder an der Wand befndet: 2004 wurde sie mit Hammerschlägen beschädigt und beschmiert, 2007 wurden Tafel und das gesamte Heldendenkmal mit Parolen, darunter:

„Nur 1 toter Nazi ist 1 guter Nazi“ besprayt. „Es geht mir nicht um Rache“, sagt Walter Graf, Obmann der Gedenkgemeinschaft: „Wenn jemand den Täter oder seine Hintermänner kennt, lade ich sie zu einem Gespräch in einem Gasthaus mit Bewirtung ein, für deren Kosten ich aufkomme. Ich bin überzeugt, dass sie ihre Tat von einer ganz anderen Seite sehen!“ Und: Er wolle nur, dass Kriegstote wie alle Toten das Recht haben, in Ruhe gelassen zu werden. Sie könnten sich schließlich nicht wehren: „Mit Toten darf man keine Politik machen: Der Friedhof ist nicht die Stätte dafür“, sagt Graf.

2007 wurden Kriegerdenkmal und Tafel mit Lack beschmiert.  |  Michael Pfabigan

Pikant ist die Demontage der Nowotny-Tafel auch deshalb, weil im Vorjahr bereits einmal eine, einer der rechten Szene zugeordneten Person gewidmete, Tafel verschwand: Noch bevor der Gemeinderat eine etwaige Umbenennung der Kernstockgasse beraten konnte, wurden die Straßenschilder von einem Unbekannten abmontiert und verschwanden spurlos. Heimatdichter Ottokar Kernstock komponierte nicht nur die Bundeshymne der ersten Republik („Sei gesegnet ohne Ende“), sondern auch ein von den Nazis für die Propaganda verwendetes Lied.

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