Zu wenig Pflege? „Friedhof ist eine Schande“. Beim Friedhofsteam fehlt Mitarbeiter. Seit auf Gift verzichtet wird, muss gezupft werden.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 07. August 2019 (05:00)
Michael Pfabigan
Manchen ist auf den Gehwegen und rund um die Gräber am Mistelbacher Friedhof zu viel Unkraut. Warum? Im Friedhofsteam der Stadtgemeinde fehlt eine Arbeitskraft, zudem müssen alle Unkrautbeseitigungsmaßnahmen seit dem Verzicht auf Gift manuell durchgeführt werden.Pfabigan

„Ja, stimmt, wir haben Personalprobleme“, sagt Stadträtin Renate Knott (SPÖ) unumwunden. In der Stadtregierung ist sie für die Friedhöfe verantwortlich: „Uns ist ein Mitarbeiter ausgefallen, der krankheitsbedingt in Pension geht. Aber die Ausschreibung ist draußen, im August haben wir ein Hearing für die Nachbesetzung.“

Dem vorausgegangen war die Beschwerde einer Ehrengrabbesitzerin am Friedhof über den aus ihrer Sicht vernachlässigten Zustand des Friedhofes: „Die Stadtgemeinde hat offenbar seit längerer Zeit die Instandhaltung und Pflege des Geländes völlig vernachlässigt und stattdessen Tafeln aufgestellt, die auf die Notwendigkeit der Einstellung der Unkrautentfernung durch Gift hinweisen“, ärgert sich die Mistelbacherin. Das solle wohl als Rechtfertigung für die Verwahrlosung des Friedhofs herhalten.

Auszupfen und Abflämmen

Bei ihrem Familiengrab habe sie den Kiesweg von teils kniehohem Unkraut befreien müssen, schildert sie: „Die gekiesten Gehwege zur Pfarrkirche waren in demselben beklagenswerten Zustand der Nicht-Pflege.“ Der Eindruck allgemein sei erbärmlich gewesen: „Die Stadtgemeinde legt offensichtlich nicht den geringsten Wert auf das Erscheinungsbild des städtischen Friedhofes“, sagt die Frau.

Ja, gibt Knott zu: „Wir waren eine Zeit mit der Arbeit im Hintertreffen, weil uns dieser Mitarbeiter gefehlt hat.“ Beim NÖN-Lokalaugenschein vergangene Woche präsentierten sich die großen Grasflächen gemäht, die Wege waren aber trotzdem noch mit Unkraut übersät.

„Wir sind in jeder Sitzung des Zwölfer-Ausschusses (Gemeinderatsausschuss 12, der für die Friedhofsangelegenheiten zuständig ist) bestrebt, Maßnahmen zu setzen, dass am Friedhof etwas passiert“, sagt Stadträtin Renate Knott, die die Kritik dankend entgegennahm.

Dankend auch deshalb, um damit vielleicht beim ÖVP-Finanzstadtrat mehr Mittel für ihr Ressort locker machen zu können. Denn nach dem Verzicht der Stadtgemeinde auf Gift bei der Unkrautvernichtung sind die Maßnahmen, die gesetzt werden können, hauptsächlich mechanischer Natur. Auszupfen bzw. Abflämmen sind die beiden Varianten. Und als es jüngst um den Ankauf eines entsprechenden Gerätes für den Friedhof ging, kam die Ablehnung aus dem Finanzressort: Zu teuer, hieß es. Man suche weiter nach Lösungen.

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