Kritik an Plänen für Bank-Austria-Haus . Bank-Austria-Haus soll Gebäude mit spartanischer Fassade weichen. Mistelbacher zeigen wenig Begeisterung.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 05. Januar 2021 (18:35)
Alternativer Fassadenentwurf für das neue Haus am Hauptplatz 15: Mit zentraler Loggia.
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Die Begeisterung der Mistelbacher über die geplante spartanische Fassade des Neubaues nach Abriss des Bank Austria Hauses (Braun Hauses) am Mistelbacher Hauptplatz ist nicht gerade groß:

Noch heuer soll das alte Haus mit einem der letzten Gewölbe abgerissen werden und einem Wohnbau mit einem Gourmet-Nahversorger im Erdgeschoß Platz machen. Letzteres ist erklärter Wunsch der Mistelbacher in allen Stadterneuerungsrunden. Die Pläne zur Gestaltung direkt im Zentrum finden aber keine Freunde: „20 Minuten Arbeit meinerseits. Ich denke, ein richtiger Architekt bekommt das auch noch besser hin“, kommentierte ein Leser und zeichnete in das Bild des geplanten Hauses Fassadenelemente ein. Zu nüchtern sind die Pläne, manche vergleichen es mit einem Kasernengebäude. „Schön schaut anders aus“, kommentierte eine andere Leserin.

Kritisiert wurde auch, dass Mistelbach schon seit Jahrzehnten wenig Bewusstsein für die Bausubstanz im Zentrum zeigt: „Leider ist in dieser Hinsicht in Mistelbach aus verschiedensten Gründen viel versäumt bzw. verschandelt worden“, findet ein eingesessener Mistelbacher. Ein anderer Leser bringt den Entwurf für viele auf den Punkt: „Da hat wohl der Ferialpraktikant eine Fassadenplanung machen dürfen.“

Der in der Vorwoche in der NÖN veröffentlichte Fassadenentwurf ist übrigens einer von drei Vorschlägen, die dem Gemeinderat vorgelegt wurden. Alternativen gab es noch mit zentraler Loggia und mit größeren Fensterelementen. Und natürlich durften die Gemeinderäte unter den Farben grau, gelb und beige wählen. Wie die Abstimmung ausgegangen ist? Unbekannt, das fand im nichtöffentlichen Teil der Dezembersitzung statt.

BA-Haus ist eines der Ältesten am Hauptplatz

Das ehemalige Bank Austria-Haus, Hauptplatz 15 wurde im 17. Jahrhundert errichtet und ist eines der letzten, wirklich alten Häuser im Zentrum. Am Standort war ab 1659 eine Lebzelterei, von 1834 bis 1870 lebte dort der erste Mistelbacher Bürgermeister Franz Hafner. Und 1853 wurde dort der Jugendstilmaler und Mitbegründer der Wiener Sezession Wilhelm Bernatzik geboren – nach ihm ist der kleine Stadtsaal benannt. Später wurden am Hauptplatz 15 Grabkreuze und Bekleidung verkauft, bevor 1901 Karl Braun eine Pinselfabrik hier eröffnete. Danach war es ein Fotostudio, ein Geschirr- und Spielwarengeschäft, eine Drogerie und ein Modewarengeschäft, ehe es 1980 von der Zentralsparkasse, der späteren Bank Austria, gekauft wurde. Das benachbarte Wandererhaus dürfte in seinen Fundamenten noch älter sein, der Istbestand stammt allerdings aus einer Bauphase in den 1980er-Jahren.

Beide Häuser wurden vom Bundesdenkmalamt als nicht schützenswert eingestuft.