Mistelbacher K-Team: Tschernobyl und weite Umwege. Kühe, Steine, Schlaglöcher: Die Straßen machen dem Pothole Rodeo Revolution alle Ehre: Nach 2.400 Kilometern und sechs Tagen ist das Mistelbacher K-Team im Raum Tschernobyl angekommen – für alle bei diesem Roadtrip ein Highlight.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 01. August 2021 (19:21)

Einmal das 1986 hoch gegangene Kernkraftwerk Tschernobyl sehen: Das wollten Benjamin Hymer, Lena Sattmann, Rudolf Buryan und David Kazelt unbedingt. Seit 26. Juli sind sie bei der Rallye Pothole Rodeo Revolution auf Straßen zweifelhafter Qualität quer durch Osteuropa unterwegs, Kriterium ist nicht Geschwindigkeit, sondern das Erledigen von Aufgaben und die Partnerschaft mit anderen Teams.

Im ukrainischen Tschernobyl konnten die vier Mistelbacher relativ nahe an den Sarkophag um das Supergau-Atomkraftwerk herankommen, zu beachten hatten sie dabei einen strengen Dresscode: Kein T-Shirt, lange Ärmel und Hosen, Socken und geschlossene Schuhe – egal, welche Umgebungstemperaturen gerade herrschen. „Ein Erlebnis, das uns die Sprache verschlagen hat“, sagen die vier Mistelbacher. Besucht wurde nicht nur der Reaktor-Sarkophag, sondern auch die Stadt Prypjat, die binnen zwei Stunden mit 1.000 Bussen evakuiert werden musste: Sie ist ein riesiger Lost Place, die Stadt ist noch in dem Zustand, in dem sie war, als sie 1986 verlassen wurde, erzählt David Kazelt:  Sogar im nur wenige Stunden geöffneten Vergnügungspark stehen die Autodrom-Fahrzeuge so auf dem Gelände, die die Prypjater sie bei ihrer Flucht aus der Stadt verlassen haben. Der Vergnügungspark hätte im Mai aufsperren sollen, mit einer vorzeitigen Öffnung sollte den Menschen Ende April eine Abwechslung zur AKW-Katastrophe geboten werden. Nur Stunden nach der Eröffnung wurde die Stadt evakuiert.

Die lange Fahrtstrecke macht sich auch am Material bemerkbar: Am Dachgepäcksträger hatten sich mehrere Schrauben gelockert oder hatten sich in die weiten ukrainischen Ebenen verabschiedet. Um weitere Schäden zu verhindern, musste die Dachlast verringert werden und Ausrüstungsteile ins Wageninnere gebracht werden: „Nur den Reservetreibstoff wollten wir dann doch nicht drinnen haben“, sagt Rudolf Buryan. Wobei die Mistelbacher noch glimpflich davon kommen: Andere Teams haben weit gravierendere Probleme und müssen das Pothole Rodeo abbrechen.

Ganz nach Plan geht auch das Navigieren nicht: Baustellen führen immer wieder zu großräumigen Umwegen, manchmal führen sie auch zu wunderschönen Plätzen: So fanden die Mistelbacher Potholer einen Grillplatz mit Lost-Place-Charakter das Antonov State Aviation Museum - ein Museum für Flugzeugbegeisterte.

Für die Mistelbacher ebenfalls eine Herausforderung: Das Zusammenleben auf engstem Raum: Klar kannte man sich im Vorfeld, aber ist man stundenlang für Tage in einem Auto, erfährt dieses sich kennen eine ganz besondere Dimension: „Das ist unser persönliches soziologisches Experiment“, sagt Lena Sattmann.

Weiter geht’s jetzt via Polen Richtung Baltikum, größte Herausforderung aus Sicht von Kazelt, Buryan, Sattmann und Hymer wird bei der Wiedereinreise in die EU sein, ob diese ohne Probleme gelingt. Denn bei einem Teammitglied ist die zweite Corona-Impfung noch keine 14 Tage her – international gesehen ist damit der Impfschutz noch nicht gegeben. Was erwarten sich das K-Team sonst noch von den nächsten Tagen? „Fahren, fahren, fahren“, lacht Team-Chef Benjamin Hymer.