Karikatur, Kabarett & Corona: „Man darf noch lachen“. Karikaturistin Lisa Semrad zeichnet Corona-Eindrücke in ihren Cartoons, die Kabarettisten Novovesky, Hopf und Jirkal hoffen auf bessere Zeiten.

Von Stefan Havranek und Michael Pfabigan. Erstellt am 16. April 2020 (05:22)
Lisa Semrad

Nachdem aufgund der Coronakrise Veranstaltungen bis Juni verboten wurden, sind auch Kabarettisten ohne Beschäftigung. Das sollte den als faul verschrienen Künstlern doch eigentlich gelegen kommen? Die NÖN hörte sich bei Kabarettisten und einer Karikaturistin um, was sie vom „Nichtstun“ halten. Und was ihr Berufsstand in der Coronakrise alles darf.

Mathias Novovesky vertreibt sich die Zeit mit Katze auf der Couch.
privat

„Nichtstun ist nur schön, wenn man eigentlich was zu tun hätte“, philosophiert Mathias Novovesky: „Wenn man nichts zu tun hat, verliert die Faulheit jeglichen Reiz. Man kann auch nicht mehr jammern und sagen, ich hab so viel zu tun.“ Was ihn die Coronakrise kostet, könne er nicht beziffern, für Herbst ist die Premiere des neuen Programms geplant: „Dass ich das alte von jetzt auf gleich gar nicht mehr spielen kann, ist schon schade.“

Wie hält er sich bis dahin finanziell über Wasser? „Ich bekomme den Künstlerfonds, der hilft einem über die Runden, sprich ein Monat. Wenn ich nicht wüsste, dass mir, wenn es hart auf hart kommt, Familie und Freunde helfen, wär ich ganz schön nervös“, gibt Novovesky zu.

„Gerade in düsteren Zeiten braucht es Humor, um sich abzulenken und die Sorgen mal kurz vergessen zu können!“ Lisa Semrad, Karikaturistin

Das Arbeiten am neuen Programm gestaltet sich schwierig, da Novovesky es nicht gewohnt ist, daheim zu schreiben: „Mir fehlt das Kaffeehaus sehr. Das hab ich mit dem Virus gemeinsam, wir brauchen einen Wirt.“ Im Internet ist er aufgetreten, mit der Bühne sei das nicht zu vergleichen: „Man redet in ein Kastl.“

Pepi Hopf vermisst den Fußball, seine Maske ist aus einem Schal des SV GG Haringsee.
privat

Auch Pepi Hopf hat schon einen Internet-Auftritt hinter sich, vor allem die Tücken der Technik waren seine größte Sorge: „Das hat mich vier Stunden und einiges an Nerven gekostet.“ Respekt hatte er auch vor den gefürchteten Kommentaren von „Internet-Trollen“, die blieben aber aus: „Ich habe versucht, mit dem ,Publikum‘ zu interagieren, deswegen war das dann harmlos.“ Etwa 60 Auftritte habe er bis jetzt abgesagt, auch sein großes alljährliches Kabarett-Festival in Haringsee musste auf 29. und 30. August verschoben werden.

Hopf hat als Bio-Bauer glücklicherweise ein zweites Standbein: „Bis jetzt war es so, dass ich das durch das Kabarett finanziert habe. Jetzt muss ich halt mehr gärtnern.“

Am meisten fehlt dem Obmann-Stellvertreter des SV GG Haringsee der Fußballplatz: „Aber ich spiel jetzt im Garten eine eigene WM mit meinem Sohn aus und es schaut aktuell so aus, dass Österreich Weltmeister wird.“ Außerdem schreibt er an einem gemeinsamen Programm mit Fredi Jirkal: „Sowas Bud-Spencer-mäßiges.“

Fredi Jirkal weigert sich, halblustige Corona-Clips ins Internet zu stellen.
zVg

Dieser genießt die Coronaauszeit mit der Familie: „Die abgesagten Termine kosten uns Geld, aber es ist ja nur Geld. Und die Termine wurden in der Regel nur verschoben“, sagt der Pellendorfer Fredi Jirkal. Er hat mittlerweile über 50 Auftritte abgesagt. Darf man über die Corona-Pandemie lachen? „Das muss man schon mit Fingerspitzengefühl machen. Net verarschen, net deppert darüber reden“, sagt Jirkal. Lustige Corona-Clips ins Internet stellen, das würde er nicht machen.

„Eine Pandemie ist ja an sich nichts Lustiges. Menschen sterben und erkranken schwer“, sagt die Wolkersdorfer Karikaturistin Lisa Semrad. Trotzdem kann sie als kritische Beobachterin der Umstände nicht daran vorbei: „Dass die Lage angespannt ist, bedeutet nicht, dass wir nicht mehr lachen dürfen“, sagt Semrad: „Gerade in düsteren Zeiten braucht es Humor, um sich abzulenken und die Sorgen mal kurz vergessen zu können. Lachen entspannt, das ist schon mal was.“

Karikaturistin Lisa Semrad zeichnet zum Thema Corona.
zVg

Vordergründig möchte sie mit ihren Cartoons unterhalten. „Wenn sie lustig sind und gleichzeitig einen Missstand aufzeigen, ist das natürlich noch besser“, sagt die junge Wolkersdorferin. Wir kommt sie zu ihren Ideen? „Mir fällt in Quarantäne interessanterweise mehr ein als sonst. Wahrscheinlich weil das Thema so omnipräsent ist und auch unterbewusst ständig im Kopf herumgeistert.“

Was dürfen Karikaturisten? „Satire darf fast alles, außer sich über die Schwächsten lustig machen. Witze über ältere Menschen, die jetzt besonders stark von der Corona-Pandemie betroffen sind, sind für mich tabu“, sagt Semrad.