Tatarischer Meerkohl in Ottenthal: Rarität in Vollblüte. Seltener Tatarischer Meerkohl gedeiht dank Pflegemaßnahmen.

Von Werner Kraus. Erstellt am 01. Mai 2020 (04:42)
Die Ottenthaler sind stolz auf ihr Naturschutzgebiet von internationalerBedeutung und auf die heuer gute Ausbreitung des tatarischen Meerkohls: Rudolf Hauer, Erwin Cermak, Rosa Klampfer, Helga Cermak, Johann Hauer.
zVg

Im Naturschutzgebiet Zeiserlberg bei Ottenthal gedeiht eine besondere Pflanze: Der sogenannte Tátorján (Tatarische)-Meerkohl ist in ganz Österreich nur hier nachgewiesen und somit eine absolute Rarität. Und er ziert sogar das Gemeindewappen.

Die Ottenthaler sind daher stolz auf das Lösstrockenrasengebiet von internationaler Bedeutung. Lächelnd meint Bürgermeister Erwin Cermak: „Der Tatarische Meerkohl ist wohl einer der wenigen, die durch die Corona-Pandemie keine Einbußen erlitten haben.“ Der ganze Zeiserlberg erblüht nämlich derzeit.

Zeiserlberg als „national bedeutend“ eingestuft

„Dank der Pflegemaßnahmen in den letzten Jahren ist es heuer gelungen, dass wir rund 180 Pflanzen haben“, freut sich der engagierte Bürgermeister.

Die windexponierte Position des Zeiserlberges ließ den Löss vielfach offen zutage treten und verhinderte zusammen mit der steilen Hanglage eine geschlossene Vegetationsdecke. Dies erlaubte es nur Pflanzen, die Trockenheitsspezialisten sind, hier zu überleben.

Da durch die starke Hanglage keine wirtschaftliche Nutzung im Vordergrund stand, konnten auch seltene Pflanzen gut überleben. Der Tátorján-Meerkohl ist ein südsibirisch-pontisch-pannonisches Florenelement, das in Österreich und in Südmähren seine westliche Verbreitungsgrenze erreicht.

Das nächste Vorkommen des Tatarischen Meerkohls befindet sich auf dem Hutberg bei Pouzdřany. Das heutige Hauptverbreitungsgebiet der Art liegt im südukrainischen und südrussischen Steppengebiet nördlich des Schwarzen Meeres.

Im österreichischen Trockenrasenkatalog wurde der Zeiserlberg als „national bedeutend“ eingestuft. Insgesamt konnten hier bisher 200 Pflanzenarten nachgewiesen werden, 36 davon auf der Roten Liste gefährdeter Pflanzen Österreichs.

Der Tatarische Meerkohl gehört dazu und wurde 1902 von Alois Teyber für das damalige Kronland Niederösterreich auf einem grasigen Abhang neu aufgefunden. Mit dem Abhang dürfte der Zeiserlberg gemeint sein.

Bereits 1910 pachtete die k.u.k. zoologisch-botanische Gesellschaft zwei Grundstücke am Zeiserlberg, um das einzige Vorkommen des Tatarischen Meerkohls in Österreich zu erhalten. 1932 wurde das Gebiet zum „gesetzlichen Banngebiet“ und 1978 zum Naturschutzgebiet.