Platz für 70 Einsteller & 200 Turnierpferde. Ulrike Wagner möchte am Areal der alten Ziegelei Anlage mit allem Schnickschnack für Tier und Reiter schaffen.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 19. Juli 2018 (05:01)
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Präsentierten die Pläne für das Reitsportzentrum am Areal der altenZiegelei: Bettnia Riedmann, Bürgermeister Ernst Bauer, Betreiberin Ulrike Wagner, Pferdespezialist Ernst Bachinger, Nachbarbürgermeister Markus Koller und Ziviltechniker Hans Kordina.
NOEN

Neues Leben soll in die in den 1980er-Jahren geschlossene Ziegelei zwischen Schleinbach und Unterolberndorf einziehen: Ulrike Wagner, die bereits eine Reitsportanlage in Hadersdorf am Kamp hat, möchte auf den 14 Hektar des Geländes ein modernes Reitsportzentrum errichten. Bei einer Infoveranstaltung in der Volksschule stellte sie das Projekt einer großen Schar interessierter Ulrichskirchner, Schleinbacher und Unterolberndorfer vor.

Die angestrebten Dimensionen sind durchaus beachtlich: Boxen für bis zu 70 Einsteller und 200 Turnierpferde, Reithallen, Turnierplätze und ein Wohntrakt für jene Turnierreiter, die in der Nähe ihres Pferdes wohnen wollen, sind im Endausbau vorgesehen. Geht es nach Wagner, soll das schon 2020 sein. Gebaut soll nach Bedarf werden, wann welcher Teil errichtet werden soll, steht noch nicht fest.

In einem ersten Schritt werden heuer die alte Ziegelei und zwei Nebengebäude saniert: In die Nebengebäude kommen Archive und Lager, die alte Ziegelei wird in einen Stall für 60 Jungpferde umgebaut. Die sind derzeit auf einem Gestüt im Ausland und sollen ehebaldigst nach Österreich gebracht werden.

Nationale- und Internationale Turniere

Errichtet werden soll ein reines Reitsportzentrum. Dass Reiter in die Umgebung der Anlage ausreiten gehen, ist nicht vorgesehen. „Pferde und Reiter bleiben am Hof“, stellen Bettina Riedmann und Hans Kordina vom Ziviltechnikbüro Kordina klar. Sie begleiten Wagner bei der Umsetzung des Projektes.

Geht es nach Wagner, werden am neuen Reitsportzentrum monatlich zwei nationale und internationale Dressur- oder Springturniere stattfinden: „In der kalten Jahreszeit weniger, wenn‘s warm ist, mehr“, sagt Wagner. Die Zufahrt zur Anlage wird ausschließlich über die L 6 und eine noch zu schaffende Bahnunterführung erfolgen: „2019 hätten wir ein Zeitfenster, wo diese neue Unterführung gebaut werden kann“, weiß Ziviltechniker Hans Kordina: „Da muss die ÖBB die Strecke für einige Zeit stilllegen.“

Für die Bauarbeiten am Reitsportzentrum bis zur Errichtung der neuen Unterführung wird eine bestehende kurz vor der Abzweigung nach Unterolberndorf tiefer gegraben, damit die Lkws durchfahren können. Durch die Siedlungen sollen keine Baumaschinen fahren, versprechen sowohl Kordina als auch Wagner.

Wie schaut es mit dem zusätzlichen Verkehr durch die Reitsportanlage aus? „Vernachlässigbar“, sagt Kordina: Wenn zu einem Turnier 200 Reitpferde kämen, dann wären das maximal 150 Fahrzeuge, die zur Anlage zufahren. Diese würden sich vor dem Turnier über den Tag aufteilen, nach dem Wochenende würden die dann, nicht in der Stoßzeit, wieder Richtung Autobahn abfahren: „Wir haben eine Verkehrszählung gemacht. Sie haben hier wenig Verkehr. Der zusätzliche Verkehr wird so sein, wie ein normaler Ausflugsverkehr durch das Kreuttal am Wochenende“, sagt Kordina. Eine Einschätzung, die die Anrainer aus Ulrichskirchen, Schleinbach und dem Kreuttal nicht teilen. Apropos Autos: Die werden nördlich der Anlage auf mit begrünten Dächern verdeckten Plätzen parken.

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So soll das Reitsportzentrum nach Vollausbau aussehen. Der Wohnturm links hinten soll bis zu zehn Etagen haben.
Visualisierung: ZT Kordina

Besonders interessiert waren die Kreuttaler dran, was mit dem Güterweg, der derzeit über das Gelände der Ziegelei führt, passieren soll. Wird er doch auch als Rad- und Fußweg gerne genutzt. „Die untergebrachten Pferde haben einen hohen Wert, daher soll die Anlage in sich geschlossen sein“, sagt Kordina: Von der Unterführung bis zur Reitanlage wird der Weg auf sechs Meter ausgebaut. Im Bereich der Ziegelei wird er dann auf drei Meter Querschnitt reduziert, für Radfahrer und Fußgänger wird er durchgehend passierbar sein. Angedacht ist eine Verlegung Richtung Bahntrasse. Wie weit die Landwirtschaft den Weg braucht, wird in separaten Gesprächen mit den Landwirten erhoben.

Eine besondere Challenge bei diesem Projekt ist eine Bienenfresser-Kolonie, die im Löß-Steilhang im Nordwesten des Areals lebt: Der unmittelbare Bereich vor dem Lößabbruch ist für Bauarbeiten tabu. Und damit sich die kolibriartigen Kleinvögel weiter bei der alten Ziegelei wohlfühlen, wird es entsprechende Pflegemaßnahmen geben: „Ich finde, Pferde und Vögel passen gut zusammen“, sagt Ulrike Wagner: „Das hat beides viel mit Liebe zur Natur zu tun.“