Fotoreporter über Klimawandel: „Dürfen nicht wegschauen!“

Fotokünstler Didi Sattmann aus Niederkreuzstetten feierte seinen 70. Geburtstag. Zum Jubiläum stellt er im Regierungsviertel mit neuem Projekt aus.

Erstellt am 14. Oktober 2021 | 05:28
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Fotograf Didi Sattmann stellt zu seinem 70er in der Ausstellungsbrücke im Regierungsviertel St. Pölten aus. Angesichts der Klimakatastrophe fordert er eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema ein. In den letzten Jahren widmete er sich ausschließlich diesem Thema.
Foto: LenaSattmann

Kunstfotograf Didi Sattmann geht mit seiner neuen Ausstellung neue Wege: In konzeptuellen neuen Fotoarbeiten widmet sich der 70-Jährige dem fahrlässigen und zerstörerischen Umgang mit der Natur. Ab 14. Oktober sind seine Arbeiten jetzt in der Ausstellungsbrücke im Landhaus St. Pölten zu sehen, gezeigt wird auch ein retrospektiver Teil der Arbeiten des Niederkreuzstettners.

„Die Ausstellungsbrücke im Regierungsviertel ist ein bedeutendes Schaufenster der Künste auf hohem Niveau, da möchte jeder Künstler gerne ausstellen“, lacht Sattmann: „Für mich bedeutet das auch die Anerkennung meiner künstlerischen Arbeit, wenn man von einer fachkundigen Jury aus Kunstexperten „auserwählt“ wurde, dort ausstellen zu dürfen.“

Seit Fukushima keine Menschen mehr porträtiert

„Die Reaktorkatastrophe in Fukushima war ein großer Wendepunkt, von da an habe ich keine Menschen mehr porträtiert.“

Sattmann hatte als Fotoreporter in- und ausländischer Medien begonnen, hatte für die Autorevue genauso fotografiert, wie für den Spiegel, er war Fotograf der Wiener Festwochen und Stadtdokumentarist des Wien Museums. Bei mehr als 100 Ausstellungen in aller Welt, vom New Yorker Broadway bis hin zur Galerie von Max Hetzler in Berlin, waren seine Bilder zu sehen.

„Von Anfang an habe ich ausschließlich Menschen fotografiert, ungefähr 30 Jahre lang“, erzählt Didi Sattmann: Die Hinwendung zu Themen wie Flächenfraß, Klimawandel, Schutz der Natur habe sich sehr langsam aber stetig und parallel dazu entwickelt. „Die Reaktorkatastrophe in Fukushima war ein großer Wendepunkt, von da an habe ich mich immer mehr auf dieses Thema gestürzt und schließlich keine Menschen mehr porträtiert.“

Dem Fotografen ist es zu wenig, sich bloß mit der Ästhetik der Phänomene zu beschäftigen. „Die wechselnde Erscheinungsform eines Menschen oder eines Dinges sind Einladungen, sich mit den dahinter liegenden Informationen auseinanderzusetzen.“ Entsprechend sei heute nicht mehr die Frage, wie teuer der Umweltschutz sei, sondern, wie furchtbar teuer wird es uns zu stehen kommen, wenn wir nicht sofort etwas gegen die Zerstörung der Erde unternehmen. „Wir dürfen bei alledem nicht wegschauen!“, fordert der Fotograf.