Streit ums Bauprojekt am Kirchenplatz

ÖVP Niederkreuzstetten will öffentliche Auskunft zu Wohnblock-Bauprojekt im Zentrum, SPÖ verweist auf noch fehlende Pläne.

Erstellt am 25. November 2021 | 05:56
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Auf diesem Grundstück soll die GEBÖS Wohnungen für „betreubares Wohnen“ und „junges Wohnen“ errichten. Einen Einreichplan dafür gibt es noch nicht, mit vorläufigen Planungsschritten will Bürgermeister Adolf Viktorik (SPÖ) nicht an die Öffentlichkeit gehen.
Foto: Michael Pfabigan

Politische Verstimmung um den Bau von rund 30 Wohneinheiten auf einem Gemeindegrundstück mitten im Zentrum des Ortes: Neben Harrys Gerüchteküche soll die GEBÖS ein Wohnbauprojekt mit „betreubarem Wohnen“ und „jungem Wohnen“ entwickeln, die Infos zum Projekt sind bislang spärlich, was vor allem ÖVP und Grüne aufregt.

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Adi Viktorik (SPÖ) verweist auf noch fehlende Pläne.
SPÖ

Zuerst beantragten sie eine außerordentliche Gemeinderatssitzung, die Bürgermeister Adi Viktorik (SPÖ), in seiner Funktion auch Baubehörde erster Instanz, als nicht öffentliche Sitzung anberaumte. „Wir finden, dass die Öffentlichkeit informiert werden sollte, was dort entsteht“, begründet ÖVP-Gemeinderat Hubert Ullmann. Gemeinsam mit den Grünen wurde jetzt eine Online-Petition für eine öffentliche außerordentliche Sitzung gestartet.

„Die wird es so nicht geben“, stellt Bürgermeister Adi Viktorik klar: Er könne erst Informationen zum Projekt geben, wenn es auch ein entsprechendes Einreichprojekt gebe. Das sei auch so im Gemeinderatsbeschluss nachzulesen: Die Gemeinde müsse dann dem fertigen Projekt zustimmen. Und das gebe es bislang noch nicht. „Es gab zwar mal von der GEBÖS einen Folder mit einer Skizze, aber die ist nur eine Vision eines Architekten“, sagt Viktorik.

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Martin Mathias (ÖVP) vermutet Versuch der Verschleierung.
ÖVP

Mit einem Einreichplan rechnet er im März nächsten Jahres. Was ist fix? Alle Wohneinheiten werden barrierefrei gebaut, alle entsprechend den jeweiligen Richtlinien von „betreubarem Wohnen“ und „jungem Wohnen“. Das ist Voraussetzung dafür, dass es auch die entsprechenden Landesförderungen für das Projekt gibt.

Bei der Vergabe der Wohnungen müssen Voraussetzungen erfüllt werden, beim „betreubaren Wohnen“ zum Beispiel ein gewisses Alter. „Wir wollen die Möglichkeit bieten, dass ältere Kreuzstettner nicht wegziehen müssen, sondern in der Gemeinde wohnen bleiben können“, sagt Viktorik, der nicht mit einem Verkehrschaos rund um die Siedlung rechnet: „Viele in diesem Alter haben kein Auto und Kinder bekommen die auch keine mehr.“ Insofern sei diese Sorge unbegründet.

Eine Etage für künftige Arztpraxen

Eine Etage wird übrigens für Arztpraxen reserviert: „Unser Gemeindearzt ordiniert in seinem Privathaus. Wenn er einmal in Pension geht, wollen wir die Möglichkeit haben, in Gemeinderäumlichkeiten eine Ordination einrichten zu können.“

Hinsichtlich der Bebauungsdichte habe die Gemeinde, da es sich um eine Zentrumszone handelt, auf 1:1,3 aufgestockt: „Das ist normal, da in dieser Zone verdichtet gebaut werden soll“, sagt Viktorik. Grundsätzlich sei Bauklasse 3 hier möglich, es bleibe aber bei der sonst in Kreuzstetten üblichen Bauklasse 2, das heißt maximal zwei Etagen mit einer Traufenhöhe von acht Metern.

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Diese Visualisierung des Projektes veröffentlichte der Bürgermeister in seinem Jahresrückblick 2020.
Gemeinde

„Wenn wir ein Einreichprojekt haben, wird es ein Ortsbildgutachten geben“, kündigt der Bürgermeister an. Und ab da könne das Projekt auch im Gemeinderat und in der Öffentlichkeit diskutiert werden: „Solange ich kein Projekt habe, kann ich nichts diskutieren“, sagt Viktorik.

„Wir wollen, dass die Öffentlichkeit Fragen zum Projekt stellen kann“, sagt ÖVP-Gemeinderat Hubert Ullmann, eine entsprechende Zusage habe es in der jüngsten Gemeinderatssitzung gegeben.

Diskutiert haben will Ullmann auch die Größe des Bauprojektes: „Ist es wirklich notwendig, so viele Wohneinheiten zu bauen, oder würden weniger nicht auch reichen?“ Zumal die Parkplatzsituation am Kirchenplatz ohnehin immer angespannt sei. Die ÖVP ist grundsätzlich für das Projekt: „Aber es sind viele Fragen offen, die auch für die Öffentlichkeit geklärt werden müssen“, hält Ullmann fest. Knackiger formuliert das sein Gemeinderatskollege geschäftsführender Gemeinderat und stellvertretender Parteiobmann Martin Mathias: Er mutmaßt, dass bei den Planungen etwas verheimlicht werden solle: „Enttäuscht bin ich, dass nicht das Gesamtkonzept für den Kirchenplatz abgewartet wird, sondern jetzt schon Einzelprojekte umgesetzt werden.“