Nitsch und Pröll im Gespräch unter Freunden. Hermann Nitsch lud Freund Erwin Pröll zur lockeren Plauderei.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 24. Oktober 2020 (04:43)
Ein Gespräch unter Freunden: Alt-Landeshauptmann Erwin Pröll, Moderatorin Judith Weißenböck und Aktionskünstler Hermann Nitsch.
Pfabigan

„Ohne den guten Willen unseres Landeshauptmannes wäre dies alles hier nicht möglich gewesen“, sagt Nitsch und zeigt im nitsch museum in die Runde: Im Rahmen der Gesprächsreihe „Nitsch trifft…“ lud der Aktionskünstler am 17. Oktober zum lockeren Gespräch unter Freunden Alt-Landeshauptmann Erwin Pröll.

Gemeinsam sprachen sie über das gegenseitige Verhältnis, Gott, Wirtshausgespräche und über die Entstehungsphase des nicht unumstrittenen Museums.

„Nitsch habe ich virtuell kennen gelernt, als er 1984 den Kulturpreis des Landes bekommen hätte sollen, die Landesregierung das aber nicht beschlossen hat. Damals hat mich gestört, dass Politik nicht die Kunst kontrollieren darf“, erzählt Pröll. Den meisten Druck musste er dann 1998 aushalten, als von allen Seiten versucht wurde, dass Pröll sich von Nitsch distanziere: „Die FPÖ hat großformatige Plakate mit Meuchelfotos von uns und dem Spruch „Blutsbrüder“ affichiert, es gab viele Briefe und Einzelgespräche, auch von kirchlicher Seite, und Austritte aus meiner Gesinnungsgemeinschaft“, erinnert sich Pröll an die Zeit des letzen Orgien Mysterien Theaters.

„Wenn wir zusammen sind, dann reden wir nie über Politik.“Erwin Pröll

Wie gehen beide mit Kritik um? „Meine Messagecontrol war immer mein Gewissen, wenn ich geglaubt habe, dass die Bevölkerung etwas braucht, dann war das für mich unumstößlich“, sagt Pröll. Konstruktive Kritik habe Projekte weiter gebracht, aber populistische Kritik konnte er ausblenden.

Für Hermann Nitsch ist Kunstkritik mehr als unnötig. „Wenn man ein Buch mit allen Kulturkritiken herausbringt, dann wird man sehen, wie unnötig das ist, was sie über mein Werk zu Papier gebracht haben. Die sollen doch lieber was Gescheites machen“, kritisiert er seine Kritiker.

Er sei kein politischer Mensch, sagt Hermann Nitsch „Ich sehe Politik eher algebraisch. Ich kenne mich aus mit Religion, Philosophie und Kunst, für Politik bin ich nicht begabt. Die wunderbare Freundschaft mit Pröll sei weit über Politik hinausgegangen: „Da haben sich zwei Menschen gefunden, die gleiches lieben.“, sagt Nitsch. Ob sich Politik auch mit Künstlern schmückt? „Es gibt heute noch nicht viele Politiker, die sich mit Hermann Nitsch schmücken würden“; lacht Erwin Pröll: „Wenn wir zusammen sind, dann reden wir nie über Politik.“ „Hätt ja keinen Sinn, kenn mich da ja nicht aus“, konterte Nitsch lachend: „Aber ich glaube, dass du das, was du gemacht hast, sehr gut gemacht hast.“