Dollfuss-Gedenktafel: „Ein Relikt aus vergangener Zeit“

An der Nodendorfer Kapelle hängt seit den 1930er-Jahren Tafel für Kanzler Dollfuß.

Erstellt am 14. Dezember 2021 | 11:29
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Die Ehrentafel für den austrofaschistischen Kanzler Engelbert Dollfuß an der Kapelle von Nodendorf wurde im Ständestaat angebracht. Das Dollfuß-Portrait wurde bereits in der NS-Zeit herausgebrochen.
Foto: Michael Pfabigan

Nicht nur in Texing, der Heimat des neuen Innenministers Gerhard Karner, wird des ehemaligen, autoritär regierenden Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß gedacht: Auch an der Kapelle in Nodendorf, gleich neben dem Eingang, ist eine entsprechende Ehrentafel angebracht. Initiiert wurde das damals vom Nodendorfer Gemeinderat: „Dem Führer und Heldenkanzler, gewidmet in Treue“, steht auf der Tafel.

Diskussionen rund um die Tafel gab und gibt es im Ort und in der Gemeinde keine. „Die hängt ganz unbeachtet dort“, sagt Bürgermeister Leopold Rötzer: „Das ist ein Relikt aus vergangener Zeit, das keine Aktualität mehr hat.“

Für ihn sei sie eher ein Mahnmal an eine unsägliche Zeit, von der mittlerweile jeder wisse, was damals mit der Einrichtung des Ständestaates alles geschehen war. Mit Dollfußnostalgie habe das überhaupt nichts zu tun. „Wir hatten in den letzten Jahrzehnten ja auch SPÖ-Bürgermeister, auch da hat die Tafel keinen gestört“, sagt Rötzer.

Er selbst könne sich sogar vorstellen, die Tafel entfernen zu lassen. Diese ist übrigens seit Langem beschädigt: „Das Dollfuß-Bild, das ursprünglich auf der Ehrentafel zu finden war, wurde bereits in den 1940er-Jahren, vermutlich in den Kriegsjahren, herausgebrochen und entwendet“, weiß Gemeindehistoriker Gottfried Kitzler.

„Wir hatten in den letzten Jahrzehnten ja auch SPÖ-Bürgermeister, auch da hat die Tafel keinen gestört.“
Leopold Rötzer Bürgermeister von Niederleis

Im Weinviertel gibt es noch eine zweite Ehrung für den Ständestaat-Kanzler: An der Ortskapelle von Geitzendorf (Bezirk Korneuburg) wurden vom damaligen Bürgermeister über dem Eingangstor die angeblich letzten Worte Dollfuß‘ „Ich wollte ja nur den Frieden. Den anderen möge der Herrgott vergeben. † am 25. Juli 1934 mein Oesterreich“ angebracht. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Aufschrift abgedeckt, heute ist sie wieder zu sehen.