Drasenhofen , Maria Enzersdorf

Update am 01. Dezember 2018, 17:48

von Michaela Fleck und Michael Pfabigan

Flüchtlinge aus Drasenhofen wurden abgesiedelt. In der Kontroverse um die Flüchtlingsunterkunft in Drasenhofen gingen am Freitag die Wogen hoch. Die untergebrachten Jugendlichen wurden nun verlegt. Die Unterkunft Drasenhofen wurde vorübergehend geschlossen.

 

UPDATE

Die jugendlichen Flüchtlinge, die in der umstrittenen Einrichtung in Drasenhofen, auf deren Areal ein Baustellenzaun mit Stacheldraht sowie Securitys zu finden sind, untergebracht waren, wurden am Freitagabend in andere Quartiere verlegt. 

Die etwa 15 Personen wurden nach Angaben der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach mit Kleinbussen abtransportiert. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft hatte die Unterkunft nach einem Lokalaugenschein als "nicht geeignet" bezeichnet.

"Klar ist, dass eine derartige Situation nicht mehr vorkommen darf", sagte indes Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) laut ORF Niederösterreich in Richtung Landesrat Gottfried Waldhäusl. Das freiheitliche Regierungsmitglied werde in der Regierungssitzung am Dienstag "eine ganz klare Erklärung dieser Situation abgeben müssen".

Drasenhofen-Flüchtlinge werden von Caritas betreut

Die Caritas hat neun jugendliche Flüchtlinge, die bisher in der vorläufig geschlossenen Unterkunft in Drashofen gelebt haben, in einer Einrichtung in Maria Enzersdorf aufgenommen. Im dortigen Kloster St. Gabriel gebe es bereits seit vielen Jahren Erfahrungen im Umgang mit geflüchteten Menschen, erklärte Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner Freitagabend gegenüber der APA.

Derzeit leben in der Unterkunft in Maria Enzersdorf 24 Menschen, vor allem Familien. Für die nun ankommenden Jugendlichen sei damit ausreichend Platz vorhanden, meinte Schwertner. Er dankte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) dafür, entschlossen in der Causa gehandelt zu haben. Das sei ein wichtiges Signal, dass Kinder nicht ins Gefängnis gehörten und nichts in Straflagern mit Stacheldraht verloren hätten. Mehr dazu hier: 

Drasenhofens Bürgermeister Reinhard Künzl (ÖVP) zeigte sich zufrieden. Er freue sich über die Entscheidung, sagte der Ortschef am Freitagabend auf APA-Anfrage. Ängste in der Bevölkerung würden hintangehalten. In einem Gespräch am Freitagnachmittag hatte er sich als "total unglücklich" mit dem Asyl-Quartier für auffällige minderjährige Flüchtlinge an der B7 in der Grenzgemeinde bezeichnet.

Eine Schließung der Einrichtung in Drasenhofen bedeutet das freilich nicht. Sollte Landesrat Gottfried Waldhäusl es schaffen, das Gebäude in einen für Flüchtlinge geeigneten Rahmen umzugestalten, könnten wieder Flüchtlinge zurückkehren.

Gegenüber der NÖN zeigten sich Securities vor Ort ziemlich unfreundlich. Einwohner der Gemeinde Drasenhofen sprachen von einem „Alcatraz“, aber auch von „Ja, sind wir denn der Mistkübel Österreichs?“… Zwei der Minderjährigen sind mittlerweile aus der Unterkunft geflüchtet (vermutlich Richtung Wien), wie die NÖN in Erfahrung bringen konnte. Der Ortschef zeigte sich jedenfalls „unglücklich“.

Ein NÖN-Lokalaugenschein am Freitagnachmittag zeigte, dass sich derzeit in der Gemeinde die Medienvertreter und Kamerateams regelrecht die Klinke in die Hand geben. Ein Medienteam wollte ein Interview führen, wurde mit den Worten "Türe zu, gehen sie raus!" "vertrieben".

Die Jugendlichen selbst waren abgeschottet, saßen am Fenster und schauten sich an wie gefilmt wurde; ab und zu winkten sie verzagt.

Rücktrittsaufforderungen von Grünen, NEOS

Landeshauptfrau Mikl-Leitenr schaltete sich ebenfalls ein: Ein Flüchtlingsquartier ist „kein Gefängnis“. Und daher „hat dort auch ein Stacheldraht nichts verloren.“ Im Gegenteil. Für Mikl-Leitner müssten Flüchtlinge „gut untergebracht“ sein. Das sei ihr wichtig. Und davon müsse auch die Kinder- und Jugendanwaltschaft überzeugt sein.

Damit widerspricht Niederösterreichs (ÖVP-)Landeshauptfrau aber auch ihrem (FPÖ-)Landesrat, der im Morgenjournal noch erklärt hatte, dass der Stacheldraht rund um die auffälligen und unbegleiteten Flüchtlinge, die in Drasenhofen untergebracht sind, nur zu deren „Schutz“ diene und dazu, „dass nicht jeder hier eindringen kann“. Ihm, Gottfried Waldhäusl, gehe es um ein „geordnetes Miteinander“ zwischen den untergebrachten „notorischen Unruhestiftern“ und der Bevölkerung. Weitere Reaktionen der Parteien sowie von NGOs sind hier zu finden: