Erstellt am 21. Juli 2015, 09:30

von Michael Pfabigan

ÖBB statt Nationalrat: Kuzdas wechselt. Mit 31. August legt Hubert Kuzdas (SPÖ) sein Mandat zurück. Offen ist die Nachfolge in Nationalrat und Bezirkspartei.

Ein Jobangebot aus der ÖBB lockte: Nationalrat Hubert Kuzdas legt seine Funktionen zurück.  |  NOEN, zVg

Überraschende Post aus dem Urlaub schickte SPÖ-Nationalrat Hubert Kuzdas aus: Per Mail ließ er am 15. Juli Parteikollegen und Medien wissen, dass er mit 31. August seine Funktionen als Nationalrat und Bezirksvorsitzender der SPÖ zurücklegen wird.

Die Ursachen? In der Kuzdas‘schen Post aus Rhodos nennt der Abgeordnete „persönliche Gründe“. Für Nachfragen war er in seinem Urlaubsdomizil nicht erreichbar. Einzig, dass der Rücktritt nichts mit dem nur mäßigen Abschneiden seiner Partei bei der Gemeinderatswahl im Jänner zu tun habe, hielt er in einem Mail an die NÖN fest.

 Mitarbeiter der Corporate Affairs 

Nachfragen bei Parteikollegen im sozialdemokratischen Parlamentsklub ergaben keine Hinweise auf politischen Druck, nachdem Kuzdas sein Mandat für ein in den Nationalrat wechselndes Regierungsmitglied freigeben müsste – Kuzdas sitzt im Nationalrat am Mandat von Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek: „Wäre das der Fall, wüssten wir davon“, sagt ein Parteikollege. Wahrscheinlicher sei, dass Kuzdas einen Job in der Privatwirtschaft annehmen werde.

Denn ab 1. September wird der bisherige SPÖ-Nationalrat Mitarbeiter der Corporate Affairs bei der ÖBB Holding. Dort soll er bei Ausschreibungen, vor allem im Bereich des Postbusses, die Beziehungen der ÖBB mit den ausschreibenden Stellen auf Landesebene betreuen – ein Tätigkeitsbereich, mit dem sich Kuzdas wegen seiner Erfahrungen aus früheren Jobs auskennt.

Wie geht es mit den durch den Abgang von Hubert Kuzdas frei werdenden Funktionen weiter? In der Partei wird der Bezirksvorsitz im September im Rahmen einer Bezirkskonferenz geregelt werden. Im Parteivorstand soll bereits Melanie Erasim, Vorsitzende der SPÖ-Frauen, einstimmig nominiert worden sein, auf NÖN-Nachfrage wollte sie die Gerüchte nicht kommentieren.

SPÖ-Bedauern nach Rücktritt von Kuzdas

Wer neuer Nationalrat wird, entscheidet die Landespartei, da Kuzdas als Nachrücker auf einem Mandat der Landes-SPÖ in das Hohe Haus eingezogen war. „Über die Nachfolge können wir auf Bezirks- oder Wahlkreisebene keine Entscheidung treffen!“, stellt Kuzdas klar.

Hausbrunns Bürgermeister Johann Führmann, Stellvertretender Bezirks-SPÖ-Vorsitzender, bedauert den Rücktritt von Kuzdas. Er erfuhr vom Rücktritt des Abgeordneten von der NÖN. Laas Vorsitzender Christian Nikodym glaubt, dass die SPÖ mit dem Rücktritt einen „sehr guten und fähigen Mann verliert!“ Besonders schade: Kuzdas war neben Rudolf Plessl der einzige Abgeordnete im Weinviertel, übrig bleibt nur noch Landeshauptmann-Stellvertreterin Karin Renner: „Hier gab es von SPÖ-Seite her einen Kahlschlag im Weinviertel!“

Frauenvorsitzende Melanie Erasim, auf Nationalratslisten bestgereihte Mistelbacherin: „Wir werden dafür kämpfen, dass das Mandat im Weinviertel bleibt!“

Zur Person

Hubert Kuzdas: Geboren 20. 10. 1961

Persönlich: Verheiratet, 2 Kinder

Ausbildung: HTL für Maschinenbau, Wien, Diplomstudium der Betriebswirtschaftslehre an der WU Wien

Beruflicher Werdegang: Konstruktionsbüro SPG AG (1982), Post und Telekom Austria Postbus (1982-2001), Bundesbeschaffungs GmbH (2001-2005), Kuzdas Wintergärten (2005-2007), seither Unternehmensberater.

Politischer Werdegang: Obmann der JG Pellendorf bis 1983, Mitglied des Zentralausschusses und des Gewerkschaftsvorstandes der Postbediensteten, 1994-2015 geschäftsführender Gemeinderat in Gaweinstal, Nationalrat seit 2006