Kürzungen befürchtet: Schlagabtausch vor Festival. Gemeinderat beriet in geheimer Sitzung Einsparungen. Kulturstadtrat winkt ab.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 21. September 2016 (05:16)
zVg
Intendantin Cordula Nossek fürchtet finanzielle und/oder zeitliche Kürzungen ihres Festivals.
Kulturstadtrat Klaus Frank verweist auf reine Überlegungen. Das Puppentheater soll sogar ausgebaut werden.

Etwas mehr als ein Monat vor der Eröffnung der diesjährigen Puppentheatertage hängt der kulturelle Haussegen schief: „Wir sind an einem Wendepunkt angelangt, der entweder das Zu-Tode-Sparen oder einen weiteren Ausbau der Potenziale bedeutet!“, schrieb Puppentheater-Intendantin Cordula Nossek in einem Mail an die Gemeindevertreter - eine für Nossek durchaus unübliche Vorgangsweise.

Hintergrund der Erregung: Derzeit wird über das Gemeindebudget 2017 gefeilscht. Und da die Finanztöpfe nicht gerade übersprudeln, werden Einsparungspotenziale gesucht.

Zwei davon betreffen die Puppentheatertage: Es dürfte wieder einmal die biennale Austragung der Puppentage angedacht werden - eine Idee, die bereits einmal verworfen wurde. Andere im Gemeinderat wollen die Puppentage auf vier Spieltage reduzieren. „Ist eh nicht der Bringer!“, soll ein Gemeinderat den Vorschlag begründet haben.

Frank: Reine Überlegungen

Überlegungen, die Kulturstadtrat Klaus Frank nicht abstreitet: „Es gibt immer Überlegungen, wie man mit knapperen Budgetmitteln etwas gestalten kann.“ Die zitierten Inhalte bezögen sich auf eine interne Sitzung, die er so auch gar nicht kommentieren wolle.

Der Gemeinderat hatte in der jüngsten Gemeinderatssitzung Nosseks Vertrag um weitere drei Jahre bis einschließlich Oktober 2019 verlängert: „Ich sehe in den derzeitigen Diskussionen eine große Gefahr für die Kontinuität unserer bisherigen und künftigen Arbeit“, sagt Nossek.

„Seit vier Jahren arbeiten wir an der Modernisierung des Festivals, die nach 33 abgehaltenen Festivals unbedingt erforderlich war!“, sagt Cordula Nossek, die damals Langzeitintendant Olaf Bernstengel abgelöst hatte, der das Festival zwar stabilisiert aber in seiner Art verknöchert hatte.

Versuch überregionaler Vermarktung

Nossek begann vorsichtig Strukturen aufzubrechen und das Puppenfestival überregionaler, auch touristisch, zu vermarkten: „Ich habe versucht über das übliche Bild des auf Kasperltheater reduzierten Figurentheaters hinaus neue Wege der Kreativität zu gehen, um einem zeitgemäßen, allgemeinen, internationalen Standard zu entsprechen“, sagt Nossek.

Und: Endlich auch von überregionalen Medien wahrgenommen zu werden. Erster Erfolg: Ein geplantes Interview im Kulturteil des „Der Standard“ - dass hatte Mistelbach bisher noch nie geschafft.

„Ich habe leider den Eindruck, dass die Modernisierung des Festivals immer noch unterschätzt wird“, findet die Intendantin. „Ohne das rege Interesse und die verlässliche Unterstützung der Vertreterinnen und Vertreter der Stadtgemeinde Mistelbach kann ich alleine dieses Highlight unseres Gemeindelebens nicht tragen.“

Neue Ausrichtung?

„Ich schätze die Arbeit von Nossek“, sagt der Kulturstadtrat: „Sie darf uns aber nicht böse sein, wenn die Politik mit ihren Überlegungen schon etwas weiter ist!“ Einwand der NÖN: Wäre es nicht zielführender, wenn man die Zukunft des Festivals gemeinsam bespricht? Frank: „Das machen wir ja ohnehin!“

Wohin soll das Puppenspiel in Mistelbach also gehen? „Nachdem sich Mistelbach künftig als Puppenspielerstadt positionieren möchte, müssen wir mehr zu den Menschen hinaus gehen.“ Eine der Überlegungen sei es, das Festival zu kürzen und dafür währen des Jahres eine Puppentheaterschiene zu fahren.

Die Kinderleiste MiMi gibt es bereits, angedacht wird „MiMi on Tour“, mit dem nicht nur im MAMUZ Puppentheater geboten werden soll. Eine Kürzung der Budgetmittel fürs Puppentheater sei derzeit nicht wahrscheinlich, sagt Kulturstadtrat Klaus Frank. Sollte das Angebot mit „MiMi on Tour“ ausgebaut werden, dann müssten über Sponsoring oder zusätzliche Partner weitere Finanzmittel lukriert werden.

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