Radfahrer wollen mehr Raum in Wolkersdorf. Tempo 30 und kein Parken im Zentrum – diese Forderungen scheiden die Geister.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 29. Juli 2020 (04:53)
Als die Hauptstraße noch vor den Cafés vorbei führte: Die Parkplätze auf der linken Seite des Bildes existieren nicht mehr (Fotos aus den 70er Jahren). Die Radlobby will Ähnliches für den Rest der Hauptstraße erreichen.
Topothek/Anton Schmid

Die Wolkersdorfer Radlobby und ihr Obmann Hermann Hiebner machen derzeit mit Forderungen wie „Tempo 30 im Ortsgebiet“ auf sich aufmerksam. Der Grund liegt auf der Hand: Die Radlobby will mehr Raum für Radfahrer. „Die geringere Geschwindigkeit macht den Verkehr nachweislich flüssiger. Es muss weniger gebremst und beschleunigt werden, was Lärm und Emissionen reduziert“, sagt Hiebner.

Bei Berücksichtigung der Klima- und Umweltschutzziele von Land und Gemeinde – erst letztes Jahr ist Wolkersdorf dem e5-Programm sowie der Aktion „Natur im Garten“ beigetreten – scheinen einige der Vorschläge der Radlobby durchaus ins Bild zu passen. Politische Unterstützung hat die Radlobby nun außerdem, da die Grünen in der Stadtregierung vertreten sind.

Neben Temporeduktionen fordert Hiebner auch, den Verkehrsraum auf der Hauptstraße neu aufzuteilen: „Die Hauptstraße darf keine Durchzugsstraße mehr sein, und das Abstellen von Kraftfahrzeugen im Zentrum muss auf ein zweckmäßiges Mindestmaß reduziert werden“, verkündet der Lobby-Obmann. Insgesamt sollen die Vorschläge dazu führen, dass sich Personen, die sich am Rad unsicher fühlen, doch öfter auf zwei als mit vier Reifen fahren.

Aus Gründen der Sicherheit kann Tempo 30 jedenfalls Sinn machen, das bestätigt Polizist Werner Wimmer (auch Ortsvorsteher von MIT:uns). Auf Durchzugsstraßen wie der Wiener Straße empfiehlt er die Beschränkung allerdings nicht, „im Stadtzentrum kann ich es mir vorstellen“. Er weiß aus seinem Beruf allerdings auch, dass eine der häufigsten Unfallursachen die Ablenkung ist.

Parkplätze aufzugeben, hält Wimmer nicht für ratsam. Die Frage nach Stellplätzen ist ohnehin noch offen: Die Stadtregierung arbeitet nämlich an einem Masterplan, welcher die Hauptstraße einschließt. Wimmer regt an, dabei über die Schaffung neuer Parkplätze zu beraten. In dem Prozess könne zudem über temporäre Parkverbote nachgedacht werden, um die Wolkersdorfer Hauptstraße bei Nacht in eine Fußgängerzone umzuwandeln.

Umgewandelt wurde die Hauptstraße in der Vergangenheit jedenfalls schon: Historiker Stefan Eminger verweist auf den Bereich vor dem Stadtwirtshaus. Einst war auch dort eine Fahrbahn mit Parkplätzen, heute befinden sich hier die Gastgärten der Gasthäuser und Cafés.