Grenzen setzen statt Beißkorb . Hundeschulen appellieren an die Hundehalter, dass diese ihren Tieren Grenzen setzen und für sie denken müssen.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 13. November 2019 (04:12)
Evi Kretzel von der Hundeschule Dogs4Life, hofft, dass sich das neueGesetz noch ändert.
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Für ein Aufjaulen sorgt das neue vom Landtag beschlossene Hundehaltegesetz. Kritik hagelt es vor allem für die verstärkte Beißkorbpflicht „bei größeren Menschenansammlungen“. Gesammelt werden nun sogar Unterschriften für eine Volksbefragung. Die NÖN hörte sich in der Region um, wie dort die verschärften Bestimmungen für Vierbeiner ankommen.

„Theoretisch müsste man alle Autos verbieten, weil es könnte ja einen Unfall geben“, kritisiert die Obfrau einer Hundeschule im Bezirk das neue Gesetz – sie möchte anonym bleiben. Für sie beinhaltete die erste Version des neuen Gesetzes einen zu großen Spielraum. Die Obfrau möchte aber festhalten, dass sie nicht komplett gegen den Maulkorb ist. Für alle Hunde könne er aber nicht die Lösung sein.

„Theoretisch müsste man alle Autos verbieten, weil es könnte ja einen Unfall geben.“ Die Obfrau einer Hundeschule

Auch für Tierärztin Sonja Gall aus Mistelbach steht fest, dass es einige Hunde und Situationen gibt, die einen Beißkorb erforderlich machen. Allgemein gehört das Schnüffeln aber zum Lebensgefühl der Hunde. Der Tierärztin ist auch keine große Bissproblematik in der Region bekannt. Bei kleineren Hunden gebe es jedoch einige „Angstzwicker“. Lambert Bergauer, Chefinspektor beim Bezirkskommando der Polizei, kann auch keinen nennenswerten Anstieg oder Rückgang bei den Bissvorfällen im Bezirk ausmachen. Zudem ereignen sich die Vorfälle an den unterschiedlichsten Orten, oft auch in Dörfern, wo keine Menschenansammlungen vorzufinden sind.

Unter Vertretern der Hundeschulen gibt es jedenfalls einen Konsens: Man müsse den Hundehaltern vermitteln, wie sie am besten mit ihrem Haustier umgehen. Die Obfrau besagter Hundeschule kritisiert in diesem Zusammenhang die positive Lerntheorie. Denn für sie steht fest: Hunde sind Raubtiere und brauchen Grenzen. Auch im Rudel würden sie über Respekt miteinander agieren. Respekt soll allerdings nicht Gewalt heißen, sondern eben, dem Hunde Grenzen zu setzen. „Der Hund denkt sonst, er muss die Entscheidung fällen, weil sein Besitzer nicht führen kann“, sagt die Obfrau.

Ähnlich sieht das Evi Kretzel von der Hundeschule Dogs4Life aus Mistelbach. Sie hofft, dass sich am Gesetz noch etwas ändert. Unter anderem auch deshalb, weil es eine Zeit dauert, um einen Hund an einen Maulkorb zu gewöhnen. Für Doris Kirnbauer vom ÖGV Poysdorf steht zudem fest: „Für mich gibt es keine ‚gefährlichen Hunderassen‘, sondern nur Menschen am anderen Ende der Leine, die sich der Tatsache nicht bewusst werden, dass sie für ihr Tier ‚denken‘ müssen.“ Auch Kirnbauer betont, dass es wichtig sei, den Hunden Grenzen zu setzen, um ein gefahrloses Miteinander zu ermöglichen.

Ein wichtiger Aspekt ist für Daniela Dully, welche in Wolkersdorf eine Hundeschule betreibt, dabei auch die Körpersprache der Hunde: „Aufklärungsarbeit bei Hundebesitzern und Nicht-Hundebesitzern über Körpersprache, richtigen Umgang mit Hunden und deren Bedürfnisse ist vorrangig, um langfristig Zwischenfälle verhindern zu können“, sagt Dully. Sie appelliert an die Politiker, Konzepte für eine solche Aufklärung zu erstellen.

Hinzugekommen ist im neuen Hundehaltegesetz übrigens auch, dass Gemeinden „sensible Orte“ bestimmen können, wo Hunde Beißkorb tragen müssen oder angeleint sein müssen. Mistelbachs Bürgermeister Christian Balon berichtete, dass dieses Thema in der Stadtgemeinde aber erst noch besprochen werde. Dann werde sich zeigen, ob derartige Plätze beschlossen werden.

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