Therapie statt Anstalt: Weinviertler bedingt verurteilt. Weinviertler muss sich wegen Kinderpornografie medikamentös therapieren lassen.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 07. Februar 2020 (14:11)
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APA (Symbolbild)

Es war eine lange Liste an Vorwürfen, wegen denen sich ein Weinviertler aus der Region um Wolkersdorf vor dem Landesgericht Wien verantworten musste: Versuchte Körperverletzung, beharrliche Verfolgung, fortgesetzte Belästigung im Wege einer Telekommunikation oder eines Computersystems, widerrechtlicher Zugriff auf ein Computersystem, Diebstahl, Diebstahl durch Einbruch, Sachbeschädigung und der Besitz pornografischer Darstellungen Minderjähriger wurden ihm vorgeworfen. Schlussendlich gab es eine bedingt nachgesehene Verurteilung für zwei Jahre wegen der Sachbeschädigung und der Kinderpornografie. Bedingt ist auch die Einweisung des Mannes in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher. Die Auflagen dafür: Eine psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung, eine Therapie bei der Männerberatung und Bewährungshilfe über fünf Jahre.

In den restlichen Anklagepunkten wurde der Weinviertler freigesprochen: Teilweise aus Mangel an Beweisen, bei der beharrlichen Verfolgung war der Richterin die angegebene Zeitspanne für das vorgeworfene Delikt zu kurz.

Schwieriges Verhältnis zu Nachbarn

Was war vorgefallen? Der Angeklagte hatte private Bilder einer türkischen Familie auf Facebook verbreitet - allerdings hatte er die Gesichter verpixelt. „Das war eine interne Familienfeier nur für Frauen“, beklagte sich eine Betroffene über die Bilder, auf denen sie ohne Kopftuch zu sehen waren. Wie er zu den Bildern gekommen war, konnte nicht geklärt werden. Hier wurde der Mann freigesprochen, weil die abgebildeten Personen verpixelt und damit nicht für Außenstehende erkennbar waren. Vorgeworfen wurde dem Weinviertler, dass er in einen Schuppen einer Nachbarin eingebrochen sein und dort von einer Gartenfräse den Zündschuh beschädigt haben soll. Außerdem soll er bei einem Fahrrad die Reifen aufgeschlitzt haben. Hier glaubte die Richterin den Zeugen.

Verfolgt von ihm fühlen sich auch andere Nachbarn: Das Verhältnis ist seit Jahren vergiftet, man überzieht sich mit gegenseitigen Klagen. Immer wieder soll es zu verbalen Übergriffen gegenüber der Nachbarin kommen, die sehr unter den unflätigen Vorwürfen leidet. „Was mich belastet, ist, dass er mir Sachen im Garten zuruft, die auch die anderen Nachbarn hören können“, gab die Nachbarin vor Gericht an.

Einschlägige Bilder von Minderjährigen gefunden

Das Problem: Betrachtet wurde nur der Zeitraum von fünf Monaten - zu kurz für die Richterin. Keine erwiesene Sache war für die Richterin, dass die nassen Wände im Haus des Nachbarn daher rühren, dass der Beschuldigte Wasser in die Hausmauer einleitet. In diesem Fall gibt es allerdings bereits ein Unterlassungsurteil des Landesgerichts Korneuburg. Und dass er ein Betonstück über eine Mauer in den Hof der Nachbarn geworfen haben soll, das zwischen den beiden am Boden aufschlug, sei zu wenig für versuchte Körperverletzung.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde der Vorwurf des Besitzes von pornografischen Darstellungen Minderjähriger verhandelt: Bei einer Hausdurchsuchung wurden am Laptop des Beschuldigten einschlägige Bilder gefunden: Der Beschuldigte zeigte sich bei diesem Vorwurf geständig und bot selbst die Therapierung an - eine Therapieplatzzusage konnte er der Richterin bereits vorlegen. Allerdings muss er dem Gericht regelmäßig Therapie- und Medikamentierungs-Bestätigungen schicken.