Kind vertraute sich Oma an: 78-Jähriger vor Gericht. Ein 78-Jähriger wurde für die Taten mit einer Siebenjährigen verurteilt.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 19. November 2020 (04:08)
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Wegen dem Vorwurf des sexuellen Missbrauches musste sich ein 78-jähriger Pensionist aus der Region vor dem Korneuburger Landesgericht verantworten:

Die Staatsanwaltschaft legte ihm zur Last im Zeitraum zwischen dem 28. Oktober 2018 und dem 2. März 2019, die damals siebenjährige Anna (Name verändert) im Intimbereich berührt zu haben, sowie sie dazu aufgefordert zu haben, ihn intim zu berühren. Aufgeflogen ist die Missbrauchstat, als das junge Mädchen seiner Oma davon erzählte.

„Mein Sohn hat gesagt: ‚Nimm dir einen Sachwalter, du brauchst dich um nichts kümmern‘.“ Angeklagter vor Gericht

Wie es nach Ausführungen in der Verhandlung dazu kam: Das Haus des Angeklagten befindet sich auf einem Grundstück, auf welchem ein zweites Haus steht, in welchem Anna mit ihrer Mutter wohnt. Der Angeklagte wird von einer 24-Stunden-Pflegerin betreut und in unregelmäßigen Abständen von der jungen Anna besucht, wobei nach Angaben des Pensionisten immer die Pflegerin dabei ist.

Im Schlafzimmer des 78-Jährigen ist es schließlich, so erinnert sich Anna, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit angehört wurde, zum Übergriff gekommen. „Er ist ja nicht giftig“, forderte der Pensionist das junge Mädchen zur Berührung auf. Die Pflegerin weiß nicht, was passierte – sie war nicht dabei.

Anna erzählte jedenfalls nach einiger Zeit ihrer Oma davon, die bereits witterte, dass ihre Enkeltochter etwas belastet. In der ersten Vernehmung war das junge Mädchen von heftigen Schuldgefühlen geplagt, wollte den Pensionisten nicht verraten, da dieser eigentlich ein lieber Mann sei.

Der Angeklagte bestritt in der Verhandlung jede Berührung des jungen Mädchens. Aus seiner Sicht handelt es sich bei den Aussagen Annas um Kindheitsfantasien.

Richter Martin Bodner ließ Gutachten über den 78-Jährigen anfertigen. Diesen zufolge war der Mann lange alkoholabhängig und seine Alltagskompetenz ist nicht gegeben.

In finanziellen Angelegenheiten wird der Pensionist besachwaltet. „Mein Sohn hat gesagt: ‚Nimm dir einen Sachwalter, du brauchst dich um nichts kümmern‘“, sei der Grund dafür. Verwundert zeigte sich der Richter über einen anderen Umstand: „Pflegegeldstufe fünf ist erstaunlich“, der Pensionist erschien vor Gericht lediglich mit Gehstock.

Urteil rechtskräftig

Das Urteil ist bereits rechtskräftig und lautet auf „schuldig“. Der Senat ist zur Überzeugung gelangt, dass das Kind die Wahrheit sagt. 18 Monate Haft bei drei Jahren Bewährungszeit sind die Strafe, mit der Unbescholtenheit des Angeklagten als Minderungsgrund. Den Missbrauch eines Aufsichtsverhältnisses, wie von der Staatsanwaltschaft eingeführt, stellte der Senat nicht fest.

In einem Nachsatz versuchte der Verurteilte, noch einmal gegen seine Ankläger aus der Familie auszuholen und mit Klage zu drohen.