Ostbahn Jubiläum: 150 Jahre auf Schiene. Ex-Lokführer Herbert Kraus spricht über Geschichte und Erfahrungen.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 20. Juni 2021 (05:03)
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25 Jahre lang war Herbert Kraus Lokführer für die ÖBB. Er hat zahlreiche Erinnerungen der Ortschaften entlang der Bahnstrecke. In einem Vortrag erzählt der Topothekar davon und von der großen Bedeutung der Bahn für Wolkersdorf.
Christoph Szeker, Christoph Szeker

Lange Jahre, 25 um genau zu sein, war Herbert Kraus Lokführer bei den Österreichischen Bundesbahnen. Er kennt die Landschaft des Weinviertels aus einer Perspektive, die nur wenigen zugänglich ist. Seine langjährigen Erfahrungen und die Ergebnisse der historischen Erforschung der Ostbahn, sie feiert ihr 150-jähriges Jubiläum, präsentiert Kraus am 24. Juni in einem Vortrag.

Umfangreiche Sammlung zeigt Entwicklung

„Ich zeige im Pfarrzentrum Wolkersdorf historische Bilder und Dokumente, vom Beginn der Pferdeeisenbahn, dem ersten Südbahnhof und der Bahnstrecke über Simmering, Stadlau, Wolkersdorf, Mistelbach, Laa an der Thaya bis Grussbach-Schönau“, erläutert Kraus zum Vortrag. Er hat Urkunden, alte Fahrpläne, Fahrkarten und Zeitungsberichte zusammengetragen. Zudem beleuchtet der Topothekar die wirtschaftliche und gesellschaftliche Rolle der Bahn in Wolkersdorf.

Nachdem die Ostbahn am 24. November 1870 eröffnet wurde, begann, für den damals kleinen Marktort Wolkersdorf, eine Episode des Aufschwungs: Das Bevölkerungswachstum stieg an, die Struktur von Bevölkerung und Wirtschaft veränderte sich, Tourismuswirtschaft entstand und die Parteipolitik hielt Einzug in die Gemeinde.

In einer Zeit, als der Pferdetransport der schnellste Weg nach Wien war, hatte die Bahn großen Einfluss auf das dörfliche Leben. 150 Jahre später ist dieser Einfluss kleiner geworden, wegzudenken ist die Ostbahn dennoch nicht. Das zeigte sich, als die Strecke im November 2018 wegen eines entgleisten Güterzuges gesperrt war.