Schweinbarther Kreuz: Endstation für Bahn. Ab September sollen Busse als Ersatz fahren, im Dezember wird die Bahn eingestellt.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 03. April 2019 (04:30)
Szeker
Zur Zeit wird der Bahnhof in Bockfließ noch von Dieselloks angefahren. Aber nur noch bis Dezember, dann stellen die ÖBB den Betrieb ein.

Im Dezember wird der letzte Personenzug den Bahnhof Bockfließ passieren, das Schweinbarther Kreuz wird dann von den ÖBB eingestellt. Der Grund: Für den Erhalt der Strecke wären Investitionen notwendig, welche erst ab 2.000 Passagieren täglich lohnend sind.

„Auch in Zukunft wird ein Fahrgastpotenzial von 2.000 Fahrgästen pro Tag deutlich unterschritten“, verweist ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif jedoch auf eine Untersuchung. Ersatz soll laut Landesrat Ludwig Schleritzko ein neues Busnetz bieten.

Ins Rollen kam der Stein bereits vorige Woche: Medien wie auch die NÖN berichteten, dass dem Schweinbarther Kreuz das Ende droht, da es von der ÖBB als ineffizient eingestuft wurde. Dass auf der Strecke nicht mehr täglich 3.000 Passagiere wie einst in den 1990er-Jahren verkehren, liegt für Pillichsdorfs SP-Vizebürgermeister Erich Trenker daran, dass „die Anschlüsse an das übrige Bahnnetz verschlechtert wurden.“ So wurde etwa die Verbindung nach Gaweinstal eingestellt.

Kritik von Nationalrätin Melanie Erasim

Nationalrätin Melanie Erasim (SPÖ) kritisiert außerdem, dass Karl Wilfing als Verkehrslandesrat noch den Erhalt der Bahnstrecke zusicherte. Im August 2017 verkündete er etwa: „Gerade weil die Regionalbahnen die Zubringer für die Hochleistungsstrecken sind, ist klar, dass sie das Rückgrat für den öffentlichen Verkehr darstellen.“

Auch Bockfließ Bürgermeister Josef Summer (ÖVP) äußerte sich der geplanten Schließung gegenüber kritisch: „Wir kämpfen seit Jahren um die Bahn“, so Summer. Sie sollte attraktiver gemacht werden und: „Wenn wir alles nur nach Kosten-Nutzen-Rechnung betreiben, müssten wir mit Vielem aufhören“, meint der Ortschef.

Neues Konzept mit E-Bussen geplant

Letzten Freitag präsentierte Landesrat Schleritzko das neue Ersatzangebot: Das Schweinbarther Kreuz soll zur Innovations-Region werden und die Pendler ab 2021 mit E-Bussen fahren. Ab September werden bereits die ersten normalen Busse auf der Strecke fahren, ein Mobility-Lab soll zusätzlich bei der Optimierung des Angebotes helfen. „Der Bus bringt einiges an Vorteilen. Wir starten früher, enden später und haben unter tags mehr Angebot“, so der Landesrat.

Einen großen Vorteil in den Bussen sieht Schleritzko auch darin, dass diese näher an die Pendler heranfahren können: „Mit dem Bus gelingt es uns die Zahl der Menschen, die innerhalb von 500 Metern zu ihrem Wohnort eine Haltestelle finden, von bislang 4.800 auf 13.600 fast zu verdreifachen.“ Außerdem könnten mit den E-Bussen jährlich 830 Tonnen CO 2 eingespart werden, denn bisher verkehrten Dieselloks ohne Partikelfilter auf der Strecke.

Für Bürgermeister Summer bleibt die Frage, wie gut das Angebot in den kommenden Jahren erhalten wird, wichtig.

Landtagspräsidentin Karin Renner (SPÖ) und Nationalrätin Erasim sind sich außerdem einig: „Mit der Schließung von Bahnlinien kommt es unweigerlich dazu, dass sich der Verkehr von der Schiene auf die Straße verlagert. Das Bekenntnis zur Attraktivierung und zur Stärkung des öffentlichen Verkehrs verkommt somit zu einer leeren Worthülse.“ Sie werden weiter ein 365-Euro-Jahresticket fordern.

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