Erstellt am 24. Januar 2012, 00:00

Sand und sonst nix. die ökologisch saubere Förderung von Schiefergas in Weinviertel.

Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Poysdorfer Reichensteinhof bei der Bürgerinfo-Veranstaltung am Montag Abend, stark vertreten waren auch die Aktivisten der Bürgerinitiativen an diesem Abend. Das Interesse am Thema war und ist groß.KRAUS  |  NOEN
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VON MICHAEL PFABIGAN

BEZIRK MISTELBACH / Im September 2011 hatte die OMV bei der Aktionärsversammlung das Projekt Schiefergasförderung im Weinviertel präsentiert, am selben Tag wurden auch die Bürgermeister von Poysdorf und Herrnbaumgarten darüber informiert. Es dauert aber vier Monate, bis die OMV auch die Bevölkerung über die genauen Projektdetails in Kenntnis setzte.

Ab 23. Jänner holte der Energieriese das, spät, aber doch, in einer Dreierserie an Info-Veranstaltungen in Poysdorf, Walterskirchen (24.1.) und Herrnbaumgarten (25.1., jeweils 19 Uhr) nach. Zusammengefasst: Im Weinviertel soll mit einem „Clean Fracking“ eine umweltschonende Variante der Schiefergasförderung angewandt werden, die sonst noch nirgends angewandt wurde: „Es arbeiten alle an dieser Variante. Wir sind die Ersten, die es tun!“, stellte Projektleiter Hermann Spörker klar.

Was ist nun dieser österreichische Weg der Schiefergasförderung? Gebohrt wird in eine Tiefe von 5.500 bis 6.000 Metern nach konventioneller Art, wie es die OMV im Weinviertel schon an die 3.000 Mal gemacht hat, betont OMV-Geschäftsführer Christopher Veit, der auf die 60-jährige Tradition der OMV im Weinviertel verweist. In all den Jahren habe es nie Probleme mit dem Grundwasser nach Bohrungen gegeben.

Projektleiter: „Das ist wie  bei Frostaufbrüchen!“

 

In der Schieferzone angelangt, wird Wasser mit hohem Druck ins Gestein gedrückt. „Das Verfahren kann man sich vorstellen, wie Frostaufbrüche im Gebirge: Wir brechen Spalten auf. Würden wir das nur mit Wasser machen, würden sich diese wieder schließen, sobald das Wasser weg ist“, berichtet Hermann Spörker. Also versetzt man das Wasser mit Quarzsand, damit sich diese Spalten nicht mehr schließen, das Gas aber trotzdem aus dem Gestein entweichen kann. Damit dieses Wasser-Sandgemisch auch schön fließen kann, wird zusätzlich Maisstärke beigefügt. „Es bildet sich dann im dichten Mergelstein eine dünne Sandader“, fasst Spörker das Verfahren zusammen.

Für eine Bohrung sind 8.000 bis 10.000 Kubikmeter, also 8 bis 10 Mio. Liter Wasser nötig. Davon werden 30 bis 50 Prozent wieder aus dem Boden rückgefördert und in geschlossenen Rohrsystemen Richtung Auersthal abtransportiert. „Es kann also zu keiner unbeabsichtigten Gasabgabe kommen“, versucht Spörker Befürchtungen von Gegnern zu zerstreuen. Anschließend wird das Wasser über die Flutanlagen in Matzen wieder aufbereitet. Vor Ort werden keine Kläranlage und kein Trinkwasser benötigt.

Quarzsand und Maisstärke. Das sollen die beiden einzigen Substanzen sein, die dem Wasser für das Fracking beigefügt werden. Auf den Einsatz von Bioziden, die Keime im in den Boden gepumpten Wasser abtöten sollen, wird gänzlich verzichtet, stattdessen wird das Wasser mit UV-Licht bestrahlt und keimfrei gemacht. Keime im Wasser können mit ihren Stoffwechselrückständen Schwefelkohlewasserstoffe erzeugen, die dann aufwendig wieder aus dem Gas gefiltert werden müssten.

„Dieser Ansatz, ganz auf Chemikalien zu verzichten, wurde auch in Amerika noch nicht probiert“, weiß Spörker, ein Unternehmen in den USA habe zwar keine Biozide eingesetzt, Chemikalien waren aber dem Wasser als Korrosionsschutz und zur Reibungsverminderung beigefügt. „Wir glauben, dass die Tragfähigkeit des Wassers ausreichend ist“, stellt Spörker klar.

Nach den beiden Probebohrungen bei Herrnbaumgarten (an der Straße Richtung B7) und südlich von Ketzelsdorf wird das Verfahren mit weiteren Bohrungen an den Bohrplätzen optimiert, sodass 2019/20 entschieden werden kann, ob das Verfahren technisch machbar, wirtschaftlich sinnvoll und ökologisch vertretbar ist. „Grundvoraussetzung für das Projekt ist die ökologische Machbarkeit“, stellt Geschäftsführer Christopher Veit nochmals klar: „Wenn es nicht möglich ist, das Projekt umweltverträglich umzusetzen, werden wir es nicht machen!“

Stichwort Platzbedarf: Von einem Bohrplatz aus wird ein Gebiet von 25 Quadratkilometern mit 25 Bohrungen gefrackt, Bohrungen würden sich demnach alle fünf Kilometer finden. „Die Distanz ist vergleichbar mit den Rübenlagerplätzen“, versucht Spörker auch dieses Argument zu zerstreuen. Zudem würde beim drei Hektar großen Bohrplatz, alles, was nicht notwendigerweise versiegelt werden müsse, begrünt. Zu sehen sei da dann nicht mehr viel.

Und wie sieht es mit den im Bohrschlamm geförderten Radionukliden aus? Fracking-Gegner warnen eindringlich davor: „Wir wissen aus der Arbeit von mehr als 70 Jahren im Weinviertel, dass in den Tiefenwässern keine Radioaktivität auftritt. Und bei den Bohrungen haben wir den Nachweis, dass nichts Radioaktives unter dem Weinviertel vorkommt“, verweist Experte Herman Hofstätter von der Montan-Uni Leoben auf die Bohrerfahrung des Unternehmens.