Spenden für Hagelopfer: Keine Hilfe für Einzelne

Die Bewegung Mitmensch Weinviertel sammelte 10.000 Euro für die Hagelopfer vom 24. Juni. Die Gemeinde will nur Projekte unterstützen, die allen Schattenbergern zugute kommen.

Michael Pfabigan
Michael Pfabigan Erstellt am 06. Oktober 2021 | 05:51
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Die Bewegung Mitmensch sammelte 10.000 Euro für die Schrattenberger Hagelunwetter-Opfer und übergab diese der Gemeinde: Obmann Franz Schneider, Bürgermeister Johann Bauer, Obmann-Stellvertreter Ingeborg Pelzelmayer, Firmenchef Martin Zagler.
Foto: Bewegung Mitmensch

Die Hilfsbereitschaft nach dem Hagelunwetter am 24. Juni ist nach wie vor groß: Jetzt übergab die Bewegung Mitmensch Weinviertel 10.000 Euro, die nach einem Spendenaufruf zusammen gekommen waren, an Schrattenbergs Bürgermeister Johann Bauer.

„Wir danken den vielen Privatpersonen, die unserem Aufruf gefolgt sind und gespendet haben“, zeigt sich Franz Schneider, der Obmann des Vereins Bewegung Mitmensch Weinviertel, von der Solidarität für die Hagelopfer beeindruckt.

„Eigentlich wollten die Firmen drei Häuser eindecken. Wir wollten da aber keinen auswählen und bevorzugen.“
Johann Bauer, Bürgermeister (ÖVP)

Was passiert eigentlich mit den Spenden, wie werden sie gerecht vergeben? „Was wir genau machen, ist noch nicht entschieden“, sagt Bürgermeister Johann Bauer (ÖVP): „Fix ist aber, dass wir keinem einzelnen Geld geben werden, das wäre unfair gegenüber den 400 anderen Geschädigten, die nichts bekommen.“

Derzeit übernimmt die Gemeinde den durch die Sanierungsarbeiten anfallenden Müll kostenlos: „Wir werden dieses Service weiter anbieten“, sagt Bauer. Denn so könne man den Geschädigten direkt helfen: Indem Abbruchmaterial, Mineralwollplatten und der ganze Sperrmüll übernommen werde. Plan wäre, mit den Spenden die dadurch zu erwartenden Mehrkosten bei der Müllentsorgung abzudecken, weil sonst die Müllgebühren erhöht werden müssten.

Aufteilung sorgt für Diskussionen

Was dann an Geld überbleibt, soll dann auf anderen Wegen allen Betroffenen zukommen: „Was wir nicht wollen, ist dass wir das so machen, wie beim Katastrophenfonds, bei dem Hausbesitzer, die versichert sind, nichts bekommen“, sagt Bauer. Man wolle keinen benachteiligen.

Ganz zufrieden ist man in Schrattenberg trotzdem nicht mit der Aufteilung der gespendeten Güter. Dachziegelerzeuger hatten Ziegel palettenweise gespendet, die Aufteilung sorgt aber für Diskussionen.

„Eigentlich wollten die Firmen drei Häuser eindecken. Wir wollten da aber keinen auswählen und bevorzugen“, sagt Bauer: „Das wollten wir nicht, damit wären wir in Teufels Küche gekommen.“ Daher wurden die Ziegel gelagert, wer welche brauchte, konnte sich welche holen, notwendig dafür war die Unterschrift des Vizebürgermeisters. „Der Bürgermeister hat seiner eigenen Nichte 14 von 24 Paletten von diesen Ziegeln gegeben“, kritisiert Bürgerlisten-Gemeinderätin Tamara Fuchs: „Die hat sich ihr ganzes Haus eingedeckt und für die, die es gebraucht hätten, ist nichts übrig geblieben.“

Dass eine größere Menge an Ziegeln an seine Verwandtschaft abgegeben wurde, bestätigt der Bürgermeister: „So konnten sie beim Dachdecken weiterarbeiten und mussten die Arbeit nicht wegen langer Lieferzeiten unterbrechen.“ Allerdings: „Dafür haben sie eine namhafte Spende auf unser Hilfekonto eingezahlt!“ So hätten es auch andere Schrattenberger, die zwar versichert waren, aber Gratisziegel bezogen hätten, gemacht.

Dass Schrattenberger keine Ziegel mehr bekommen hätten, die welche gebraucht hätten, glaubt er nicht: „Die gespendeten Ziegel kann ja nur wer brauchen, der genau dieses Dachsystem hat.“ Jetzt seien schon länger keine Ziegel mehr bei der Gemeinde angefordert worden: „Aber es ist alles dokumentiert, wer sich Ziegel geholt hat, das kann man alles nachvollziehen.“ Grundsätzlich findet er es schade, dass jetzt mit der Neiddiskussion und der Katastrophe versucht werde, Politik zu machen: „Sowas ist traurig, aber das ist Politik, damit muss man leben.“