Gaweinstal

Erstellt am 12. Januar 2019, 04:00

von Michael Pfabigan

Vizebürgermeisterin schrieb Arbeit zum Thema "Zuzug". Birgit Boyer widmete ihre Abschlussarbeit einem Topthema von Orten im Speckgürtel.

Die Wieskugelsiedlung in Schrick wird weiter wachsen. Vizebürgermeisterin Birgit Boyer (oben) setzte sich mit den Vor- und Nachteilen des Zuzugs in den Gemeinden auseinander.  |  zVg, Pfabigan

 „Die größte Herausforderung ist der soziale Aspekt: Die Einstellung von Ortsansässigen gegenüber Neubürgern und umgekehrt ist von großer Bedeutung.“ Birgit Boyer, ÖVP-Vizebürgermeisterin von Gaweinstal, hat sich für ihre Ausbildung zur Kommunalmanagerin in ihrer Abschlussarbeit mit dem Thema „Zuzug - Fluch oder Segen“ auseinandergesetzt.

Beim Thema Zuzug hat Boyer nicht nur den kommunalpolitischen Zugang als Gemeinde am Rande des Speckgürtels rund um Wien und Anrainergemeinde der Nordautobahn. Auch sie selbst zog es 2014 vom benachbarten Obersulz nach Schrick: „Ich für mich habe beschlossen, in Schrick nicht nur wohnen, sondern leben zu wollen“, sagt die Politikerin und brachte sich entsprechend in das Ortsleben und die Gemeinde ein. Das ist für sie auch einer der wesentlichen Punkte, wie Zuzug funktionieren kann: „Als Zuzügler muss ich mich fragen, ob ich mich integrieren will und was ich bereit bin, zu tun“, sagt Boyer.

„Gaweinstal wird irgendwann die Entscheidung treffen müssen, ob es eine große Landgemeinde bleiben oder eine ländliche Stadt werden will!“Birgit Boyer

Ein wichtiger Punkt ist auch die Kommunikation zwischen Ortsbevölkerung und Zuzug: Fehlendes Verständnis und fehlendes miteinander Reden führt zu Nachbarschaftsproblemen: „Brauchtum oder zu laute Kirchenglocken, vermehrter Parkplatzbedarf bei örtlichen Festen mit einhergehendem Lärm, krähende Hähne, ausrückende Feuerwehren und viele andere Punkte, die bei der ansässigen Bevölkerung selbstverständlich sind, führen zu vielen vermeidbaren Konflikten“, weiß die Kommunalpolitikerin aus ihrer Arbeit.

Gewappnet muss auch die Gemeinde an sich für den Zuzug sein: Die Infrastruktur muss schon vorher geplant und gebaut werden, Wohnraum für Gemeindeansässige muss ebenso gewährleistet werden, wie genügend Kindergartenplätze und Platz in den Schulen.

"Eine der am stärksten wachsenden Gemeinden des Bezirk"

Gaweinstal ist eine der am stärksten wachsenden Gemeinden des Bezirks. Wohin die Entwicklung geht? „Wir haben 2018 schon die Bevölkerungsentwicklungsprognose laut Raumordnungsprogramm für 2020 erreicht. Da ist es schwer, weitere Prognosen zu erstellen“, weiß Boyer Gaweinstal an einem attraktiven Platz zwischen Stadt und Land: „Mir persönlich wäre es wichtig den ländlichen Charakter zu erhalten und trotzdem alle Annehmlichkeiten des städtischen Bereichs zu bieten.“

Gaweinstal wird weiter wachsen, Ende 2018 hatte die Gemeinde 3.947 Einwohner: „Als Gemeinde werden wir irgendwann die Entscheidung treffen müssen, ob wir eine große Landgemeinde bleiben oder eine ländliche Stadt werden wollen“, findet Vizebürgermeisterin Birgit Boyer.