Razzia bei Amazon-Zusteller-Firmen in Großebersdorf. Die Finanzpolizei überprüfte die Paketzusteller des Handelsriesen Amazon in Großebersdorf.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 26. Februar 2020 (05:26)
Die Verteilung der Amazon-Pakete ab Verteilzentrum erledigen Subfirmen. Die Finanzpolizei überprüfte sie jetzt und stellte zahlreiche Gesetzes-verstöße fest.
Michael Pfabigan

Knapp ein Jahr nach der offiziellen Eröffnung des Amazon-Verteilzentrums in Großebersdorf, stellte sich in der Vorwoche die Finanzpolizei mit einer Stippvisite ein: Mit 63 Mann filzte die Behörde zwei Stunden lang das Verteilzentrum. Im Visier stand nicht der Onlineriese selbst, sondern die Subfirmen, die für Amazon im Großraum Wien die Pakete zustellen. Die Finanzpolizei vermutet „gewerbsmäßige Schwarzarbeit“.

Sichergestellt worden seien laut Finanzministerium die Fahrerlisten, um die tatsächlichen Dienstzeiten zu überprüfen. Viele der rund 500 Mitarbeiter bei den Paketzusteller-Firmen sind geringfügig angemeldet. 174 Dienstnehmer bei 36 Betrieben seien kontrolliert worden, dabei seien 49 Verstöße gegen das Arbeitsrecht festgestellt worden, so ein Sprecher des Ministeriums - unter anderem gegen das Lohn- und Sozialdumpinggesetz und das Ausländerbeschäftigungsgesetz. Bei zehn Unternehmen habe es Forderungsverpfändungen von in Summe 185.000 Euro gegeben sowie bei einem Unternehmen einen Sicherstellungsauftrag in Höhe von 105.000 Euro, da dieses seit Mai 2019 keine Sozialabgaben entrichtet hatte. Die Paketdienstleister-Branche sei anfällig für Schwarzarbeit, es gebe regelmäßig Überprüfungen, so ein Sprecher. Anlass für die Razzia waren Anzeigen gegen Subfirmen. Gegen Amazon wird nicht ermittelt.

„Unsere Partner sind verpflichtet, sich an die geltenden Gesetze und den Verhaltenskodex für Amazon-Lieferanten zu halten“, heißt es seitens des Handelsriesen: „Amazon setzt sich dafür ein, dass unsere Lieferpartner ihre Mitarbeiter im Einklang mit geltendem Recht beschäftigen. Wir ergreifen unverzüglich Maßnahmen gegen Partner, die diese Erwartungen nicht erfüllen.“

Amazon hatte das Verteilzentrum in Großebersdorf im Februar 2019 offiziell eröffnet, nachdem über Weihnachten ein Probebetrieb gelaufen war. 70 Mitarbeiter - größtenteils Leiharbeiter - beschäftigt Amazon dort. Dazu kommen je nach Auftragslage bis zu 150 Mitarbeiter. Im April 2020 plant Amazon, ein weiteres Paketlager im Süden Wiens zu eröffnen. Die Verteilung der Pakete erfolgt über selbstständige Klein-Transportunternehmen. Die Fahrtrouten zu den Kunden mit ihren Lieferungen werden den Fahrern von Amazon aber fix vorgegeben.

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