Streit um den Hofstadl: Verein ging vor Gericht. Besitzer Erwin Netzl kündigte Vertrag auf, Problem ist für ihn Josef Gemeiner.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 29. November 2017 (05:00)
Streit um den Hofstadl: Der Eigentümer will die Zusammenarbeit mit einem Mieterverein stoppen - und wurde seinerseits vom Gericht gestoppt.
Michael Pfabigan

Streit um den Hofstadl: Der Besitzer kündigte den auf 99 Jahre abgeschlossenen Mietvertrag einseitig wegen Eigenbedarfs auf. Der Nutzerverein ging vor Gericht, weil er sich das nicht gefallen lassen wollte.

„Stimmt“, bestätigt Stadl-Besitzer Erwin Netzl: „Da wurde ich falsch beraten. Ich werde die Kündigung zurücknehmen.“ Hintergrund des Konfliktes sind Streitigkeiten unter den Nutzern des Stadls.

„Wir haben versucht, Josef Gemeiner das zu erklären, aber er hat immer aggressiver abgelehnt!“Erwin Netzl, Liegenschaftsbesitzer des Hofstadls

Der Mietvertrag wurde 2006 von drei Vereinen und den Liegenschaftsbesitzern unterzeichnet: dem Kulturwerkstätte Hofstadl, bei der Netzl selbst Obmann ist; dem Verein für Kultur- und Brauchtumspflege mit Obmann Josef Gemeiner und dem Verein Erlebnisdorf Siebenhirten. Diesen Verein gibt es mittlerweile nicht mehr.

Liegenschafts-Eigentümer Erwin Netzl: Mit Josef Gemeiner war keine Zusammenarbeit möglich.
zVg

„Wir haben versucht, die Nutzung des Hofstadls auf neue, professionelle Füße zu stellen“, sagt Netzl. Gemeint ist die Kulturwerkstätte, die nicht nur den Schankbereich modernisieren will, sondern auch ein einheitliches Übergabeprotokoll an potenzielle Mieter der Anlage einführen will. Außerdem soll es noch offene Forderungen Netzls an den Gemeiner-Verein geben.

„Wir haben das Kündigungsschreiben erhalten und geklagt. Dass der Eigentümer als Gemeinderat Parteien wie Hemden wechselt, war bekannt. Dieser versuchte Vertrauensbruch aber überrascht auch uns“, sagt der Verein von Josef Gemeiner.

Der Hofstadl ist wegen seiner einzigartigen Architektur der trägerlosen Dachkonstruktion ein beliebter Ort für Feiern und Hochzeiten: „Nur mit dem Josef war da nichts zu machen“, klagt Netzl, der von verärgerten Mietern berichtet, die morgens plötzlich eine vollgeräumte Schank vorgefunden oder Josef Gemeiner plötzlich in der Feier stehen hatten, der ihnen gesagt hat, was sie zu tun und zu lassen hätten: „So kann das nicht gehen“, sagt Netzl: „Wir haben versucht, ihm das zu erklären, aber er hat immer aggressiver abgelehnt.“

Stadtgemeinde mischt sich nicht in Streit ein

Mieter Josef Gemeiner: „Der Vertrauensbruch Netzls hat uns alle überrascht!“Pfabigan
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Wie geht‘s jetzt weiter? Der Betrieb im Hofstadl geht weiter wie gehabt, allerdings wird der Schankbereich erneuert und an die modernen Hygienestandards angepasst. Kritisiert wird vom Verein Kultur- und Brauchtumspflege auch, dass eine Tür zugemauert wurde: „Die konnte man noch nie öffnen, weil beim Einbau das Schloss demoliert wurde. Die wurde nie benutzt“, sagt Netzl: Jetzt wurde sie zugemauert und ein Regal an der Innenseite installiert.

Hinter der Neuaufstellung des Betriebs im Hofstadl steht übrigens auch der Ort Siebenhirten: Ortsvorsteher Christoph Brabec bestätigt die Bemühungen: „Wir haben großen Respekt vor dem Gebäude.“

Die Stadtgemeinde Mistelbach möchte sich in den Streit der beiden Vereine nicht einmischen: „Wer Veranstalter von Kunst im Hofstadl ist, das müssen sich die beiden selbst ausschnapsen“, sagt Kulturstadtrat Klaus Frank: Der Hofstadl soll das Volkskulturzentrum der Stadt sein und bekommt deshalb auch die Höchstförderung von der Gemeinde für seine Aktivitäten.

Wie gehts weiter? Netzl kündigte an, die Vertragskündigung zurückzunehmen und Josef Gemeiner wieder einen Schlüssel auszuhändigen: „Falls er die finanziellen Außenstände zahlt!“

„Netzl muss den Rechtsbruch reparieren, alles andere sind die üblichen Schutzbehauptungen“, kontert Gemeiner.

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