Wolkersdorf: Starrheit soll dem Leben weichen. Die Nutzung der Plätze und Straßenräume soll in Wolkersdorf künftig mit dem Leben in der Stadt pulsieren.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 30. September 2020 (04:52)
Vertreter derGemeindepolitik um BürgermeisterDominic Litzka und solche der Firmen nonconform und con.sens versammelten sich amWolkersdorfer Hauptplatz für einen Blick in die Zukunft.
Szeker

Mehr Platz am Gehsteig und für Radfahrer, Einbahn mit Fahrtrichtung zum Zentrum und Parkplätze, die zeitweise Bewegungsfläche werden: So oder so ähnlich könnte die Verwandlung der Hauptstraße im Stadtzentrum in den nächsten Jahren und Jahrzehnten aussehen. Wer den Julius Bittner Platz erreicht, soll mit einem Blick erkennen, welcher Weg zum Hauptplatz führt und sich nicht bereits dort angekommen fühlen.

So die wesentliche Erkenntnis der Vertreter der Firmen nonconform und con.sens, welche zur Zeit an einem Masterplan und einem Verkehrskonzept für die Stadtgemeinde arbeiten. „Die Idee ist, dass wir 2050 ein Wolkersdorf vorfinden, dass beispielhaft ist für andere Stadtgemeinden“, erläutert Astrid Erhartt-Perez (non-conform) das zentrale Anliegen der Konzepte bei einer Präsentation am Wolkersdorfer Hauptplatz.

„Die Hauptstraße muss sich verändern, sonst ist sie tot.“Christian Schrefel, Stadtrat der WUI (Grüne)

Hier fand von Montag bis Mittwoch vergangener Woche die „Ideenwerkstatt OberWolkersStadt“ mit Bürgerbeteiligung statt. Die Teilnehmer äußerten dabei den Wunsch, sich am Hauptplatz abseits des Wochenmarktes verstärkt austauschen zu können. So kam es zur Idee, den Hauptplatz zu Überdachen und mit zusätzlichen Frequenzbringern zu versehen.

Realisiert wurde diese Vision bereits während der „Ideenwerkstatt“, denn diese fand am, mit Zelt überdachten, Hauptplatz statt. Am Abend zeugte die Stimmung dort von der Lebendigkeit in der Stadt: Inmitten der geselligen Geräuschkulisse der Gastronomie arbeitete man an der Zukunft der Stadt.

Ein zusätzlicher Frequenzbringer soll hier das Schinkele-Haus werden. Dieses könnte das Rathaus beherbergen und ebenerdig mit einem Saal für bis zu 150 Personen versehen werden, welcher zum Hauptplatz hin geöffnet ist. Ein belebendes Haus zum Ein- und Ausgehen, stellen sich die Vertreter der Firma nonconform vor. Ex-Bürgermeisterin Anna Steindl (ÖVP) hat das Haus 2017 als potenziellen Rathaus-Standort genannt. Auch eine Parkgarage hat man sich hier bereits vorgestellt.

Parken als zentrales Thema

Parken ist denn auch ein zentrales Thema im Stadtgebiet Wolkersdorfs: 2018 wurde im Zuge der Debatten rund um einen Veranstaltungssaal das Pfarrzentrum als Standort für einen Saal mit Parkdeck genannt. Bei der Präsentation vergangenen Mittwoch standen Mehrfachnutzungen im Gesprächszentrum. So könne man mit Spar und Billa ins Gespräch kommen, um deren Parkflächen auch außerhalb der Geschäftszeiten zu nutzen. Parkplätze an Straßen könnten nur während der Geschäftszeiten als solche nutzbar gemacht werden.

Dynamik und Pulsieren haben sich in der „Ideenwerkstatt“ als besonders wichtig erwiesen. Sogenannte Anker sollen zu diesem Zweck an Orten wie dem Kirchenplatz oder am Ende der Hauptstraße beim Julius Bittner Platz Besucher anlocken. Der Rußbach soll als Verbindungsachse vom Entwässerungsgraben zum Gewässer mit Bewegungsraum rundherum werden und sich wie ein Reißverschluss durch die Gemeinde ziehen. Eingebracht wurden auch exotischere Ideen wie etwa ein „Baggerteich“.

Unterm Strich ist für Bürgermeister Dominic Litzka (Team Wolkersdorf/Volkspartei) klar, dass sich die Ergebnisse der Präsentation in einen grundlegenden Prozess der Gemeinde fügen: Diese richtet sich für die nächsten 20 Jahre so aus, „wie es die Bevölkerung heute sieht“.

Christian Schrefel, Stadtrat der Grünen für Raumplanung, spricht als Obersdorfer für den Ort: „Das Leben in Obersdorf findet im Innenhof statt“, um es nach außen zu locken, müsse die Obersdorfer Straße – sie soll künftig den Namen „Unter den Linden“ tragen – beruhigt werden. Auf der Stadt-Haupstraße sieht Schrefel noch akuteren Bedarf zur Verwandlung: „Die muss sich verändern, sonst ist sie tot“, stellt Schrefel fest.

Wer durch Wolkersdorf fährt, soll demnach ins Zentrum gelockt werden, anstatt vorbeizufahren.

Umfrage beendet

  • Wolkersdorfer Zentrum: Lebenswert oder weit ab vom Schuss?