Zu wenig VP-kritisch? Laaer SPÖ-Aufstand gegen Nikodym. SPÖ-Chef Christian Nikodym dürfte vor der Ablöse stehen, Partei will Vorsitzenden loswerden.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 22. Mai 2019 (05:01)
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SPÖ-Vorsitzender Christian Nikodym muss sich gegen einen Aufstand der eigenen Partei wehren.

Über der Laaer SPÖ schwebt wieder einmal das Wort Revolution: Auf Facebook spricht SPÖ-Chef und Stadtrat Christian Nikodym von „parteiinternen Kräften, die gegen ihn gebündelt würden“. Am 1. Mai ging er zur Geburtstagsfeier des Stadtpfarrers, nicht aber zum SPÖ-Frühschoppen. In der Partei scheint es zu gären, offen reden wollte lange niemand.

Hinter vorgehaltener Hand wird Nikodyms guter Kontakt zu ÖVP-Bürgermeisterin Brigitte Ribisch kritisiert, man vermisst einen kritischen Kurs gegenüber der Bürgermeisterpartei. Und: „Er setzt Fraktionsbeschlüsse im Stadtrat nicht um“, heißt es aus der SPÖ, und stimme in der Stadtregierung anders ab als vorab besprochen.

„Die Intrigen gegen mich laufen im Prinzip schon seit 2011, ruhten dann eine Zeit und begannen wieder 2016“Christian Nikodym

Selbst seine Kritiker attestieren Nikodym Fleiß und Einsatz für Gemeinde und Partei. Jetzt redet der Chef: „Die Intrigen gegen mich laufen im Prinzip schon seit 2011, ruhten dann eine Zeit und begannen wieder 2016“, sagt er im NÖN-Interview. Sein größtes Problem: Das Laaer SPÖ-Team konnte er sich nicht selbst aussuchen, von den Gemeinderäten zählten gerade einmal zwei zu seinen Vertrauten. Nicht dazu gehörte sein Stellvertreter David Reiff.

Der Weg Christian Nikodyms an die Spitze der SPÖ Laa war nicht unumstritten: Lange galt er als Zukunftshoffnung der Partei, Teile der SPÖ wollten ihn aber nicht an der Spitze sehen. Nachdem Alt-Landtagsabgeordneter Hermann Findeis in die Politpension gegangen war, rechneten viele mit einem Generationenwechsel. Der kam aber nicht, Reinhart Neumayer übernahm die Partei. Allerdings wurde Neumayer vorgeworfen, er und seine Partei seien die „Steigbügelhalter“ von ÖVP-Bürgermeister Manfred Fass.

Nach der Gemeinderatswahl 2015, bei der die SPÖ nur noch drittstärkste Partei wurde, sollten die Roten mit Unterstützung der Bezirkspartei auf neue Beine gestellt werden. Der eher unbeliebte Reinhart Neumayer musste gehen, Nikodym wurde installiert, was zur Parteispaltung führte. Neumayer und zwei andere SPÖ-Gemeinderäte nahmen ihre Mandate an, traten aber aus der Fraktion aus. Von den „Wilden Roten“ sind mittlerweile nur noch Neumayer und Franz Kriehuber im Gemeinderat übrig geblieben, der dritte legte das Mandat zurück. Es wurde von der SPÖ nachbesetzt.

Treibende Kräfte hinter seiner Ablöse seien aber nicht nur in der eigenen Stadtpartei zu suchen: „SPÖ-Regionalmanager Johann Keminger hat mich schon aufgefordert, in der Juni-Sitzung mein Stadtratsmandat zurückzulegen“, sagt Nikodym, der nicht vorhat, das zu tun. „Und wenn mich meine Partei als Stadtrat abberuft, dann werde ich als einfacher Gemeinderat bis zur Wahl weiterarbeiten“, will Nikodym nicht klein beigeben. Er sieht eine 50:50-Chance, den parteiinternen Aufstand zu überstehen. „Ich bin ein Gemeindevertreter mit Leib und Seele“, sagt Nikodym: „Wenn es so ist, dass ich aufhören muss, dann geht das Leben weiter. Bleibe ich SPÖ-Chef, dann wird sich einiges in der Partei ändern“, kündigt er an.

Reiff wird als potenzieller Nachfolger gehandelt

Wie könnte die SPÖ nach Nikodym aussehen? Sein Parteivorsitzender-Stellvertreter David Reiff wird als potenzieller Nachfolger gehandelt. Aber bevor Schritte gesetzt werden, soll es noch Vermittlungsgespräche geben, heißt es.

Ob er im Falle einer Abberufung bei der Gemeinderatswahl mit einer eigenen Liste gegen die SPÖ antreten wird, will Nikodym offenlassen. Das ist auch die größte Sorge der Rest-SPÖ, sagen die politischen Mitbewerber in Laa, offen zu Wort melden wollen sie sich nicht.