Wildendürnbach: Kassenärztin sperrt ihre Ordination zu. „Unsere Gemeindeärztin hat von heute auf morgen zugesperrt, nur weil sie mit dem Bürgermeister streitet“, ist ein Wildendürnbacher fassungslos.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 03. Dezember 2019 (21:36)

„Bis auf weiteres in Wildendürnbach kein Ordinationsbetrieb“ steht in roten Lettern bei der Eingangstür zur Kassenordination in Wildendürnbach. Als Grund gibt die Ärztin, ebenfalls per Aushang, an „wegen langjähriger Nicht-Einhaltung von Zusicherungen der Gemeinde und fortgesetzter schwerer Unstimmigkeiten“ diese Schritte zu setzen.

„Wo sollen wir denn jetzt hingehen?“, fragen sich hingegen die Patienten der Ärztin. Die nächsten Kassenärzte finden sich in Laa, Neudorf und Drasenhofen. Erstere nimmt keine neuen Patienten, Letztere kann sich nur eine Vertretungssituation vorstellen.

Was ist vorgefallen? 2011 hat die Ärztin die Ordination des früheren Gemeindearztes Dr. Peter Panny übernommen. Um die Räumlichkeiten auf den neuesten Stand zu bringen, wurden umfangreiche Umbauarbeiten geplant, die dann aber wegen Problemen mit einer anderen Partei im Haus nie durchgeführt wurden. Also suchte der Gemeinderat andere Wege: „2011 fasste der Gemeinderat einen Grundsatzbeschluss, dass wir ein neues Arzthaus bauen“, sagt Bürgermeister Herbert Harrach (ÖVP): Gemeinsam mit der Ärztin wurden Pläne gezeichnet und Ordinationen besichtigt.

Als die Planungen fast abgeschlossen waren, soll dann die Medizinerin selbst ein Haus gekauft haben. „Also hat der Gemeinderat gesagt, wir unterstützen etwaige Umbauten mit 50.000 Euro“, erinnert sich Harrach. Voraussetzung dafür war eine Sicherstellung im Grundbuch, dass die Ärztin zumindest zehn Jahre lang im Wildendürnbach bleiben bzw. eine Ordination im Haus für diese Zeitspanne bestehen muss. Alternativ hätte die Gemeinde die Förderung in 5.000 Euro-Tranchen jährlich ausgezahlt. „Seither hat sie sich in der Causa nicht mehr gemeldet“, ist Harrach umso überraschter, dass die Ärztin jetzt diesen Schritt setzt. Begleitend hatte der Anwalt der Ärztin der Gemeinde einen in Sachen Arztförderung geharnischten Brief geschrieben.

Wie lange dieser Protest dauern wird, kann Harrach nicht sagen, der Gemeinderat wird in seiner Sitzung am 16. Dezember das Antwortschreiben absegnen. „Ob das so freundlich sein wird, wie vor dem Zusperren der Ordination geplant war, kann ich nicht sagen“, will er seinen Gemeinderatskollegen nicht vorgreifen.

Rein rechtlich darf die Ärztin ihre Kassenordination jederzeit für Urlaube und Fortbildungen für kurze Zeit zusperren, sagt Birgit Jung von der NÖ Ärztekammer. Im aktuellen Fall habe die Medizinerin einen einwöchigen Urlaub angemeldet. „Ich gehe davon aus, dass die Ordination am Montag wieder offen ist“, sagt Jung. Der Aushang sei allerdings nicht mit der Kammer abgesprochen gewesen und absolut nicht im Sinne der Patienten.

Die Ärztin war für die NÖN nicht für eine Stellungnahme erreichbar.