Brief vom Chef verärgert Retter. Ein Brief der Rotkreuz-Bezirksstelle sorgt für Aufregung: Inaktive Mitglieder wurden schriftlich und unpersönlich – wie viele finden – hinausgeworfen.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 23. August 2017 (05:01)
Bilderbox.com (Symbolbild)

„So geht man nicht mit Freiwilligen um“, beschweren sich Mitglieder des Roten Kreuzes, die in letzter Zeit Post von der Bezirkszentrale und vom designierten neuen Geschäftsführer Brian Miller bekommen hatten.

In dem - viele empfinden ihn unfreundlich - formulierten Brief sollte erhoben werden, ob das angeschriebene RK-Mitglied nach längerer Inaktivität noch Interesse an einer Mitgliedschaft hat.

„Ich darf Sie daher ersuchen, mitzuteilen, ob Sie noch Wert darauf legen, als Mitglied beim Roten Kreuz geführt zu werden, bzw. ob Sie aus dem Roten Kreuz ausscheiden möchten“, heißt es in dem Schreiben wenig empathisch. Sollte keine Rückmeldung kommen, wird das jeweilige Mitglied beim Landesverband abgemeldet.

„Dieser Brief hätte so nicht rausgehen dürfen!“Clemens Hickl, Bezirksstellenleiter Rotes Kreuz Mistelbach

Dem Fass den Boden schlägt für die Betroffenen dann der letzte Satz aus: „Gleichzeitig wird ersucht, die in Ihrem Besitz befindlichen Uniformstücke sowie sämtliche Schlüssel, Badges, Stifte, o.ä. beim Roten Kreuz abzugeben.“ „Wenn ich einen solchen Brief bekomme, kratze ich jeden unwesentlichen Block und Kugelschreiber zusammen, den ich vom Roten Kreuz hab´ und schmeiß’ denen das bei der Bezirksstelle rein“, ärgert sich ein Rotkreuz-Mitglied.

Direkt betroffen von der Ausmusterungsaktion ist der Traunfelder Helmut Rath: jahrzehntelang Mitglied beim Roten Kreuz, zehn Jahre Rettungssanitäter und ebenso lange und 35.000 Kilometer unfallfrei unterwegs gewesener Rettungsfahrer und Praxisanleiter. „2013 musste ich bedingt durch einen Schlaganfall aufhören“, erzählt der immer noch begeisterte Rotkreuzler:

„Ich stehe immer noch der Dienststelle Wolkersdorf nahe“, berichtet Rath, in den letzten Jahren habe er sich zu Weihnachten in der Dienststelle mit einem Notfallrucksack und zwei Handys als Unterstützung für die Kollegen eingestellt, auch als Werber für neue Sanis sei er immer noch aktiv. „Aber Dank bekommt man in dem Brief keinen“, klagt Rath. Und die Wolkersdorfer Ortsstellenleiterin Maria Mauser, die den Brief, gemeinsam mit Bezirksstellenleiter Clemens Hickl gezeichnet hatte, habe das Schreiben überhaupt nicht gekannt.

Hickl: "Habe mich persönlich entschuldigt"

„Stimmt, dieser Brief hätte so nicht rausgehen dürfen“, bestätigt Clemens Hickl, Chef des Roten Kreuzes im Bezirk Mistelbach: Auch er habe das Schreiben nicht gekannt. Und es werde Derartiges auch nicht mehr passieren. Er habe das mit dem designierten Geschäftsführer – offiziell tritt Miller seinen Job erst mit Jahreswechsel an – besprochen.

Was ist geschehen: Die Mitgliederlisten werden regelmäßig überprüft. Scheinen inaktive Mitglieder auf, dann wird mit dem jeweiligen Ortsstellenleiter die Liste durchgegangen, der kennt entweder die Umstände des Mitgliedes oder kontaktiert ihn persönlich. Das ist in diesem Fall nicht passiert. Und: Doppelt peinlich, dass so etwas bei einem Unterstützer, wie Helmut Rath, passiere.

„Ich habe ihn persönlich angerufen und mich entschuldigt“, so Hickl. Und auch von Rausschmiss könne keine Rede sein. Hickl hat einen anderen Plan: „Ich werde dem Landesvorstand vorschlagen, dass Rath in den Reservestand übernommen wird.“

Nach dem klärenden Gespräch zeigte sich dieser mit der vorgeschlagenen Vorgangsweise einverstanden, berichtet Hickl.