Uran im Trinkwasser. Brunnen gesperrt / Der Bründläckerbrunnen liefert mehr als das Doppelte der erlaubten Mengen des radioaktiven Metalls. Bürgermeister glaubt an Aufhebung des Grenzwertes.

Erstellt am 12. November 2013 (23:59)
NOEN, ZVG
Von Michael Pfabigan

„Uns bleibt nichts anders übrig, als auf Wein und Bier umzusteigen!“, lacht ein Drasenhofner. Denn die Gemeindewasserleitung wurde mit Freitag als Trinkwasser gesperrt. Der Grund: Der Urangehalt im Wasser ist mehr als doppelt so hoch, wie der in der Trinkwasserverordnung vorgesehene Grenzwert. Untersuchungen im Bründläckerbrunnen hatten 0,038 Milligramm pro Liter ergeben, erlaubt sind nur 0,015 mg/l.

Entweder verstrahltes Wasser oder nitratbelastetes Wasser

Die Folge: Die Bürger von Drasenhofen, Stützenhofen, Steinebrunn und Kleinschweinbarth saßen am Wochenende auf dem Trockenen - falls sie von der Sperre überhaupt informiert waren. Denn die Information der Gemeinde wurde Freitagabend verteilt. Zu einem Zeitpunkt, wo viele gar nicht mehr in den Briefkasten schauen, weil man ja keine Post mehr erwartet. „Ich hab’s von der Nachbarin erfahren“, sagt ein Stützenhofner, „und da sicher schon literweise strahlendes Wasser getrunken!“

Glück hatte, wer Mineralwasserflaschen gehortet hatte. Waren keine Flaschen mehr im Lager, so blieb den Bürgern nur, entweder verstrahltes Wasser aus der Ortswasserleitung oder nitratbelastetes Wasser aus einem Privatbrunnen zu trinken. „Das Wasser kann allerdings für andere Zwecke (Körperpflege, Reinigung, Geschirrspülen) verwendet werden“, heißt es in der Information der Gemeinde.

Uranwerte ein Problem der gesamten Grenzregion

Bürgermeister Reinhard Künzl will die Sache nicht verharmlosen, warnt aber davor, wegen der erhöhten Werte in Panik zu verfallen: Der Grenzwert sei tief angesetzt, laut Medizinern, die die Gemeinde beraten, seien die gemessenen 0.038 mg/l unbedenklich. Und: „Wir haben beim Land angesucht, dass der Grenzwert für Drasenhofen für drei Jahre aufgehoben wird“, sagt Künzl.

Dann könnte der Bründläckerbrunnen wieder als Trinkwasser freigegeben werden. In der Zwischenzeit könnte das Projekt Wasserversorgung-Neu angegangen und umgesetzt werden. Mit dem neuen Hochbehälter für beide Gemeindebrunnen könnten dann nicht nur die Wässer vermischt, sondern auch entsprechend gefiltert werden. „Außerdem ist möglich, dass bei der nächsten Messung wieder ein Wert unter dem Grenzwert rauskommt“, sagt Künzl. Der Bründläckerbrunnen liege immer nahe dem Grenzwert. Und die erhöhten Uranwerte seien ein Problem der gesamten Grenzregion bis ins Waldviertel. Der Trinkwasserspiegel habe sich verändert, entsprechend würde jetzt vermehrt Uran aus dem Boden ausgespült, sagen die Experten.

„Ich trinke jeden Tag drei Liter Wasser, ich bin überzeugt, dass das Uran darin nichts macht“, zeigt sich Künzl sicher. Sicherheitshalber werde der Kindergarten aber mit stillem Mineralwasser versorgt.

Foodwatch Deutschland sieht die Sache allerdings nicht so locker: 0,015 mg/l seinen verträglich, zu viel Uran im Wasser könne Nierenkrebs verursachen.

Im Detail: Das Drasenhofner Wasser
Die Gemeinde Drasenhofen bezieht ihr Wasser aus zwei Brunnen:
Der grenznahe Bründläckerbrunnen hat eine niedrige Nitratkonzentration aber chronisch höhere Uranwerte. In der Regel liegen sie knapp unter dem Grenzwert von 0,015 mg/l.
Der Klafterbrunnen liegt in Steine-brunn und ist wegen seiner hohen Nitratwerte als Trinkwasser gesperrt. Allerdings sind seine Uranwerte niedrig. Im April wurden 0,005 mg/l gemessen.
Beide Brunnen sind aus mikrobiologischer Sicht schon vor der Entkeimung in Ordnung, Pestizide oder Schadstoffe sind im Wasser nicht enthalten.
Die gesamte Wasserversorgung, Leitungen und Hochbehälter, ist zwischen 40 und 50 Jahre alt, jährlich braucht Drasenhofen zwischen 290 und 300 Kubikmeter pro Tag.
Abhilfe soll ein zentraler Hochbehälter in Stützenhofen bringen, bei dem die Wässer beider Brunnen vermischt und zu einer einheitlichen Wasserqualität verschnitten werden. Kosten: 1,5 Mio. Euro. Die Anlage könnte Mitte oder Ende 2015 in Betrieb gehen.