Wolkersdorf will Vorreiter bei Sonnenstrom sein. Die Stadtgemeinde will als Vorreiter Projekte auf dem Gebiet der Photovoltaik umsetzen.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 06. Februar 2021 (04:31)
Vergangenen Freitag fand in der Volksschule die Eröffnung der Photovoltaik-Anlage am Dach des Gebäudes statt: Bürgermeister Dominic Litzka, Umweltministerin Leonore Gewessler, Landtagsabgeordneter Kurt Hackl, Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Umweltstadtrat Christian Schrefel.
Szeker

Vorreiter, das möchte die Stadtgemeinde Wolkersdorf auf dem Gebiet der Sonnenstrom-Erzeugung sein. Im Vorjahr wurde daher erstmals ein Photovoltaik-Projekt mittels Bürgerbeteiligung finanziert: 102 PV-Module wurden auf dem Dach der Volksschule installiert. Vergangene Woche fand das Projekt unter dem Beisein der Umweltministerin Leonore Gewessler und des Landeshauptfrau-Stellvertreters Stephan Pernkopf seinen offiziellen Abschluss.

Für Ministerin Gewessler ist die Anlage auf dem Dach der Volksschule Wolkersdorf ein Vorzeigeprojekt für die Zukunft: „Wir haben in Österreich ein großes Ziel: Bis 2030 werden wir 100 Prozent unseres Stroms aus erneuerbaren Energien produzieren. Dafür wollen wir auf einer Million Dächern in unserem schönen Land Sonnenstrom produzieren.“

„Schwerpunkte werden auf Dächern, Parkplatzüberdachung sowie agrarischen Photovoltaik-Anlagen liegen.“ Kurt Hackl, ecoplus Aufsichtsrat

Die Stadtgemeinde will sich mit ambitionierten Vorgaben an den Bundeszielen beteiligen und bis zum Jahr 2030 PV-Anlagen mit insgesamt 12 Megawatt Leistung installieren. Dass diese Zahlen nicht unrealistisch sind, hat das Bürgerbeteiligungs-Projekt aus dem Vorjahr gezeigt: Die Anteile an den 373 PV-Paneelen waren bereits am ersten Tag mit 300 Prozent überzeichnet.

Ingenieur Fritz Herzog berät die Stadtgemeinde zur Photovoltaik.
OekoE.

In kürzester Zeit stellten 27 Personen 91.000 Euro für die Finanzierung des Projektes zur Verfügung. Es verwundert daher nicht, dass Fritz Herzog, PV-Beauftragter der Stadtgemeinde, im Interview vergangenen März folgende Aussage zum Potenzial der Sonnenstrom-Gewinnung in Wolkersdorf machte: „Ich denke, es wird wie beim Wein sein, wir produzieren vielfach mehr als wir verbrauchen.“

Mit Unterstützung der Firmen aus dem Wolkersdorfer Wirtschaftspark kann jedenfalls einiges gelingen, da dort sehr großes Flächenpotenzial vorzufinden ist. Herzog führt in seiner Potenzialanalyse (Mai 2020) 80-100.000 Quadratmeter Fläche (Dächer, Parkplätze etc.) im Industriegebiet an.

Im Juni des Vorjahres hat dort Kotányi auf sich aufmerksam gemacht: Der Betrieb hat 6.500 Quadratmeter Dachfläche mit PV-Modulen versehen, um so seinen Energiebedarf aus dem Stromnetz um 25 Prozent zu reduzieren. Vor Kurzem haben sich die Firmen SPL Tele, Ökoenergie, Elektro Gindl und Keider Elektro zur PV Weinviertel GmbH zusammengeschlossen, um PV-Projekte umzusetzen. „Schwerpunkte werden dabei auf Dächern, Parkplatzüberdachung sowie agrarischen Photovoltaik-Anlagen, kurz Agro-PV, in Verbindung mit E-Tankstellen und Speichermöglichkeiten liegen“, sagt ecoplus Aufsichtsrat Kurt Hackl.

Herzog gibt allerdings zu bedenken, dass die großen Zahlen nicht über Flaschenhälse hinwegtäuschen sollten. Probleme sieht der Experte vor allem in den verfügbaren Netzkapazitäten: Größere Investitionen in die Netze müssten erfolgen sowie die Umsetzung von PV-Freiflächenanlagen, wolle man die langfristigen PV-Ziele erreichen. Außerdem werde die Stromspeicherung in Privathaushalten zunehmend Priorität gewinnen.

Dächer im Gebiet der Stadtgemeinde sollen zunehmend für die Stromerzeugung genutzt werden: Experte Herzog führt 300.000 Quadratmeter auf Dächern der Privathaushalte und 100.000 Quadratmeter auf Flächen im Industriegebiet als Potenzial an.
NÖN Archiv

Bürgermeister Dominic Litzka (Team Wolkersdorf) denkt an die Einbettung der Vorhaben in das große Ganze: „So gilt es, beispielsweise durch ein durchdachtes Mobilitätskonzept, Strategien zur Klimawandelanpassung oder durch den Ausbau erneuerbarer Energien, zum Wohle der Bevölkerung, die Lebensqualität in Wolkersdorf zu steigern und gleichzeitig eine energiebewusste Zukunft zu gewährleisten.“ Das Land Niederösterreich möchte jedenfalls ebenso ambitionierte Ziele wie die Stadtgemeinde verfolgen und selbst Vorreiter sein: „Erst vor wenigen Tagen haben wir unseren Klima- und Energiefahrplan vorgestellt: Bis 2030 wollen wir die Sonnenkraft verzehnfachen und die Emissionen um 36 Prozent verringern“, sagt Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf.