Aufregung nach Prozess um Pferdeoase. Vereinsmitglieder sehen Kampagne gegen ihre Pferdeoase.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 20. Juni 2018 (05:00)
Michael Pfabigan
Viel Platz für die Pferde auf der Ebendorfer Pferdeoase: Die Vereinsmitglieder betonen die artgerechte Haltung der Flucht- und Herdentiere bei der Offenstallhaltung, bei der es keinen fixen Stall samt Box gibt, sondern nur Unterstände, die bei Bedarf benutzt werden.

Massive Reaktionen löste der Bericht über das Gerichtsverfahren über die Pferdeoase aus, bei dem der Betreiberin Tierquälerei durch fehlerhafte Pferdehaltung vorgeworfen wird.

Lokalaugenschein am Hügel über Ebendorf: Insgesamt 134 Tiere tummeln sich auf den großzügigen Flächen. Gatschig ist im Moment nichts - angesichts der Trockenheit keine Überraschung. „Derzeit haben wir 24 Pferde, der Rest sind Ponys, Esel oder Fohlen und vier Lamas“, erzählt ein Vereinsmitglied. Rund 15 Tiere würden hier ihr Gnadenbrot erhalten.

„Diversion kommt nicht in Frage: Dann würde ich mich ja von etwas freikaufen wollen, an dem ich nicht schuld bin!“Michaela Herites, Betreiberin Pferdeoase

„Wir haben massive Probleme mit den Behörden“, erzählt eine Reiterin, die Amtstierärztin würde Bescheide ausstellen, die so nicht umsetzbar seien. „Allgemein scheint sie ein Problem mit der Philosophie der Offenstallhaltung zu haben“, erzählt sie. Offenstallhaltung bedeutet, dass es keine fixen Ställe für die Tiere gibt, sondern nur Unterstände, unter denen sie bei Bedarf Schutz suchen können. „Was viele Tiere selbst im strömenden Regen nicht tun“, erzählt die Reiterin.

Und zu den Fotos, die vor Gericht die schlechten Haltungsbedingungen beweisen sollten: „Wenn man zehn Minuten später oder aus einem anderen Blickwinkel fotografiert, schaut es gleich anders aus“, sagt eine andere Reiterin, die einmal beobachtet haben will, wie die Amtstierärztin neben ihr einfach über den Zaun geklettert sei, ein Foto gemacht habe und dann wieder über den Zaun verschwunden sei.

„Die meisten Tiere, die zu uns kamen, hatten davor schon Hufrehe.“Michaela Herites

Und noch eines beunruhigt die derzeit 84 Vereinsmitglieder: Dass es bei der Behörde angeblich eine „Wunschliste“ für Pferde gibt: Werden diese Tiere von Amtswegen der Oase-Betreiberin Michaela Herites abgenommen, dann bekommen sie die Tiere. Denn schon mehrmals bekam die gelernte Pferdewirtin Post von der BH, sie habe die Anzahl der Pferde zu reduzieren. „Müssen wir noch mehr Tiere abgeben, dann müssen wir Pferde abgeben, für die es Pflegeverträge und somit Einnahmen gibt“, sagt ein Oase-Mitglied.

Die Zeugen im Beweisverfahren hatten Michaela Herites unter Wahrheitszwang vorgeworfen, die Tiere im Jänner 2018 wochenlang im durch Dung verunreinigten Gatsch stehen lassen zu haben, Herites selbst bestritt den Vorwurf der Tierquälerei. „Die meisten Tiere, die zu uns kamen, hatten davor schon Hufrehe.“ Warum das Angebot einer Diversion für sie nicht in Frage kommt? „Dann würde ich mich ja von etwas freikaufen wollen, an dem ich nicht schuld bin!“

Bei der Bezirkshauptmannschaft ist man sich bewusst, dass die Maßnahmen nicht populär sind: „Unser Ziel ist es, einen Zustand herzustellen, mit dem wir gut über den Winter kommen“, sagt Bezirkshauptfrau Gerlinde Draxler. Dass über die BH Pferde vermittelt werden, bestreitet sie: „Das ist nicht unsere Aufgabe.“