„Wird nicht leichter werden!“. Bei der nächsten Nationalratswahl wird Bezirk Gänserndorf nicht zum Weinviertel gehören.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 26. Oktober 2016 (05:01)
Land NÖ; NÖN-Grafik: Gastegger

Nach der Zerschlagung des Bezirks Wien-Umgebung mit 1. Jänner werden auch die Nationalrats-Wahlkreise in Niederösterreich neu definiert: Der Bezirk Gänserndorf wird künftig mit dem Bezirk Bruck und der Stadt Schwechat einen eigenen Wahlkreis bilden, der Wahlkreis Weinviertel schrumpft um circa 60.000 Wahlberechtigte auf die politischen Bezirke Hollabrunn, Mistelbach und Korneuburg samt Gerasdorf.

"Möglichst gleich große Wahlkreise"

„Sinn dahinter ist, dass man versucht, möglichst gleich große Wahlkreise zu haben“, weiß SPÖ-Bezirksvorsitzende Melanie Erasim. Die Reform der Wahlkreise hat bereits den entsprechenden Nationalratsausschuss passiert. Ein Beschluss im Parlament ist nur noch eine Frage der Zeit, denn die Änderungen sollen bereits mit Anfang 2017 in Kraft treten.

Was bedeutet die Umgliederung für das Rest-Weinviertel bzw. für den Bezirk? Bisher waren im Wahlkreis Weinviertel theoretisch sieben Direktmandate zu vergeben - vier davon konnten Nationalräte bei der Wahl 2013 tatsächlich erlangen: Eva-Maria Himmelbauer und Hermann Schultes für die ÖVP, Rudolf Plessl für die SPÖ und Barbara Rosenkranz (FPÖ) konnten mit ihren Parteien genügend Stimmen für den Direkteinzug in den Nationalrat sammeln. Die beiden anderen Nationalräte aus dem Weinviertel, Dorothea Schittenhelm (ÖVP) und Christian Lausch (FPÖ), waren über die Landesliste ins Parlament eingezogen.

Nur noch fünf Direktmandate im Weinviertel

Nach der Umstrukturierung der Wahlkreise wird es im neuen Weinviertel nur noch fünf Direktmandate zu erlangen geben - und zwei Mandatsinhaber werden mit Gänserndorf aus dem Weinviertel ausscheiden: Der Obersiebenbrunner Rudolf Plessl wird sich sein Mandat mit den Kollegen aus Bruck ausmachen müssen - wobei in der SPÖ davon ausgegangen wird, dass man einem amtierenden Nationalrat nicht sein Mandat entzieht. Der Zwerndorfer Hermann Schultes tourt derzeit durch den Bezirk Mistelbach: „Ich bin auf meiner Abschiedstour vom Weinviertel“, sagt er zur NÖN. Im Moment würden auf Bauernratsversammlungen die Weichen für die Zukunft gestellt.

„Wir haben halt einen Bezirk weniger im Wahlkreis. Insofern sind die Chancen auf einen eigenen Nationalrat für den Bezirk nicht größer und nicht kleiner geworden.“

Karl Wilfing,ÖVP-Bezirksobmann

Was bedeutet der kleinere Wahlkreis für den Bezirk? Bei der Wahl 2013 scheiterte die SPÖ doch deutlich am zweiten Direktmandat, der Gaweinstaler Hubert Kuzdas rutschte damals aus dem Parlament. Im kleineren Wahlkreis steigen die Chancen, sollte der Wahlkreiskandidat aus dem Bezirk kommen: Denn der Hauptanteil der Stimmen von Rudi Plessl kam aus Mistelbach, ist SPÖ-Bezirksvorsitzende Melanie Erasim überzeugt. Derzeit verhandeln die Weinviertler Bezirks-Chefs die Modalitäten zur Reihung der Kandidaten im Wahlkreis: „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Erasim, die Stimmung sei gut.

"Zistersdorfer wären lieber im Weinviertel geblieben"

Hat der Bezirk Mistelbach im kleineren Wahlkreis endlich die Chance auf einen schwarzen Nationalrat? „Es wird sich nichts Wesentliches ändern“, ist ÖVP-Bezirksobmann Landesrat Karl Wilfing überzeugt: „Nachdem wir unsere Kandidaten mittels Vorzugsstimmen küren, wird es wie bisher auf die Zugkraft der Kandidaten ankommen!“ Eva-Maria Himmelbauer aus dem Retzerland sei jung, sehr aktiv und komme gut an, da stelle sich die Frage nicht, wer Wahlkreis-Spitzenkandidat bei der nächsten Wahl werde.

Etwas unglücklich mit der Umstrukturierung sei lediglich der Raum Zistersdorf: „Der ist nach Mistelbach orientiert“, weiß Wilfing: „Die Zistersdorfer wären lieber im Weinviertel geblieben.“