Dorf in digitaler Steinzeit. Schnecken-Internet / Waltersdorf mit seinen 50 Nutzern ist für die Telekom zu klein, um den Ort an schnelle Datenleitungen anzubinden. Jetzt soll’s ein alternativer Anbieter richten.

Von Ingrid Fröschl-Wendt. Erstellt am 05. Februar 2015 (05:54)
Die Infoveranstaltung der Gemeinde und von Kabelplus stieß auf großes Interesse der Waltersdorfer: Josef Habitzl, Michaela Scheiner, Bürgermeister Leopold Muck, Werner Diem, Daniela Bieder, Patrick Mayer von Kabelplus, Gemeinderat Reinhard Rieder, Doris Rieder und Christian Böck.
NOEN, Ingrid Fröschl-Wendt
„Wenn ich ein Mail öffnen wollte, dann dauerte es rund 20 Minuten. Unser Computer steht darum in der Küche, damit meine Frau während des Kochens immer wieder einen Blick auf den Computer machen konnte, um weiterzuklicken,“ erzählt ein leidgeprüfter Waltersdorfer Internet-Nutzer. Dabei zählt er sich noch zu den Privilegierten im Ort.

Immer wieder Unterbrechungen und Ausfälle

Denn das war die Situation bis vor Kurzem, als man in seinem Haus noch auf den mobilen Internet-Stick angewiesen war. Dann ist jemand in Waltersdorf gestorben und dessen frei gewordene Leitung wurde ihm zugewiesen. Nun geht es für ihn schneller.

Andere Nutzer besitzen zwar eine LAN-Verbindung, doch die ist offensichtlich so schwach, dass es immer wieder zu Unterbrechungen und Ausfällen kommt. „Wir können uns nicht einmal ein Youtube-Video ansehen, weil man dazwischen immer Minuten warten muss. Von einem Film ganz zu schweigen,“ erzählen sie.

So wie sie leiden viele Waltersdorfer unter ihrer Abgeschiedenheit. Für den derzeitigen Ausbaugrad von 53 Prozent, der für die Marktgemeinde Staatz seitens der Telekom (A1) vorgesehen ist, ist der kleine Ort Waltersdorf nicht mehr notwendig.

Auch Leerverrohrung wird nicht genutzt

Die Verbindungen mit Glasfaserkabeln, die ein schnelles Internet ermöglichen könnten, werden hier nicht verlegt. „Zu teuer für rund 50 Nutzer“, hat ein Techniker einem klagenden Dorfbewohner einmal verraten.

Und auch die beim Kanal vorsorglich mitverlegte Leerverrohrung wird nicht genutzt, erzählt Bürgermeister Leopold Muck. „Das Land NÖ möchte den Ausbau fördern, doch bis es zu uns kommt, kann das noch zehn bis fünfzehn Jahre dauern“, sagt Muck.

„Brauchen rund fünfzehn Interessenten,
damit sich Sendeanlage auszahlt“
Patrick Mayer von Kabelplus

Doch solange will er Waltersdorf nicht in der digitalen Steinzeit belassen. Gemeinsam mit den Gemeinderäten Andreas Glaser und Reinhard Rieder wurde darum bei der EVN-Tochter Kabelplus angeklopft. Die verbinden Kontaktfreudige per Funk mit dem weltweiten Netz. Notwendig dazu ist ein rund sechs Meter hoher Sender an einem erhöhten Standort und eine Empfangsanlage auf dem Dach des jeweiligen Hauses.

Gemeinsam mit den Waltersdorfern kann dieser Sender auch einige Ameiser Haushalte versorgen, die ebenfalls unter einer schlechten Verbindung leiden. Die erste Infoveranstaltung im Waltersdorfer Gasthaus Wiesmann war darum mehr als überbelegt, das Interesse enorm. „Rund fünfzehn Interessenten brauchen wir, damit sich eine Sendeanlage auszahlt“, erzählt Patrick Mayer von Kabelplus.

Jetzt kommt es auf die Menge der Anmeldungen an, ob sich Walterdorf endlich der Welt öffnen kann.