„Weil wir es nicht wollen!“. ERFOLG FÜR GEGNER / Die OMV will sich Nachdenkpause beim Thema Schiefergas geben und zuerst das Verfahren ausreifen und von Umweltsenat und TÜV prüfen lassen.

Erstellt am 06. März 2012 (00:00)
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VON MICHAEL PFABIGAN

WEINVIERTEL / Am Freitag der Vorwoche zog die OMV die Konsequenzen aus dem massiven Widerstand, der dem Energieriesen aus dem kleinen Weinviertel entgegenschlug: „Die OMV nimmt die Sorgen und die Verunsicherung der Bevölkerung sehr, sehr ernst. Um den vielen Bedenken entsprechend Rechnung tragen zu können, werden die Ergebnisse der umfassenden Umwelt- und Sozialstudien vom Umweltbundesamt und von TÜV Austria abgewartet. Bis auf Weiteres wird es daher keinen Projektantrag geben!“, sagt OMV-Sprecher Johannes Vetter.

Dass das Projekt Schiefergasförderung im Weinviertel nicht so glatt und flott ablaufen werde, wie ursprünglich geplant, hatte sich bereits abgezeichnet: In den Tagen zuvor wurde immer wieder betont, dass das Projekt „in einem sehr frühen Projektstadium ist und dass auch noch nichts bei der Montanbehörde eingereicht“ sei. Bis tatsächlich Probebohrungen starten könnten, kann noch einige Zeit dauern.

Mit der Klarstellung von Vetter hatte Herrnbaumgartens Bürgermeister Christian Frank auch die Antwort auf die Absage Herrnbaumgartens eine Probebohrung auf ihrem Gebiet zu akzeptieren: „Dazu brauchen wir keinen Gemeinderatsbeschluss, das ist die Meinung unserer Bürger!“ Und die OMV habe in den Bürger-Infoveranstaltungen immer wieder betont, dass sie nichts gegen den Willen der Bürger tun werde. „Ich hoffe, sie halten sich daran!“

„Das Projekt ist nicht  vertretbar!“

 

„Gut, dass die OMV das Schiefergasprojekt jetzt zurückzieht. Nach derzeitigem Wissensstand ist es nicht vertretbar!“, findet Poysdorfs Bürgermeisterin Gertrude Riegelhofer: „Wir lassen Probebohrungen nicht zu. Dagegen gibt es eine breite Ablehnungsfront in Poysdorf!“

„Wir können aufatmen, die akute Gefahr ist fürs Erste gebannt“, ist Renate Vacha von der Bürgerinitiative Risiko-Gas zufrieden mit diesem ersten Schritt. „Wir bleiben aber hellhörig, da die OMV die Probebohrungen nur „vorerst verschoben“ haben und immer noch die Umweltverträglichkeit prüfen will!“ Die Bürgerinitiative werde weiterhin ein Verbot von Schiefergasbohrungen in ganz Österreich fordern, damit wären derartige UVPs obsolet.

„Das ist ein guter Tag für das Weinviertel! Schlussendlich ein Sieg der Vernunft!“, kommentiert ÖVP-Landtagsabgeordneter und Tourismusobmann Kurt Hackl den Rückzieher der OMV. Hackl hatte sich als erster Landespolitiker gegen das Projekt ausgesprochen und auch Landeshauptmann Erwin Pröll überzeugt, sich für die Weinviertler einzusetzen. Hackl will sich weiter für UVPs bei Fracking-Projekten einsetzen.

Einen Sieg der Vernunft sieht auch SPÖ-Nationalrat Hubert Kuzdas: Dass das Unternehmen das Projekt nicht gegen den Widerstand der Weinviertler durchziehen wolle, spreche immerhin für die OMV. „Man muss aber auch sagen, dass das Unternehmen in der Kommunikation mit dem Thema Schiefergas nicht gerade glücklich agiert hat. Da die vorgelegten Konzepte eines „clean frackings“ nicht überzeugend seien, sei der Rückzieher die richtige Entscheidung. Jetzt solle man abwarten, wie das Mineralrohstoffgesetz überarbeitet werde, um dort die Voraussetzungen für UVPs im Verfahren zu schaffen.

„Solange es kein ökologisch vertretbares Verfahren gibt, kann es keine Zustimmung geben“, findet Landesrat Karl Wilfing (ÖVP), insofern ist es gut, dass die OMV das Tempo aus der Diskussion heraus nimmt.

Als „volkswirtschaftlichen Unsinn“ hatte in der Woche zuvor Experte Werner Zittel bei einem Anti-Schiefergas-Symposium in der Akademie der Wissenschaften die Pläne bezeichnet. Auch wenn sauberes Fracken gelingt: Die Bohrkosten gingen ins Unermessliche.