Trockenheit bringt weniger Wein. Fehlender Niederschlag führt zu bis zu 30 Prozent weniger Lesemenge. Hoffen auf kühle Nächte.

Von Cathrine Leisser. Erstellt am 08. September 2017 (05:22)
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Spätfrost, Trockenheit und Hitze – der Weinbau musste 2017 schon einiges aushalten und war von Wetterextremen geprägt. Trotzdem zählte er Anfang des Sommers, im Gegensatz zu vielen Bodenkulturen, nicht zu den Sorgenkindern von Bauernkammer-Obmann Hermann Stich, da die Weinstöcke als robust gelten und die Hitzewelle bis dorthin gut wegstecken konnten.

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Kurz vor der heurigen Weinlese steht jedoch fest: Die Trockenheit der letzten Wochen ging nicht spurlos an den Weinstöcken vorbei und bewirkte ein eingeschränktes Wachstum. „Teilweise waren die Triebe so kurz, dass diese, anstatt wie üblich zwei- bis dreimal, heuer nur einmal abgestutzt werden mussten“, sagt Winzer Lorenz Strobl aus Poysdorf. Der langersehnte Regen habe auf jeden Fall geholfen, jedoch wäre ein weiterer vor der Weinlese noch wichtig.

Nut 250 Millimeter Niederschlag

In Wolkersdorf gab es seit Anfang Jänner einen Niederschlag von nur 250 Millimetern, was viel zu wenig ist. Zum Vergleich: Im vorjährigen August hat es Niederschlag von 400 Millimeter gegeben. „Gerade in den Monaten Juli und August brauchen die Trauben Wasser für ein gutes Wachstum, aber auch, um Mineralstoffe und andere wertvolle Stoffe aus dem Boden holen zu können“, erklärt Winzerin Romana Haindl-Erlacher aus Wolkersdorf.

Die Trockenheit wird sich vor allem in der Lesemenge bemerkbar machen, weshalb Strobl mit einem Verlust von 25 bis 30 Prozent rechnet. Den Winzern im Raum Wolkersdorf geht es da nicht anders: Schon der Spätfrost hat den Ertrag um ein Drittel reduziert und aufgrund der Hitze und Dürre soll es ebenfalls Verluste geben.

Auch qualitativer Schaden befürchtet

„Wir können nicht bewässern, weshalb einige Junganlagen vertrocknet sind und heuer keinen Ertrag bringen werden. Auch bei älteren Weingärten am Südhang gibt es Trockenschäden“, so Haindl-Erlacher. Auch der Wolkersdorfer Weinbetrieb rechnet mit einer kleineren Ernte, mit einer geringeren Saftausbeute der Trauben und möglicherweise auch mit qualitativen Einbußen.

Durch den Spätfrost gibt es Trauben verschiedener Reife an einem Rebstock. Für Winzer, die Handlese betreiben, ist das kein Problem, da sie in mehreren Durchgängen die vollreifen Trauben herausholen können. Die unreifen, durch Trockenheit gestressten Trauben können bittere Noten im fertigen Wein verursachen. „Bei Geschmack und Qualität hoffen wir nun auf die kühlen Nächte, die besonders Fruchtigkeit und Aroma beim Weißwein fördern und die Säure stabil halten“, so Haindl-Erlacher. Durch die Trockenheit und fehlende Flüssigkeit erwartet Strobl extraktreichere Trauben, die einen gehaltvolleren Wein bedeuten. Die Winzer sind sich jedoch einig: Voraussichtlich werden Rotweine aufgrund der Qualität der Trauben heuer sehr gut ausfallen.

Mitte September werden die Winzer mit der Lese starten, wobei Strobl mit dem Muskateller beginnen möchte und bei Haindl-Erlacher Sauvignon Blanc, Neuburger und der fruchtige Grüne Veltliner den Vortritt haben. Bei der Weintaufe im November wird der erste Strobl-Wein abgefüllt sein. Wer den heurigen Wein vom Weingut Haindl-Erlacher probieren möchte, muss sich bis frühestens Jänner 2018 gedulden.