Erstellt am 18. Januar 2017, 04:50

von Michael Pfabigan

Volksbank sperrt vier Klein-Filialen zu. Die Standorte Hohenau, Auersthal, Groß-Schweinbarth und Hohenruppersdorf werden geschlossen

Die Volksbank in Gaweinstal wird durch die Schließungen der Filiale aufgewertet. Sie wird die Kundenbetreuung für Hohenruppersdorf und Groß Schweinbarth übernehmen.  |  Michael Pfabigan

Es ist, wie es in Bankkreisen erwartet wurde: Zuerst kam die Bankenfusion im Volksbankensektor, bei der ein Bankenkonstrukt vom nördlichen Weinviertel bis ins Südburgenland entstand, jetzt folgt die Straffung des Filialnetzes: Im Bereich der Regionaldirektion Weinviertel, dem Einzugsgebiet der früheren Volksbank Weinviertel in Mistelbach, werden vier Filialen geschlossen bzw. die Leistungen in zwei anderen konzentriert.

"Gebündelte Kompetenz für alle Kunden"

Ab Februar werden so die Filialen Hohenruppersdorf, Auersthal, Groß-Schweinbarth und Hohenau gesperrt. „Die Filialstrategie der Volksbank Wien liegt in Kompetenzcentern“, sagt Regionaldirektor Johannes Singer: „Statt Kleinstfilialen soll es in Filialen die gebündelten Kompetenzen für alle Kunden geben.“

Dem allgemeinen Trend der Filialstrukturstraffung könne sich auch der Volksbankensektor nicht entziehen. „Damit ist im Weinviertel die Strukturbereinigung abgeschlossen, wir sind für die Zukunft gerüstet“, ergänzt Regionaldirektor Rudolf Riener.

Derartige Kompetenzcenter werden zwischen fünf und zehn Mitarbeiter haben und im Bezirk die Standorte Laa, Mistelbach, Poysdorf, Zistersdorf (übernimmt die Agenden von Hohenau), Gaweinstal (übernimmt die Agenden von Hohenruppersdorf und Groß-Schweinbarth) und Deutsch Wagram (Auersthal) sein. In diesen Filialen wird der SB-Bereich, soweit nicht ohnehin schon vorhanden, ausgebaut, für die täglichen Geschäfte wird es Ein- und Auszahlungsautomaten geben, sodass die Bankmitarbeiter hauptsächlich Zeit für die Beratung der Kunden haben werden.

Riener: Kleinfilialen wurden oft diskutiert

Erfolgte die Schließung nur wegen der Fusion zur Volksbank Wien? „Nein“, sagt Regionaldirektor Rudolf Riener: „Wir haben bei Auersthal und Groß-Schweinbarth regelmäßig diskutiert, ob wir diese Kleinststandorte noch erhalten sollen“, ausschlaggebend sei dann das Betreuungskonzept der Volksbank Wien geworden. „Schwer gefallen ist uns die Schließung des Standortes Hohenau“, sagt Rudolf Riener: „Hohenau war eine sehr ertragsreiche und wichtige Filiale.“

Was bedeutet das baulich? In Zistersdorf und Gaweinstal wird es Anpassungen beim Bestand geben, alle anderen Filialen entsprechen bereits den Vorgaben. Bei den zu schließenden Filialen ist man in einem Fall in einem Mietverhältnis, das wird gekündigt, beim Rest gehören die Häuser der Volksbank. Hier wird die Volksbank Wien ein neues Nutzungskonzert erarbeiten.

Personell wird der bisherige Hohenruppersdorfer Filialleiter Dietmar Stoiber nach Gaweins tal wechseln und dort die Filiale übernehmen, Edith Schuch geht freiwillig einen Schritt zurück: „Sie sagt, sie will sich wieder mehr auf ihre Kunden konzentrieren können und beraten“, sagt Riener. Grundsätzlich sollen keine Arbeitsplätze durch die Filialzusammenlegung abgebaut werden: „Im Gegenteil: Wir suchen sogar wieder qualifizierte Berater!“, sagt Singer.

„Damit ist im Weinviertel die Strukturbereinigung abgeschlossen, wir sind für die Zukunft gerüstet!“

Rudolf Riener, Regionaldirektor Volksbank

Keine weiteren Filialsperren wird es bei der Volksbanken-Regionaldirektion Wolkersdorf geben: „Wir haben die Filiale Seyring bereits im Vorjahr zugesperrt, mehr ist nicht geplant“, sagt Regionaldirektor Richard Scheider, die drei Filialen Wolkersdorf, Obersdorf und Deutsch Wagram bleiben wie bisher.

Wolkersdorf wird zur Schalter-Filiale für das Stammhaus Obersdorf – auch, weil für alle Angebote die Räumlichkeiten in Wolkersdorf zu beengt sind. Das Kompetenzzentrum bleibt deshalb in Obersdorf. Ausgebaut als Zentrale im Marchfeld wird hingegen die Filiale in Deutsch Wagram. Sie soll die Kunden im Gebiet der Marchfelder Bank, der ehemaligen Volksbank Gänserndorf, versorgen. Die Gänserndorfer Volksbank hatte sich gegen die Fusion mit der Volksbank Wien entschieden und den Weg in die Unabhängigkeit gewählt.

Zahlt es sich aus, in Wolkersdorf und Mistelbach, zwanzig Kilometer voneinander entfernt, je eine Regionaldirektion sitzen zu haben oder würde sich eine Zusammenlegung auszahlen? „Irgendwann werden wir darüber nachdenken müssen, ob das sinnvoll ist“, sagt Wolfgang Layr von der Volksbank Wien. Geplant sei derzeit nichts. Aber wie es geht, wird derzeit im südlichen NÖ vorexerziert: Die Regionaldirektionen Baden und Wiener Neustadt werden zusammengelegt, nachdem einer der Direktoren in Pension gegangen war.

Eine Zusammenlegung der Regionaldirektionen im Weinviertel werde nicht von heute auf morgen entschieden, sagt Layr. Und Auswirkungen auf die Kunden habe das ohnehin nicht.