Hochwasserschutz: „Haben es satt, länger zu warten!“. Die Bewohner der Kothwiesensiedlung wollen zum Volksanwalt gehen. Dieser Tage erreicht die Mistelbacher NÖN ein Hilferuf der Bewohner der Kothwiesensiedlung in Wilfersdorf. Sie suchen Unterstützung, damit der versprochene Hochwasserschutz endlich Wirklichkeit wird.

Von Gerhard Brey. Erstellt am 23. Februar 2017 (07:04)
NOEN, zVg
Sturzfluten und Schlammlawinen, so wie beim Unwetter 2014, dürfen sich in Wilfersdorf nicht mehr wiederholen. Entsprechender Hochwasserschutz soll Abhilfe schaffen.

Zur Vorgeschichte: In den 80er-Jahren wurden die Grundstücke der Siedlung auf Bauland umgewidmet, im besten Wissen, attraktives Siedlungsgebiet in guter Lage zu schaffen. Der Baugrund galt als hochwassersicher und die Siedlung stand auch bald. Doch am 26. Mai 1994 gab es die ersten massiven Überschwemmungen.

Der damalige Bürgermeister der Gemeinde: „Gegen ein hundertjähriges Hochwasser sind wir machtlos. Ich werde mit der Wasserbauabteilung nach Lösungen suchen.“ Damals strömten die Fluten der Hochwasser führenden Zaya durch ein offenes Betonrohr in die Siedlung. Etwa 50 Keller der Einfamilienhäuser wurden geflutet und verwüstet. Weitere Überschwemmungen folgten.

Am 23. August 2014 kam es besonders arg. Nicht nur die Kothwiesensiedlung wurde mit Sturzbächen und „Schlammlawinen“ beglückt, sondern auch die Mistelbacherstraße war eine Schlammwüste. Viele Häuser kamen zu Schaden und einige Bewohner standen vor dem Nichts.

„Auf eine nachhaltige Lösung warten wir nun seit 23 Jahren vergeblich!“Christian Martin, Sprecher der Bewohner der Kothwiesensiedlung

Christian Martin, Sprecher der Bewohner der Kothwiesensiedlung: „Die Gemeinde hat 2014 versprochen, rasch Abhilfe zu schaffen. Ein funktionierendes Hebewerk wurde inzwischen installiert und der Grenzgraben ausgebaggert, aber offensichtlich mit falschem Gefälle.

Auf eine nachhaltige Lösung warten wir nun seit 23 Jahren vergeblich.“ Die Geduld der Bewohner der Siedlung ist im Moment am Ende und sie überlegen, ob sie nicht die Volksanwaltschaft um Hilfe ersuchen sollen.

Bürgermeister Josef Tatzber zu den Vorwürfen: „Natürlich arbeiten wir intensiv an einer Komplettlösung. Das Hochwasserproblem in der Siedlung hat höchste Priorität.“

Alternative Modelle zum Hochwasserschutz

Konkret wird an drei alternativen Modellen zum Hochwasserschutz für die Siedlung gemeinsam mit der Wasserbauabteilung des Landes gearbeitet. Notwendig dafür ist aber auch ein Grundstück, von dem sich der Besitzer partout nicht trennen will.

Eine Enteignung ist aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Ebenso sind wasserrechtliche Bewilligungen für jedes Projekt notwendig, was auch nicht von Heute auf Morgen geht. „Das Land wird jedenfalls grundsätzlich das gewählte Projekt unterstützen“, so der Bürgermeister, der mit der langen Dauer der Angelegenheit ebenso unglücklich ist wie die betroffenen Siedler.

Gut Ding braucht Weile

Bürgermeister Tatzber: „Ich fühle mit den Bewohnern der Kothwiesensiedlung so mit, als ob diese Überflutungen mich und meine Familie getroffen hätten“, sagt der Bürgermeister. „Ich kann allerdings auch niemanden dazu zwingen, sich kooperativ gegenüber den Bewohnern der Siedlung zu zeigen, indem er sein Grundstück für den Hochwasserschutz der Siedlung zur Verfügung stellt. Deshalb werden ja auch drei Varianten geprüft.“

Leider brauche gut Ding eben seine Zeit und die Gemeinde stecke mitten in den Verhandlungen, so der Orts-Chef.